erweiterte Suche
Dienstag, 26.09.2017

Den Zahnteufeln auf der Spur

Kinder werden selbst zum Zahnarzt und bauen spielerisch Ängste ab. Die Statistik zeigt: Nicht alle putzen richtig.

Von Tina Soltysiak

Tim schaut nach, ob Leons Zähne in Ordnung sind. Anlässlich des Tages der Zahngesundheit haben 32Jungen und Mädchen der Kitas Wasserplanscher und Tierhäuschen in der Praxis von Dr. Astrid Schlenker in Waldheim selbst Zahnarzt spielen dürfen.
Tim schaut nach, ob Leons Zähne in Ordnung sind. Anlässlich des Tages der Zahngesundheit haben 32 Jungen und Mädchen der Kitas Wasserplanscher und Tierhäuschen in der Praxis von Dr. Astrid Schlenker in Waldheim selbst Zahnarzt spielen dürfen.

© André Braun

Waldheim. Mit Begeisterung erklärt sich Leon bereit, Patient auf dem Zahnarztstuhl zu sein. Kein Wunder. Denn den kleinen Spiegel zum Angucken der Beißerchen hält kein echter Zahnarzt in den Händen, sondern sein Kumpel Tim. Gemeinsam mit zwölf anderen Jungen und Mädchen der Kita Wasserplanscher und 18 Kindern der Einrichtung Tierhäuschen sind sie anlässlich des Tages der Zahngesundheit in die Praxis von Dr. Astrid Schlenker gekommen.

„Hier dürfen sie selber Zahnarzt spielen, den Stuhl hoch- und runterfahren und einen Teil der Technik ausprobieren. Der Bohrer bleibt natürlich stumm“, sagt Praxismanagerin Angela Hampel. Es wäre gut, wenn Letzteres bei den Kindern immer so wäre. Doch es gibt Fälle, da müssen die Ärzte bereits an den Milchzähnen Karies entfernen. Dennoch ist ihr Eindruck: „Die Kinder haben gesündere Zähne. Es ist besser geworden.“

Die Statistik des Sächsischen Ministeriums für Soziales und Verbraucherschutz spricht allerdings eine andere Sprache. Mittelsächsische Kinder haben ein höheres Kariesrisiko, als es beim sächsischen Durchschnitt besteht. Im Schuljahr 2015/2016 – das sind die aktuellsten Daten – hatten 88,36 Prozent der Dreijährigen im Freistaat Sachsen noch nie Karies. In Mittelsachsen waren es 86,25 Prozent. Bei zwei Prozent der Jungen und Mädchen musste der Zahnarzt sogar schon das Gebiss „sanieren“, wie es in der Statistik heißt. Dies spiegeln Ergebnisse der Erstuntersuchungen zur Zahngesundheit wider. Zum Vergleich: 2014/15 waren sachsenweit 88,53 Prozent aller Kindergebisse kariesfrei, in Mittelsachsen gab es bei 89,43 Prozent aller Dreijährigen keine Beanstandungen.

Dass die Kinder beim Putzen einige Stellen vergessen beziehungsweise nicht richtig erreichen, wird auch bei dem spielerischen Entdecken der Zahnarztpraxis deutlich. Der Farbtest ergibt das. „Überall hier sitzen noch kleine Zahnteufel. Die müssen weggeputzt werden. Sonst greifen sie den Zahn an und machen ihn kaputt“, erklärt Manja Zimmermann vom Praxisteam den Kindern.

Mit Hilfe des überdimensionalen Gebisses und einer Handpuppe zeigen sie und ihre Kolleginnen den Vorschülern, wie die Zähne richtig geputzt werden. Und das dürfen sie dann auch gleich ausprobieren. Jedes Kind bekommt einen Zahnputzbecher, eine Zahnbürste sowie -pasta geschenkt. „Diese stellt die Landesarbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege des Freistaates Sachsen zur Verfügung. Wir arbeiten jetzt schon das siebte Jahr mit den beiden Waldheimer Kitas zusammen. Die Kinder kommen jedes Jahr gern her“, so Praxismanagerin Angela Hampel. Im Kindergarten lernen die Kleinen bereits das Zähneputzen und tun es auch regelmäßig gemeinsam.

Laut den sächsischen Statistikern konnten 2015/16 in Mittelsachsen 83,8 aller Kindergartenkinder durch sogenannte Karies-Prophylaxemaßnahmen in der Gruppenprophylaxe erreicht werden, in Grundschulen sogar 95,2 Prozent.