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Samstag, 13.12.2014

Dem Wolf ganz nahe

Mit der Kamera war Tobias Bürger den Jungtieren auf der Spur. Was er dann erlebte, lässt ihn nicht mehr los.

Von Kerstin Fiedler

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Tobias Bürger ist viel im Biosphärenreservat unterwegs. Seinen Hund muss er allerdings bei der Suche nach den Wölfen zu Hause lassen.
Tobias Bürger ist viel im Biosphärenreservat unterwegs. Seinen Hund muss er allerdings bei der Suche nach den Wölfen zu Hause lassen.

© privat

  • Tobias Bürger ist viel im Biosphärenreservat unterwegs. Seinen Hund muss er allerdings bei der Suche nach den Wölfen zu Hause lassen.
    Tobias Bürger ist viel im Biosphärenreservat unterwegs. Seinen Hund muss er allerdings bei der Suche nach den Wölfen zu Hause lassen.
  • Drei der 13 Welpen aus dem Daubaner Rudel, die der Student im Foto festhielt.
    Drei der 13 Welpen aus dem Daubaner Rudel, die der Student im Foto festhielt.

Großdubrau. Tobias Bürger kommt aus Neusärchen. Von dem kleinen Großdubrauer Ortsteil aus ist er schnell mitten im Biosphärenreservat. Dort, wo er sich schon immer wohl fühlt, so mitten in der Natur. Seit zwei Jahren hat der 25-Jährige einen Jagdschein. Er studiert in Tharandt Forstwissenschaft, hat bereits seinen Bachelor in der Tasche. In der Abschlussarbeit ging es um das Thema Wolf. Nun strebt er auch den Master-Abschluss an. Die Wölfe haben ihn in seinen Bann gezogen. Und in diesem Sommer folgte er ihren Spuren. Erfolgreich, denn Bürger ist einer derjenigen, der die 13 Welpen des Daubaner Rudels zu Gesicht bekam und auch filmte. Das faszinierte ihn so sehr, dass er nun auch Spurenexkursionen zum Wolf anbieten möchte.

Vier Jahre ist es her, dass Tobias Bürger zum ersten Mal Spuren fand, die er eindeutig dem Wolf zuordnen konnte. Auch ein Praktikum im Kontaktbüro Wolfsregion Lausitz bestärkte ihn da. Zwei Jahre später sah er die ersten Wölfe. Und im August dieses Jahres ging er zielgerichtet auf Suche. Dafür konnte er den Wecker schon mal gegen 4.30 Uhr klingeln lassen. Für die Pirsch hatte er sich extra eine neue Kamera gekauft. Mit dem Fahrrad macht er sich auf ins Biosphärenreservat. Er hört, wie Kraniche trompeten. Doch in diese Töne mischt sich noch ein anderes Geräusch. „Es war Wolfsgeheul eines ganzen Rudels. Ich griff nach meiner Kamera, in der Hoffnung, dass das Heulen auf dem Video zu hören ist. Auch Seeadler und Kolkraben ließen zeitgleich ihre Rufe hören“, erinnert sich Tobias Bürger. Das Spektakel dauert eine Minute. Als alles wieder ruhig ist, fährt Bürger in die Richtung, aus der das Geheul kam. Die Kraniche waren noch am Ufer des Sees, vom Wolf keine Spur. „Ich machte dann ein paar Aufnahmen und auch ein Video. Und plötzlich sah ich, dass aus dem Schilf ein Wolfswelpe kam. Ich hielt den Atem an. Das Tier sah sich misstrauisch um. Die Kraniche waren ihm wohl nicht geheuer. Dennoch kam noch ein zweiter Welpe aus dem Schilf. Beide verschwanden aber nach kurzer Zeit wieder“, sagt Tobias Bürger. Immer mal wieder kamen die jungen Wölfe an diesem Vormittag ans Ufer. Einer versuchte sogar, eine Ente im Wasser zu fangen. Was ihm nicht gelang.

„Ein unbeschreibliches Gefühl“

Da Tobias Bürger wusste, dass durch Fotofallen im Daubaner Rudel schon sechs Welpen nachgewiesen wurden, machte er sich abends wieder auf den Weg. „Ich spekulierte darauf, dass die Wölfe wieder heulen würden, wenn die Kraniche abends ihre trompetenden Rufe hören lassen“, sagt der Student. Und dann geschieht es. Kamen zunächst wieder zwei Welpen aus dem Schilf, sieht Bürger an anderen Stellen weitere junge Wölfe. Allerdings nicht vier, wie gehofft, sondern sogar fünf. Also waren es sogar sieben Welpen. Als die Kraniche kamen, heulten nicht nur die Jungwölfe, sondern auch die Alttiere. „Ein unbeschreibliches Gefühl“, sagt Tobias Bürger. Nur einen Tag später zählte er schon acht Welpen und dachte, alle gesehen zu haben. Mitnichten. Es liefen plötzlich 13 Welpen am Teichufer entlang. Zum Glück war die Kamera einsatzbereit und so filmte Tobias Bürger die Wolfsschar. Zwei Wochen hielt sich das Rudel am Teich auf. Neben den 13 jungen Wölfen sah Tobias Bürger noch zwei weibliche und zwei männliche Tiere. „Ich denke, dass europaweit noch nie ein so großes Rudel nachgewiesen wurde“, sagt Tobias Bürger.

Der junge Mann ist begeistert, dass er nun so nahe an seinem Heimatort ein Wolfsrudel hat. Es sei etwas ganz Besonderes. Dies möchte er auch gern den Leuten näherbringen, die sich entweder für den Wolf interessieren oder aber auch Angst vor ihm haben. Deshalb bietet er seit Kurzem Spurenexkursionen an, bei denen er viel über den Wolf erzählt. „Auf keinen Fall will ich den Wolf schönreden“, sagt Bürger. „Es geht mir einfach darum, den Menschen zu vermitteln, wie Wölfe wirklich sind. Während der Exkursion zeige ich deshalb auch meine Videos.“ Während seiner Zeit als Student in Tharandt wohnt der junge Mann in Dresden. Deshalb ist er dort öfter in der Natur der Dresdner Heide unterwegs. Nun hofft er darauf, dass auf der Internetseite der Wildnisschule Lausitz auch seine Videos bald für Interesse sorgen. Für die Schule ist Tobias Bürger Gastreferent für das Thema Wolf.

Kontakt über folgende Internetseite: wildnisschule-lausitz.de