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Mittwoch, 11.03.2015

Das Leben kehrt zurück nach Kobane

Monatelang war Kobane Schauplatz von erbitterten Gefechten zwischen IS-Extremisten und kurdischen Kämpfern. Die geflüchtete Bevölkerung wagt sich nun zurück. Auch die Schule hat wieder begonnen.

Von Antonio Pampliega,

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Kinder gehen wieder zur Schule, das Leben kehrt zurück. In Kobane erinnert aber noch vieles an die schweren Kämpfe gegen den IS.
Kinder gehen wieder zur Schule, das Leben kehrt zurück. In Kobane erinnert aber noch vieles an die schweren Kämpfe gegen den IS.

© dpa

Kobane. Trümmer und Schutt machen die einst breite Straße in Kobane unpassierbar. Ruinen zerbombter Häuser ragen in den grauen Himmel. Was aussieht, wie in einem Weltuntergangsfilm, war einmal eine der belebtesten Straßen in der nordsyrischen Grenzstadt. „Hier konnte man früher richtig gut einkaufen“, erzählt Mohammed. Seinen vollen Namen nennt der 13 Jahre alte Kurde nicht.

Ende Januar hatten die kurdischen Volksschutzeinheiten (YPG) die Terrormiliz IS aus der Stadt vertrieben. Kobane selbst gleicht nach der Rückeroberung einer Trümmerwüste. Die heftigen Gefechte und die Luftangriffe der USA und ihrer Verbündeten haben weite Teile der Stadt in Schutt und Asche gelegt. Etwa 80 Prozent der Häuser wurden Schätzungen zufolge beschädigt, knapp zwei Drittel können nur noch abgerissen werden. „Das war einmal eine wunderschöne Stadt, voller Leben. Jetzt ist sie leer“, sagt Mohammed betrübt. Von dem Kobane, wie er es kennt, ist nichts übrig geblieben.

Mohammed ist vor kurzem aus einem Flüchtlingslager in der benachbarten Türkei nach Kobane zurückgekehrt. Das Haus der Familie ist zerstört, sie ist bei einem Onkel untergekommen. Hunderte Familien wagen sich wieder zurück nach Kobane, aber der IS ist nicht weit. Die Front verläuft nun in etwa 30 Kilometer Entfernung. In der Stadt selbst ist das Überleben schwierig - Strom liefern nur Generatoren, Trinkwasser und Lebensmittel fehlen.

Zudem lauert überall der Tod durch nicht explodierte Sprengkörper. Viele der selbst gebauten IS-Granaten seien nicht detoniert, sagt der Aktivist Mustafa Bali. Zudem gebe es noch Dutzende Sprengfallen in den Häusern und Straßen. Aber für die Flüchtlinge zählt vor allem: Sie wollen zurück in ihre Stadt.

Angst vor Blindgängern

„Wir müssen hier sein. Das ist unsere Heimat. Besser hier Not leiden, als in einem dieser Lager in der Türkei“, sagt die 34-jährige Dschihan. Sie ist mit ihrem Mann und ihren beiden Töchtern zurückgekommen. Arbeit gibt es keine, die Familie hat oft nicht genug zu essen. Dschihan erlaubt ihren Töchtern nicht, draußen zu spielen. Sie hat Angst wegen der Blindgänger. „Ich will nicht, dass den Beiden etwas zustößt.“

Anders als die Töchter von Dschihan gehen rund 200 kurdische Kinder wieder zur Schule. Anfang März, nach mehr als vier Monaten Krieg, begannen Lehrer und Freiwillige mit dem Unterricht. Die meisten Schulen seien zerstört und nur wenige Kinder in der Stadt, aber trotzdem sei der Unterricht wichtig, sagt die 17 Jahre alte Rohat, eine der Freiwilligen. „Es ist besser für die Kinder, wenn sie in der Schule sind, und nicht auf der Straße, zwischen Bomben und IS-Leichen.“

Trotz der Gefahren sind Mohammed und sein Cousin in den zerstörten Straßen unterwegs. „Iiiigitt!“ Mohammed hat die verwesende Leiche eines IS-Kämpfers entdeckt. „So nah war ich noch nie dran. Das ist echt eklig“, sagt der Junge. Kurdischen Schätzungen zufolge starben bei den Kämpfen etwa 3 000 Dschihadisten. Wie viele Menschen durch die Luftschläge und Mörserangriffe ums Leben kamen, weiß niemand. „Unter den Trümmern liegen Hunderte verwesende Leichen“, sagt Damer Sader. Er ist Chef der Aufräumtrupps. Mit steigenden Temperaturen wächst die Gefahr von Infektionskrankheiten.

Für die meisten Rückkehrer sind drohende Krankheiten aber nicht die größte Sorge: Viele, die ihr Haus verloren haben, hätten einfach leerstehende Gebäude bezogen, sagt Ibrahim Saleh. Er ist der einzige Bäcker in der Stadt und versorgt 20 000 Menschen. „Wenn die rechtmäßigen Besitzer zurückkommen, wird das ein großes Problem.“ (dpa)

Leser-Kommentare

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  1. Matthias Hofmann

    Kobani muss wieder aufgebaut werden, damit diese Schlacht nicht nur militärisch entschieden ist. Es geht um nicht weniger als die Perspektive einer demokratischen Gesellschaft im Norden Syriens. Zollen wir den Menschen von Kobani Respekt und unterstützen sie beim Wiederaufbau.

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