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Donnerstag, 14.09.2017 Gerichtsbericht

Denkmalstatus nach Umbau futsch

Ein Mann aus Hamburg sanierte eine Ruine in Wilsdruff. Dabei wich er vom Bauplan ab und stand nun deshalb vor Gericht.

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Die Außenansicht zeigt das ehemalige Kulturdenkmal vor der Sanierung.
Die Außenansicht zeigt das ehemalige Kulturdenkmal vor der Sanierung.

© Repro: S. Klingbeil

  • Die Außenansicht zeigt das ehemalige Kulturdenkmal vor der Sanierung.
    Die Außenansicht zeigt das ehemalige Kulturdenkmal vor der Sanierung.
  • Auf diesem Bild ist das Haus nach dem Bau zu sehen.
    Auf diesem Bild ist das Haus nach dem Bau zu sehen.

Wilsdruff. Nach der Flut im Juni 2013 war die Ruine an der Wilden Sau stark beschädigt. Dennoch hatte sich ein Käufer gefunden, der das damals noch als Kulturdenkmal gelistete Haus am Ehrenfriedhof in Wilsdruff sanierte. „Die Gegend ist schön“, so der Besitzer, ein Reiseverkehrskaufmann aus Hamburg. Die Sanierung habe ihn rund 340 000 Euro gekostet, sagt er der SZ. „Anfangs waren 275 000 Euro geplant.“ Es wurde teurer. Der 52-Jährige vermietet das Haus, es sei bewohnt. Dass er sich nun, lange nach Abschluss des Umbaus am Amtsgericht Dippoldiswalde verantworten muss, schmeckt dem Deutschen indes überhaupt nicht.

Er habe als Bauherr des gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Gebäudes bei der Sanierung 2014/2015 gegen das Gesetz zum Schutz und der Pflege der Kulturdenkmale in Sachsen verstoßen, eine Ordnungswidrigkeit. Der konkrete Vorwurf: Nur 20 bis 25 Prozent der ursprünglichen Bausubstanz des Denkmals waren am Ende noch erhalten. Fenster wurden vergrößert und teils versetzt. Auch eine historische Holzdecke und Fachwerkteile seien entfernt sowie vorab nicht genehmigte Baustoffe verwendet worden. Zwar sieht das Haus nach der Frischekur augenscheinlich hübscher aus als zuvor. Doch den Status als Kulturdenkmal war das Haus erst mal los.

Da er viel Geld in Kauf und aufwendige Sanierung der einstigen Ruine investiert hat, ficht der Angeklagte die Behörden-Entscheidung an, das Gebäude von der Liste sächsischer Kulturdenkmale zu streichen. Daher läuft ein weiteres Verfahren dagegen am Verwaltungsgericht Dresden. Mit einem Urteil in dieser Sache sei frühestens Mitte 2018 zu rechnen, so die Verteidigung.

Der Angeklagte räumt in Dippoldiswalde einen Teil der Vorwürfe ein, anderen widerspricht er. „Ich habe mich auf meinen Architekten verlassen“, sagt er. Der wiederum erklärt, dass die strittigen Entscheidungen baulich sinnvoll gewesen wären. Das Problem: Mit der Unteren Denkmalschutzbehörde im Landkreis wurden die Abweichungen vom genehmigten Plan nicht abgestimmt. Zum Vor-Ort-Termin mit der Behörde während der Sanierung kam es nie.

Die Denkmalbehörde lehnte die Abweichungen ab. Da aber war der Umbau praktisch fertig. Und, als das Haus schon nicht mehr als Denkmal geführt wurde, hat die übergeordnete Baubehörde die Abweichungen nachträglich genehmigt und verwarf so auch die vorherigen Auflagen. Das war im November 2016. Wurde hier tatsächlich ein Kulturdenkmal zerstört? Das Gericht sollte eine Antwort darauf finden – und fand sie. Nach einem Rechtsgespräch der Prozessbeteiligten wurde das Verfahren wegen geringer Schuld eingestellt. (skl)