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Donnerstag, 08.06.2017

Das Leuchtendste zum Schluss

Nach der Sanierung der Kuppelhalle im Ostflügel des Rathauses fehlten zunächst die Lampen. Sie sind jetzt die Krönung.

Von Lars Kühl

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Mit den neuen Wand- und Deckenleuchten wirken die aufwendigen Jugendstil-Malereien und der Marmor in der Kuppelhalle des Rathauses wieder so wie vor der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges.
Mit den neuen Wand- und Deckenleuchten wirken die aufwendigen Jugendstil-Malereien und der Marmor in der Kuppelhalle des Rathauses wieder so wie vor der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges.

© Sven Ellger

  • Mit den neuen Wand- und Deckenleuchten wirken die aufwendigen Jugendstil-Malereien und der Marmor in der Kuppelhalle des Rathauses wieder so wie vor der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges.
    Mit den neuen Wand- und Deckenleuchten wirken die aufwendigen Jugendstil-Malereien und der Marmor in der Kuppelhalle des Rathauses wieder so wie vor der Zerstörung während des Zweiten Weltkrieges.
  • Die Lampen wurden mit Hilfe von alten Fotos den Originalen von 1910 nachempfunden.
    Die Lampen wurden mit Hilfe von alten Fotos den Originalen von 1910 nachempfunden.

Dresden. Wer sich vom Gold nicht blenden und auch das Grün links liegen lässt, wird reich belohnt. Das gilt für alle, die die Rathauspforte passiert sowie das Atrium durchschritten haben und an den Stufen der Kuppelhalle den opulent geschmückten Aufgang zu den Festräumen bestaunen. Der erstrahlt nun auch im richtigen Licht. Das ist wörtlich zu verstehen. Denn die acht Decken- und 20 Wandleuchten sind der krönende Abschluss der Kuppelhallensanierung. Vor Kurzem wurden die Lampen angebracht, erklärt das städtische Hochbauamt. Obwohl sie original aussehen, sind es aber „nur“ Kopien.

1964 sollten angeblich noch drei Leuchten vorhanden gewesen sein, die den Brand am Kriegsende 1945 überstanden hatten. So steht es zumindest in einer Notiz von Denkmalschützer Fritz Löffler. Doch als der Ostflügel des Rathauses in den vergangenen Jahren saniert wurde, blieben die Lampen unauffindbar. Der Stadtrat beschloss deshalb 2015, alle durch Kopien zu ersetzen. Das Denkmalschutzamt stellte daran konkrete Forderungen: Die Rekonstruktionen sollten „so weit wie nur irgend möglich den Originalen gleichen“. Dazu zählen die alten Orte im Treppenhaus, identische Größen und möglichst auch übereinstimmende Gestaltungen. Ebenso sollten originale Materialien und Fertigungstechniken verwendet werden, sofern dies möglich ist.

Weil aber auch die heute gültigen Normen des Unfallschutzes und der Arbeitsplatzsicherheit sowie die Brandschutzvorschriften – das heißt für die Kuppelhalle entsprechend helle Rettungswege – eingehalten werden müssen, war eines klar: Die originalen Glühbirnen kamen nicht infrage. Stattdessen wurden moderne LED-Leuchtmittel eingesetzt.

Die Spezialanfertigungen der Lampen war eine Herausforderung. Die Leipziger Kunsthistorikerin Silke Rohmer zeichnete sie zunächst und schuf ein 1:1-Modell aus Holz und Pergamentpapier. Als Vorbild verwendete sie alte Fotos. Die Firma Dotzauer aus Österreich erhielt schließlich den Auftrag. Die Mitarbeiter mussten Konstruktionszeichnungen anfertigen, eine Technologie entwickeln und eine Musterleuchte bauen. Diese wurde im Kuppelsaal montiert und mit den Aufnahmen der Fotothek Dresden verglichen. Wieder gab es Änderungen und Anpassungen. Die Rekonstruktion hat ihren Preis, jede Lampe kostet immerhin 20 000 Euro. Das Ergebnis kann sich sehen lassen, wovon sich Besucher am Sonnabend beim Tag des offenen Rathauses selbst überzeugen können.

Die Kuppelhalle hat ihren originalen Raumeindruck zurückgewonnen. Den konnten die in den 1960er-Jahren nachgerüsteten, damals modernen Lampen, nie geben. Die jetzige Sanierung war die Chance, den einzigartigen Charakter des repräsentativen Treppenhauses wieder zur Geltung zu bringen. „In Dresden hat sich kein Innenraum in einem öffentlichen Gebäude erhalten, der eine ähnlich geschlossene und künstlerisch qualitätvolle Ausstattung besitzt“, sagt Stadtsprecher Karl Schuricht.

Prägend sind die Jugendstil-Malereien von Otto Gussmann, die neobarock anmutende, geschwungene Treppe. Die Stufen, die Säulen der Balustrade und die Wandverkleidungen bestehen aus unterschiedlichem Marmor. Bronzefiguren empfangen die Gäste an den Treppenabsätzen.

Was durch die knappen Finanzen in den 1960er-Jahren lediglich vereinfacht restauriert worden war, wurde jetzt wieder in den originalen Zustand von 1910 versetzt, als das sogenannte Neue Rathaus eingeweiht wurde. „Nur hier lässt sich noch erleben, mit welchem gestalterischen Anspruch und handwerklicher Fertigkeit seinerzeit die Dresdner Bürgerschaft ihr Rathaus ausstattete“, versichert Schuricht.

Leser-Kommentare

Insgesamt 3 Kommentare

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  1. taigawolf

    Das sieht ja schön aus, aber 20 Tausend EUR Steuergeld für eine Lampe (bei insgesamt 28 Lampen)? Über eine halbe Million EUR um ein Treppenhaus zu beleuchten? Ist das noch angemessen oder nicht doch eher für eine Rüge vom Rechnungshof - und vom Bürger - geeignet?

  2. schlussmitlustig

    @1: Das ist Größenwahn. Keine Ahnung, was der Stadtrat vor der Abstimmung inhaliert hat. Oder er war schlecht informiert: "originalgetreu" bedeutet eben Aufwand; vor allem, wenn die letzten verbliebenen Originale "verschwunden" sind. Die Arbeit der Ausführenden ist sicher exzellent, da bin ich mir sicher. Aber wenn ich den Artikel richtig interpretiere, hat das Denkmalamt nicht einmal auf der Rekonstruktion bestanden. In anderen Städten geht man längst entspannter mit dieser Thematik um und es gibt eine Reihe von gelungenen Beispielen, bei denen fehlende Details in historischen Interieurs durch hochwertige, gestalterisch anspruchsvolle und zugleich technisch moderne Lösungen adaptiert wurden. Ist eben auch eine Frage der Haltung, man muss dafür offen sein und die Bedeutung solcher Details vorher verstanden haben. Dann gelingt es, teure Peinlichkeiten zu vermeiden. Allerdings kosten auch neu gestaltete Leuchten Geld! Ich hoffe sehr, dass der Landesrechnungshof das genau prüft.

  3. Mario

    Tolle Sache, gerne mehr davon und diesmal sogar auf Initiative der Linke Fraktion im Stadtrat geschehen. Ich glaube bei solchen Sachen sollte man den Taschenrechner mal im Schrank lassen, es wird soviel Geld für sinnlose Sachen ausgegeben. Hierbei handelt es sich aber um etwas, das die Stadt voraussichtlich sehr lange bereichern wird.

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