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Den Spagat aus der Krise finden

Stahl Riesa will nach der Schmach von Lößnitz Wiedergutmachung. Kommt Schlusslicht Plauen zum rechten Zeitpunkt?

29.09.2017
Von Thomas Riemer & Jürgen Schwarz

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Stahl Riesa in der Krise? Zuletzt waren die Kontrahenten den Elbestädtern zu oft einen Schritt voraus, so dass es daheim gegen Glauchau (Foto) nur zu einem 1:1 reichte. Negativhöhepunkt war allerdings das 0:7 beim FC Lößnitz.

© Ronny Belitz

Lößnitz. Die Reaktionen waren heftig. „Ohne Worte“ heißt es auf der Vereinshomepage von Stahl Riesa nach der 0:7-Klatsche am Sonnabend in Lößnitz. „Blamabel“, „unwürdig“, „unerklärlich“ lauten andere Kommentare in den sozialen Medien. „So laufen Euch die Fans davon“, wird vor möglichen Folgen gewarnt.

Keine Frage:. Die 0:7-Schlappe liegt Trainern und Verantwortlichen sowie den Fans der BSG schwer im Magen. Der sportliche Leiter des Vereins, Bernd Kalies, spricht von „kollektivem Versagen“. Doch er hebt auch den sportlichen Zeigefinger. „Wir dürfen uns nicht zu lange damit beschäftigen, sondern müssen nach vorn schauen“, sagt er. Natürlich sei vor allem unmittelbar nach der Lößnitz-Schmach die Stimmung in der Mannschaft gedrückt gewesen. Doch man habe das Ganze ausgiebig ausgewertet. Riesas Angreifer und Routinier Jerome Wolf hofft auf eine Reaktion seiner Mannschaft: „Vielleicht kam diese heftige Niederlage zum richtigen Zeitpunkt, damit wir alle aufwachen und merken, dass es so nicht reichen wird.“

Tatsächlich war insbesondere die zweite Halbzeit in Lößnitz der Tiefschlag einer Saison, die bislang ganz sicherlich nicht nach den Vorstellungen der Elbestädter läuft. Einem starken Auftritt beim aktuellen Spitzenreiter in Großenhain (3:2) folgten weniger berauschende Spiele vor allem vor heimischer Kulisse. Auch wenn, wie Sportchef Bernd Kalies anmerkt, gerade zuletzt gegen Glauchau beim 1:1 auch jede Menge Pech dabei gewesen ist. „Da waren wir ein bisschen ,grün‘“, sagt er.

Personelle Konsequenzen wird es aus jetziger Sicht in der Mannschaft nicht geben. „Der Trainer steht nicht zur Disposition. Im Gegenteil: Wir stehen zu Daniel Küttner“, macht der sportliche Leiter unmissverständlich klar. Küttner ist seit gut einem Jahr Coach der Sachsenliga-Mannschaft und steht in dieser Saison vor keinem einfachen Job. Während im Sommer zahlreiche „alte Hasen“ die Mannschaft verließen, waren unter den Neuverpflichtungen zum teil sehr junge Akteure mit vergleichsweise wenig Erfahrung. Ob es mit Blick auf die Rückrunde deshalb nötig ist, sich nach personeller Verstärkung umzusehen, lässt Bernd Kalies offen. „Dazu ist es jetzt noch viel zu früh“, sagt er.

In jedem Fall soll jetzt erstmal nach vorn geschaut werden. „Mund abputzen und eine deutliche Wiedergutmachung auf dem Platz zeigen“, fordern die Verantwortlichen der Homepage und wohl auch die Fans. Da kommt der nächste Kontrahent am Sonnabend vielleicht wie gerufen. Denn mit der Reserve des Oberligisten VFC Plauen gastiert eine Mannschaft in der Feralpi-Arena, die in den sechs bisherigen Spielen keinen einzigen Punkt für sich verbuchen konnte. Die Vogtländer erzielten bislang nur drei Tore in 540 Minuten, kassierten aber 17 Treffer. Stahl hat also wieder einmal die Favoritenbürde zu tragen, mit der man sich gegen Zwenkau und Glauchau jedoch schwertat.

Über die Plauener Truppe, Aufsteiger aus der Landesklasse West, ist nicht so viel bekannt. Trainer ist Roger Fritzsch, der auch Plauens A-Jugend trainiert und daher auch jungen Leuten Einsatzchancen gibt. Einziger Neuzugang vor der Saison war der erfahrene Patrick Schröter, der vom Oberligisten Einheit Rudolstadt zurück zu seinem Heimatverein wechselte.

Stahl Riesa hat indessen an seine Fans appelliert, „unsere junge Mannschaft gerade in dieser schwierigen Phase besonders zu unterstützen“. Durch negative Stimmung „wird nichts besser“. Dass die Mannschaft jetzt in der Bringepflicht ist, scheint allen klar zu sein. Ein erster Schritt des Vereins: Alle Stahl-Fans mit einer Eintrittskarte vom Lößnitz-Spiel erhalten am Sonnabend freien Eintritt. Den zweiten Schritt können nur die Spieler selbst tun: drei Punkte gegen Plauen einfahren – und das mit einer möglichst guten Leistung, um sich und den Anhängern ins Gesicht schauen zu können.