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Donnerstag, 05.10.2017

Dem Schwan geht’s nicht gut

Das Tier mit dem gebrochenen Flügel schien gerettet. Doch dann kam ein neues Problem.

Von Birgit Ulbricht

Margot Krauspe, Tierpflegerin im Riesaer Tierpark, bemüht sich liebevoll um den verletzten Schwan aus Großenhain.
Margot Krauspe, Tierpflegerin im Riesaer Tierpark, bemüht sich liebevoll um den verletzten Schwan aus Großenhain.

© Klaus-Dieter Brühl

Großenhain. Schlechte Nachrichten aus Riesa. Tierparkchef Gerhard Herrmann kann immer noch nicht sagen, ob der Großenhainer Schwan überlebt. Dabei waren alle Beteiligten der Rettungsaktion letzten Freitag richtig zufrieden. Die Fahrdienstleiterin vom Cottbuser Bahnhof, weil wieder alles seine Ordnung hatte. Die Polizei, weil so eine geglückte Tierrettung immer eine Ausnahme ist und natürlich Tierparkchef Gerhard Herrmann, der an diesem Tag ganz optimistisch mit dem Patienten nach Hause fuhr.

Schließlich hatte sich der Schwan zwar vor dem im Schritttempo herannahenden Regionalzug doch noch erschreckt und war auf die Gleise geflattert – aber er wurde nicht angefahren. Den gebrochenen Flügel hat sich das Tier nach Ansicht von Herrmann irgendwie im Tiefflug an diesem vernebelten Morgen zugezogen. Dann saß er hilflos an der Kante des Bahnsteiges.

Noch einmal zum Röntgen

Nun vermutet der Tierparkchef, dass sein Patient doch innere Verletzung davongetragen hat, vielleicht ein Schädel-Hirn-Trauma. Am Donnerstag soll er noch einmal geröntgt werden. Denn das Tier ist immer noch etwas benommen, und was am Schlimmsten ist – es trinkt und frisst nicht selbstständig. „Wir müssen uns da noch einmal vergewissern, denn wir können den Schwan nicht auf Dauer zwangsernähren“, beschreibt Herrmann sein Dilemma. „Das Tier muss schon mitmachen, sonst wird es schwierig“, sagt Gerhard Herrmann.

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Dann kann die Geschichte doch noch traurig enden, und der Schwan eingeschläfert werden. Jetzt will der Tierparkchef dem verletzten Schwan erst einmal Gesellschaft verschaffen. Vielleicht beflügelt ein Mitbewohner den Lebenswillen des Tieres. Unterdessen macht sich der ehrenamtliche Tierschützer auch so seine Gedanken über die Menschen. Die hätten manchmal recht naturfremde Vorstellungen. Bestes Beispiel sei, wenn jeden Herbst Leute regelrecht auf Igeljagd im Garten gingen, um die Tiere zu retten, und sie dann in den Tierpark bringen. „Wenn ich dann sage, das ist ein erwachsenes Tier, das gut alleine über den Winter kommt, werden manche richtig ausfallend“, erzählt er. Bei seinem Großenhainer Patienten ist das natürlich ein ganz anderer Fall. Nun heißt es abwarten. Jedes Jahr werden die Tierretter rund hundertmal zu verschiedenen Einsätzen gerufen. Die meisten Fälle erweisen sich zum Glück als harmlos.

Die offene Fraktur des Großenhainer Gastes musste dagegen operiert werden. Schnell stand fest: Fliegen wird der verunglückte Schwan nicht mehr können. Man könnte ihm oder ihr – auch das konnte noch nicht zweifelsfrei belegt werden, weil der Schwan noch sehr jung ist – ein neues Zuhause auf einem der umliegenden Teiche suchen. Dafür wird meistens mit den Gemeinden gesprochen, die vielleicht noch irgendwo ein hübsches Schwanenhaus ergattern können und den Genesenen bei sich ansiedeln. Das hat schon mehrfach gut geklappt und wird auch von den Bürgern stets mit viel Sympathie begleitet. Die suchen meist noch schöne Namen für „ihren“ Schwan, und so haben die Unglücksvögel schnell ihre Fans. Und sie sind reviertreu und meistens auch sehr liebevolle Schwanen-Eltern.