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Montag, 25.09.2017

Das war eng für Vaatz und Lämmel

Die AfD vermiest der CDU die Stimmung. In Dresden liegt die Partei über dem Bundesschnitt und überholt die Linke.

Von Henry Berndt, Annechristin Bonss und Andreas Weller

Stimmen Dresdner Kandidaten

So sehen Gewinner aus, wenn auch angeschlagene: Andreas Lämmel (l.) und Arnold Vaatz sicherten sich erneut ihre Wahlkreise.
So sehen Gewinner aus, wenn auch angeschlagene: Andreas Lämmel (l.) und Arnold Vaatz sicherten sich erneut ihre Wahlkreise.

© Christian Juppe

Lange war es ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den Kandidaten von CDU und AfD. In beiden Dresdner Wahlkreisen war bis kurz vorm Ende der Auszählung unklar, wer gewinnt. Am Ende holten die bisherigen Bundestagsabgeordneten Arnold Vaatz und Andreas Lämmel (beide CDU) die Direktmandate. Aber von der Souveränität der vergangenen Wahlsiege sind sie weit entfernt. Die AfD rückte sehr nah an die CDU heran. Die Union verlor sogar den Wahlkreis Dresden II/Bautzen II, wenn auch knapp. Den Wahlkreis Dresden I rettete die CDU mit deutlichen Verlusten.

Die CDU gewinnt und ist doch der große Verlierer

„Mir war immer klar, dass es bei den Direktmandaten ein Konkurrenzkampf mit der AfD wird“, so Andreas Lämmel am Wahlabend. Dass es am Ende gereicht hat, sorgte bei ihm und Vaatz für Erleichterung. „Viele Bürger, mit denen ich gesprochen habe, haben gesagt: So geht es nicht weiter“, so Vaatz. Doch der Kampf gehe er jetzt richtig los: „Koalitionsverhandlungen sind zermürbend.“ Und eine Auswertung der Dresdner Ergebnisse. Denn die CDU hat auch massiv Zweitstimmen verloren. Im Wahlkreis I von 39,8 auf 24,3 Prozent und in Dresden II von 38,6 auf 23,1 Prozent. Auch Lämmel und Vaatz haben bei den Erststimmen eingebüßt.

Stimmen Dresdner Kandidaten

Betrübnis und Einsicht bei der SPD

Bei der Wahlparty der SPD im Art-Hotel weint kurz nach der ersten Hochrechnung ein Baby stellvertretend für alle Anwesenden. Es bleibt dabei: Die Dresdner SPD stellt auch weiterhin keinen Vertreter für den Bundestag. Während Richard Kaniewski sich von dem Ergebnis zunächst nicht die Laune nicht verderben ließ, blickte Christian Avenarius stumm und gedankenverloren auf den Fernseher. „Es war zu befürchten, dass es so kommt“, sagt er schließlich und meint damit sowohl das enttäuschende SPD-Ergebnis als auch die Stärke der AfD.

Die FDP feiert sich zurück in den Bundestag

Jubel dagegen im Liberalen Haus an der Radeberger Straße. Die Anhänger zählen zur ersten Hochrechnung sogar laut den Countdown mit. „Zehn sind gut, 13 richtig heftig“, sagt ein FDP-Anhänger. Er meint die bundesweit 13 Prozent für die AfD. Es gibt eine gelb-blaue Torte. Die FDP verdreifacht ihr Ergebnis von 2013 in Dresden und ist neben der AfD der Wahlgewinner.

Kaum Veränderungen, dennoch sind die Linken ebenfalls Verlierer

Die Linke hat ihre Stellung als zweitstärkste Kraft in Dresden an die AfD verloren. Das wird die Partei wohl am meisten ärgern. Galt sie doch bisher als Herausforderer der CDU in Dresden. Trotzdem ist das Ergebnis in Dresden fast wieder wie 2013. Damit bleibt auch Bundesvorsitzende Katja Kipping weiter die Dresdner Vertreterin der Linken im Bundestag.

Die Grünen gewinnen in Dresden nicht dazu

Ebenfalls voll im Bundestrend liegen wie die Linke auch die Grünen. Kaum Veränderungen bei Wahlergebnis. Ein kleiner Erfolg, denn es sah vor der Wahl nach Verlusten aus. Der Dresdner Stephan Kühn wird weiterhin Abgeordneter in Berlin sein.

Von Briefwählern, Geburtstagskindern und Wahlbeobachtern

Von den 429  447 wahlberechtigten Bürgern in Dresden haben mehr als 100 000 die Briefwahlunterlagen beantragt. Das ist fast ein Drittel mehr als 2013, wie Kreiswahlleiterin Ingrid van Kaldenkerken am Abend mitteilte. Andere Zahlen: Von 3 300 ehrenamtlichen Wahlhelfern hatten acht am Sonntag Geburtstag. Jeder der Jubilare bekam einen Blumenstrauß. Von 361 Wahllokalen waren 242 barrierefrei. Außerdem wurde eine erhebliche Zahl an Wahlbeobachtern festgestellt. Über Störungen wurde zunächst nichts bekannt.