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Das Problem mit der Pause

Die Reihenfolge im Dynamo-Sturm ist klar und Eero Markkanen nur die Nummer drei. Der Trainer hält jedoch dagegen.

05.10.2017
Von Sven Geisler

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Konkurrenten um den Platz im Sturm: Eero Markkanen (l.) steht derzeit deutlich hinter Peniel Mlapa.

© Robert Michael

Dynamo international: Gleich fünf Profis sind in dieser Woche für ihre Nationalmannschaften im Einsatz. Für sie ist das natürlich eine besondere Ehre und Herausforderung – und trotzdem nicht immer von Vorteil. Denn während die anderen in der punktspielfreien Zeit im Training zu Hause physisch draufpacken und taktische Varianten probieren, sind die Auswahlspieler einem erheblichen Reisestress ausgesetzt, trainieren weniger und spielen womöglich gar nicht.

Der eine steckt das gut weg, der andere weniger. Bei Dynamo gibt es mindestens einen Problemfall, jedenfalls lassen sich die Aussagen von Uwe Neuhaus in Bezug auf Eero Markkanen so deuten. Der Finne wechselte Anfang August vom schwedischen Erstligisten AIK Solna nach Dresden. Er galt schon aufgrund seiner Statur mit 1,97 Metern als potenzieller Ersatz für den zum FC Ingolstadt abgewanderten Torjäger Stefan Kutschke, zudem steht in der Vita des 26 Jahre alten Angreifers ein Jahr bei Real Madrid, wenn auch nur der zweiten Mannschaft der Königlichen.

Nach dem verletzungsbedingten Ausfall von Pascal Testroet waren mit Markkanen einige Hoffnungen verbunden, und sei es die, ihn als „Brecher“ bringen zu können, wenn in der Schlussphase noch ein Tor gebraucht wird. Doch das ging bei seinem Debüt in Schwarz und Gelb gründlich schief. Nach seiner Einwechslung gegen Sandhausen fielen zwar drei Treffer, aber alle für die Gäste.

„Jeder kann mich überzeugen“

Seit dem 0:4 blieb Markkanen draußen, gehörte nach der Verpflichtung von Peniel Mlapa sogar dreimal nicht zum Spieltagsaufgebot. Immerhin bekam Markkanen beim Spiel in Heidenheim einen Platz auf der Bank. Eingewechselt wurde aber Lucas Röser, wenn auch erst in der Nachspielzeit. Die Hierarchie in Dynamos Sturm scheint klar zu sein, Neuhaus hält jedoch dagegen: „Ich habe keine Reihenfolge: eins, zwei, drei. Jeder kann mich in jedem Training überzeugen.“

Das hat Markkanen zuletzt offenbar nicht geschafft, und nun fehlt er wieder. „Das sehe ich mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, meint der Chefcoach – und er zeigt durchaus Verständnis: „Die große Ehre, für die Nationalmannschaft spielen zu dürfen, hatte ich nie. Ich glaube, ich wäre auch Feuer und Flamme gewesen.“

Auch Mlapa ist wieder bei seiner Auswahl, die am Donnerstag in Teheran auf den Iran trifft. Allerdings mache es „schon einen Unterschied“, dass der Togoer den deutschen Fußball aus 79 Erst- und 114 Zweitligaspielen kennt. Auch nach Vollzug seines Wechsels vom VfL Bochum war Mlapa nicht direkt nach Dresden gekommen, sondern erst einmal für Testspiele nach Marokko geflogen. Auch der 26-Jährige hatte einige Anpassungsprobleme, die vor allem auf seine fehlende Spielpraxis zurückzuführen sind.

„Gott sei Dank hatte er in Bochum wenig gespielt, sonst wäre er wahrscheinlich nicht hier“, sagt Neuhaus. Mit seinem Traumtor zum 2:0 in Heidenheim dürfte Mlapa angekommen sein. „Den wollte ich auf jeden Fall so treffen“, sagt er über seinen Schuss aus knapp 30 Metern. „Es gibt immer mal Phasen, in denen die Stürmer nicht treffen. Aber ich hoffe, dass der Knoten damit geplatzt ist. Ich hätte ,Rösi‘ gegönnt, dass er seine Chance am Ende nutzt.“ Lucas Röser verpasst jedoch die Gelegenheit, seine eigene Torflaute zu beenden.

Dabei war es der Neuzugang vom Drittligisten Sonnehof Großaspach, der mit seinem Kopfballtreffer Dynamos Auftaktsieg gegen Duisburg perfekt gemacht hatte. Auch im zweiten Spiel, dem 2:2 beim FC St. Pauli, traf Röser. Da war er noch der Stürmer Nummer eins – und Markkanen in der Nacht zuvor krank geworden. Ein „unglücklicher Einstand“ für ihn, wie Neuhaus sagt – und er betont: „Auch wenn es jetzt so aussieht, dass Eero hintendran ist: Keiner ist abgeschrieben.“

Als Trainer kann er sich nichts Besseres wünschen als einen engen Dreikampf um die Stelle im Sturm. „Wir haben die Spielertypen schon so ausgewählt, dass jeder seine Stärken hat, sie nicht identisch sind“, erklärt der 57 Jahre alte Fußballlehrer. Markkanen beschreibt er als „Zielspieler“. Er verfüge über eine feine Technik, sodass er seine Nebenleute einsetzen kann. „Außerdem kann er durch seine Wucht und Kraft im Strafraum gefährlich sein.“ Mlapa habe darüber hinaus gerne Räume, um sein Tempo einzusetzen. „Und dass er Distanzschüsse gut kann, hat er auch bewiesen.“ Röser habe seine Beweglichkeit als besondere Komponente und den Torriecher.

Eigentlich wollte Neuhaus die punktspielfreie Zeit auch nutzen, an taktischen Varianten zu arbeiten. Wegen der Verletzten und der Abstellungen müsse er daran „leider ein paar Abstriche machen“. Prinzipiell ist das Fehlen im Verein natürlich für alle Auslandsreisenden ein Problem, also auch für Mlapa, Haris Duljevic (Bosnien), Sascha Horvath (Österreich U21) und Vasil Kusej (Tschechien U18).

Für Markkanen wäre die Zeit aber wohl besonders wichtig gewesen, „um weiter an die Mannschaft ranzukommen, ein bisschen härteres Training mitzumachen, sich durchzubeißen, reinzuknien“, wie der Trainer sagt. Außerdem hätte er im Test gegen den Halleschen FC die Chance, sich anzubieten. Stattdessen spielt er am Freitag mit Finnland in Kroatien und am Montag im heimischen Turku gegen die Türkei. Wenn er spielt. Bis auf die Partie auf Island Anfang September war Markkanen bei seinen elf Länderspielen nur Kurzarbeiter.

Die nächste „Abstellungsperiode“, wie es offiziell heißt, steht vom 7. bis 15. November im Kalender. Wenn er seinen Status bei Dynamo bis dahin nicht verbessern kann, dürfte Markkanen selbst darüber nachdenken, ob es besser für ihn wäre, in Dresden zu bleiben. Andernfalls droht ihm das gleiche Schicksal wie seinem Landsmann Tim Väyrynen, der seinen Platz in der Auswahl verlor, weil er sich bei Dynamo nicht durchsetzen konnte.

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