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Den Patienten die Angst nehmen

Zum ersten Mal bietet das Dialysezentrum einen Tag der offenen Tür an. Der DA sprach mit dem ärztlichen Leiter Dr.  Noureddien Ibrahim.

05.10.2017

nten die Angst nehmen
Seit acht Jahren unterzieht sich Helga Kaulisch regelmäßig einer Dialyse. Dabei wird sie von Dr. Noureddien Ibrahim betreut.

© André Braun

Seit der Eröffnung des Dialysezentrums an der Grimmaischen Straße im Jahr 1996 haben dort rund 25 400 Patienten die nephrologische Sprechstunde besucht und es sind etwa 320 000 Dialysebehandlungen erfolgt.

Dr. Ibrahim, weshalb bietet das Dialysezentrum nach 21 Jahren zum ersten Mal einen Tag der offenen Tür an?

Wir wollen den Bürgern die Dialysebehandlung näherbringen. Viele Menschen haben Angst davor. Für sie ist es wie ein Weltuntergang, wenn sie hören, dass sie zur Dialyse müssen. Wenn sie den Vorgang einmal gesehen haben, ist es für die Betroffenen nicht mehr so schlimm.

Welche Faktoren müssen bei einem Patienten vorliegen, damit ihn ein Arzt in Ihre Sprechstunde überweist?

Die Überweisung erfolgt, wenn die Hausärzte bei den Laborwerten des Patienten Veränderungen feststellen, die auf eine Nierenstörung hinweisen. Im Normalfall filtert die Niere die Giftstoffe aus dem Körper. Wenn diese Funktion stark eingeschränkt ist, wird geprüft, ob eine Dialyse oder andere Nierenersatztherapie notwendig ist.

Kann ein Patient selbst erkennen, dass in dieser Richtung etwas nicht stimmt?

Nein, wenn keine Schmerzen vorhanden sind und die Urinproduktion funktioniert. Meistens wird die Niereninsuffzienz oder das Nierenversagen bei Routineuntersuchungen beim Hausarzt entdeckt.

Welche Behandlungen sind als Nierenersatztherapie möglich?

Bei der Ersatztherapie gibt es drei Säulen: die Hämodialyse/Blutwäsche, die Peritonealdialyse/Bauchfelldialyse und die Nierentransplantation. Die erfolgt dann in den Unikliniken in Dresden oder Leipzig.

Wie lange muss ein Patient auf eine Nierentransplantation warten?

Die Wartelisten werden immer länger. Oft sind es fünf Jahre und mehr. Zum Glück haben sich die Technik und die medizinische Betreuung bei der Dialyse stark verbessert, sodass die Patienten mit der Dialyse für lange Zeit gut leben können.

Was passiert bei der Blutwäsche?

Zuerst setzt der Gefäßchirurg dem Patienten einen Gefäßzugang (Shunt), am besten im Unter- oder Oberarm. Der Shunt schafft die Verbindung zwischen Schlagader und Vene. Dadurch wird die Vene kräftiger und gewährleistet eine große Blutdurchflussmenge. Das würde die Vene allein nicht schaffen. Dann kann die Dialyse beginnen. Dabei wird das Blut des Patienten mit einem Pumpsystem in eine künstliche Niere geleitet. Von außen kommt eine sterilisierte Dialysatlösung dazu, die dem Blut die Giftstoffe entzieht. Das gesäuberte Blut fließt zurück in den Körper. Dieser Kreislauf wird mehrfach wiederholt.

Wie viele Patienten behandeln Sie pro Woche?

Pro Woche sind es etwa 120. Das Durchschnittsalter unserer Patienten liegt bei 77  Jahren. Wir haben 38  Dialyseplätze. Behandelt wird in insgesamt vier Schichten. Eine Dialyse dauert vier bis fünf Stunden.

Gibt es ein Zeitlimit, wie lange ein Patient mit einer Dialyse behandelt werden kann?

Durch die neue Dialysetechnik ist der Zeitraum extrem verlängert worden. Einige Patienten leben schon mehr als 30 Jahre mit der regelmäßigen Dialyse.

Das Gespräch führte Cathrin Reichelt.

Tag der offenen Tür: 21. Oktober, 13.30 bis 18.30 Uhr, Nephrocare (Dialysezentrum), Grimmaische Straße 23 in Döbeln.

Dort können die Räume besichtigt werden, es gibt Informationen zur Niere und der Dialyse sowie Workshops zu den Themen Ernährung an der Dialyse, Shunt, Katheder und Kathederblockung.