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Mittwoch, 10.01.2018

Denkmal ohne Besucher

Ein Verein will Führungen im Sender Wilsdruff veranstalten. Doch das Gelände ist für die Öffentlichkeit geschlossen.

Von Hauke Heuer

Jürgen Juhrig, Vorsitzender des Technikvereines Sender Wilsdruff, beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der historischen Mittelwellen-Sendeanlage und der umliegenden Gebäude. Gerne würde er sein Wissen bei Führungen weitergeben. Doch bisher blieb ihm der Zugang zum Gelände verwehrt.
Jürgen Juhrig, Vorsitzender des Technikvereines Sender Wilsdruff, beschäftigt sich seit Jahren mit der Geschichte der historischen Mittelwellen-Sendeanlage und der umliegenden Gebäude. Gerne würde er sein Wissen bei Führungen weitergeben. Doch bisher blieb ihm der Zugang zum Gelände verwehrt.

© Andreas Weihs

Wilsdruff. Er ist das heimliche Wahrzeichen der Stadt Wilsdruff und bleibt dennoch der Öffentlichkeit verschlossen. Der Sender Wilsdruff, unweit der Autobahn, prägt mit seiner 153 Meter hohen Antenne das Landschaftsbild der Region wie kaum ein anderes Gebäude. 59 Jahre lang wurde hier das Signal der Sender Radio DDR I und des Berliner Rundfunkes ausgestrahlt. Bis 2013 sendete MDR Info von Wilsdruff aus über Mittelwelle. Seitdem hat es sich auf dem Gelände, das sich mittlerweile in Privatbesitz befindet, ausgefunkt.

Anlässlich des 65. Jahrestags des Sendebeginns und des 100. Jubiläums des Heimatmuseums Wilsdruff im kommenden Jahr möchte der Technikverein Sender Wilsdruff in Zusammenarbeit mit dem Eigentümer Führungen durch einzelne Bereiche des denkmalgeschützten Komplexes ermöglichen. „Uns geht es mittelfristig zunächst nur darum, zweimal im Jahr, etwa zum Tag des offenen Denkmals im September und zum Dampftreff des Dampfmaschinenvereines im April, Zugang zu dem Gelände zu erhalten“, erklärt Jürgen Juhrig, Vorsitzender des Vereines. Sowohl die historische Sendetechnik als auch die interessante 50er-Jahre-Architektur der Gebäude und die Landschaftsgestaltung des Gesamtobjektes seien von hohem historischen Wert. So kündigt Juhrig an, auf den neuen Besitzer des Geländes, der hier seit einigen Jahren eine Pferdezucht betreibt, zuzugehen. „Es gilt, gemeinsam eine Lösung zu finden, die auch die berechtigten Interessen des Eigentümers berücksichtigt“, erklärt der ehemalige Mitarbeiter der Wilsdruffer Stadtverwaltung.

Alte Sendetechnik in Gefahr

Langfristig will der Technikverein Sender Wilsdruff allerdings noch viel mehr erreichen. Insbesondere die alten technischen Anlagen müssten dringend vor dem Verfall gesichert werden. „2012 konnte ich das Gebäude betreten und mir einen Einblick verschaffen“, erinnert sich Juhrig. Im Hauptgebäude würden sich noch Senderöhren, riesige Kondensatoren und Schaltpulte befinden. Zwei große U-Boot-Dieselmotoren dienten dem Sender als Notstromaggregate und stünden seit Jahrzehnten still. Ginge es nach Juhrig und seinen Mitstreitern, sollten die wichtigsten Elemente der Sendetechnik entsprechend den Regeln des Denkmalschutzes erhalten bleiben. Im Zweifel müsste man Kompromisse eingehen und die Geräte in ein Museum auslagern.

„Am sinnvollsten wäre es, die Anlage als Ganzes zu erhalten. Etwas Vergleichbares gibt es in Deutschland kein zweites Mal“, meint Juhrig. Alternativ kann sich Juhrig vorstellen, dass die wichtigsten Objekte mit digitaler Technik in 3D-Modellen visualisiert werden, um so das technische Denkmal auch für kommende Generationen zu erhalten.

So ambitioniert die Pläne der Mitglieder des Technikvereines sind, so wenig können sie in eigener Initiative erreichen. „Um ein nachhaltiges, förderfähiges Projekt auf die Beine zu stellen, sind wir auf die Kooperation des Eigentümers sowie auf die Unterstützung von Museen und Universitäten angewiesen“, stellt Juhrig klar.

Bereits vor fünf Jahren habe es Gespräche mit dem neuen Eigentümer gegeben, die jedoch im Laufe der Zeit im Sand verliefen. Nun hofft der Verein darauf, den Dialog wieder aufnehmen zu können. „Die Zeit spielt gegen uns, wenn nichts geschieht. Der Werterhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz kann zwar durch den Besitzer dankenswerterweise gewährleistet werden, die Perspektive der Sendetechnik ist allerdings ungewiss. Der Abriss des Sendemastes wurde 2013 von der Media Broadcast GmbH beantragt und liegt bisher auf Eis. Dass der Abriss irgendwann kommt, scheint sicher. Davor müssten wir wichtige Teile der Anlage und eventuell des Mastes sichern“, erklärt Juhrig und hofft, bald eine gute Lösung für sein Herzensprojekt zu finden.