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Freitag, 25.11.2016 07:00 Uhr

Das Krankenhaus erwacht

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Michael Loch, leitender Anästhesiepfleger am Malteser Krankenhaus St. Johannes, und Anästhesieschwester Katrin Hermann, bereiten eine Patientin für die Operation vor. | Foto: Ines Eifler
Michael Loch, leitender Anästhesiepfleger am Malteser Krankenhaus St. Johannes, und Anästhesieschwester Katrin Hermann, bereiten eine Patientin für die Operation vor. | Foto: Ines Eifler
  • Michael Loch, leitender Anästhesiepfleger am Malteser Krankenhaus St. Johannes, und Anästhesieschwester Katrin Hermann, bereiten eine Patientin für die Operation vor. | Foto: Ines Eifler
    Michael Loch, leitender Anästhesiepfleger am Malteser Krankenhaus St. Johannes, und Anästhesieschwester Katrin Hermann, bereiten eine Patientin für die Operation vor. | Foto: Ines Eifler

Um 7 Uhr morgens sind viele Mitarbeiter des Malteser Krankenhauses St. Johannes in Kamenz bereits im Dienst. Die Frühschicht hat die Nachtschicht abgelöst. Die Chirurgen und die Gynäkologen beginnen ihre Visite. Die Internisten treffen sich zu ihrer Morgenbesprechung. In der Funktionsabteilung lesen die Mitarbeiterinnen die Langzeit-EKGs der vergangenen 24 Stunden aus. Nebenan beginnen die funktionsdiagnostischen und endoskopischen Untersuchungen.

Die chirurgische Ambulanz in der zweiten Etage ist schon geöffnet. Patienten, die am selben Tag operiert und entlassen werden, bekommen hier den Ablauf ihrer Operation erklärt, ziehen sich um und erhalten ein beruhigendes Medikament. „Ich bin nervös“, sagt Livia Marten. Die 50-jährige Patientin soll Punkt 8.15 Uhr eine Gebärmutterzyste und ihr Intrauterinpessar entfernt bekommen – für die Gynäkologen am Krankenhaus ein kleiner Eingriff.

Im Operationsbereich eine Etage tiefer wird ab 7 Uhr alles dafür vorbereitet. Eine Reinigungskraft desinfiziert alle Flächen. Hier hat Keimfreiheit höchste Priorität. Eine Anästhesieschwester schaltet die Narkosegeräte ein und testet diese. 7.15 Uhr trifft die zweite Anästhesiepflegekraft ein, um alles für die erste Narkose vorzubereiten. „Bei uns sind alle Abläufe minutiös geplant“, sagt Michael Loch, leitender Anästhesiepfleger.

7.30 Uhr, 45 Minuten vor dem geplanten Schnitt, treffen zwei OP-Schwestern ein. Jeder, der den OP-Bereich betritt, muss zuvor seine private Garderobe ablegen, grüne Bereichskleidung anziehen und seine Hände desinfizieren. Eine OP-Schwester und der Operateur desinfizieren sich noch ausführlicher, drei Minuten lang, sodass eine Übertragung von Krankheitserregern in höchstem Maße unwahrscheinlich ist. Schwester Kerstin Wohlfahrt, die später am OP-Tisch stehen wird, nimmt ein steriles, in grünes Tuch gewickeltes verschlossenes Paket aus dem Schrank, öffnet es und breitet die Instrumente aus. Keines mehr, keines weniger, als für den Eingriff benötigt wird. „Für jede OP gibt es einen eigenen Instrumentensatz“, sagt sie. „Bitte auf keinen Fall berühren!“ Würde jemand anders als sie oder der Operateur diesem sterilen Bereich zu nahe kommen, müsste sie ein neues OP-Set vorbereiten.

Ebenfalls 7.30 Uhr greift Michael Loch zum Handy. In der Ambulanz klingelt das Telefon. Livia Marten liegt nun in OP-Nachthemd im Bett. Eine Schwester und ein Helfer fahren sie zum OP, wo Michael Loch bereits wartet. Mithilfe einer automatisch betriebenen, angewärmten Platte lagert er Livia Marten auf einen mobilen OP-Tisch um. Um Verwechselungen auszuschließen, fragt er sie nach ihrem Namen und gleicht ihn mit ihrem Identifikationsband ab. „Was haben Sie gefrühstückt?“, fragt er. „Nur eine Tablette? Gut.“ Punkt für Punkt geht Michael Loch die krankenhauseigene OP-Checkliste durch und prüft die Unterlagen der Vorgespräche. Erst wenn alles vollständig ausgefüllt und unterschrieben ist, geht es weiter.

Punkt 7.45 Uhr fährt Michael Loch mit Livia Marten in den OP-Vorbereitungsraum. Er misst ihren Blutdruck, klebt ihr Elektroden für das EKG auf die Haut, legt ihr die Kanüle in den Arm, durch die später Narkose- und Schmerzmittel fließen werden. „Ich bin aufgeregt“, sagt sie noch einmal. „Keine Angst“, sagt Michael Loch, „Sie sind in guten Händen.“ Kurz vor 8 Uhr drückt er auf einen Knopf, die Tür zum OP-Saal öffnet sich. Hier steht schon der Anästhesist Rafal Artymicz bereit, um den Zustand der Patientin während der Operation zu überwachen. Michael Loch schließt Schläuche und Kabel an einen Monitor an, Livia Martens Herz- und Atemfrequenz, Blutdruck und der Sauerstoffgehalt ihres Blutes sind nun zu sehen. In einigen Minuten wird die operierende Ärztin zur Tür hereinschauen. In diesem Moment wird der Anästhesist der Patientin die Maske mit Betäubungsgas aufsetzen. Bald wird sie fest schlafen und nichts von der OP merken.

Am Nachmittag wird Livia Marten das Krankenhaus zufrieden verlassen. „Warum war ich nur so aufgeregt“, sagt sie dann. „Es war gar nicht schlimm.“ Ines Eifler

Malteser Krankenhaus St. Johannes

Nebelschützer Straße 40 | 01917 Kamenz

Tel.: 03578 786-0

www.malteser-krankenhaus-stjohannes.de