Samstag, 01.12.2012
Das Krächzen der Krieger
Klingonisch für Anfänger gibt es in einem Sprachkurs in Saarbrücken. Und mächtig Halsweh.
Sprachschülerin Christine Schultz posiert als liebenswürdige Klingonin. Da sagt ein Blick mehr als 1000 Worte. Foto: dpa
Die wohlgewählten Worte, die Lehrer Lieven Litaer vorne an der Tafel spricht, klingen für Laien wie eine Mischung aus Heiserkeit und Russisch rückwärts: „nuqneH“ krächzt er, und die 20 erwachsenen Schüler im Raum schauen gebannt auf seine Lippen oder kritzeln Notizen in ihre Blöcke. Das war die Begrüßung und die bedeutet übersetzt so viel wie „Was willst du?“
Keine besonders höfliche Anrede in unseren Ohren, doch für das kriegerische Volk der Klingonen bereits das Maximum an Freundlichkeit. Und Lieven Litaer unterrichtet diese Kunstsprache aus der amerikanischen Fernsehserie „Star Trek“, der Lehrer spricht mit seinen Schülern klingonisch. Und die versuchen ihr Bestes im Seminarraum der Saarbrücker Jugendherberge. Passend zum exotischen Sprachkurs zieren aufblasbare Langschwerter die Wände, und einige Schüler haben sich entsprechend ihrer galaktischen „Star Trek“- Helden gekleidet.
In den 1960ern begann die Serie und lief in Deutschland unter dem Titel „Raumschiff Enterprise“: Captain Kirk, Mister Spook, Fräulein Uhuru jagten mit Warp-Geschwindigkeit durch die Galaxien und trafen in ihren fiktiven Abenteuern auch auf das kriegerische Volk der Klingonen. Diese raubeinigen Kämpfernaturen, praktisch die Wikinger des Weltraums, besitzen alle wichtigen Organe doppelt, tragen als Schutz auf der Stirn eine Panzerplatte und gelten eher als wortkarg. Darum beschränke sich das Vokabular auch auf rund 3000 Wörter, sagt Lieven Litaer.
Dieser überschaubare Wortschatz aber hat es in sich, denn die Sprache zählt mit zu den schwersten, und ihr Ton ist gewollt aggressiv. Der amerikanische Sprachwissenschaftler Dr. Marc Okrand konstruierte sie im Auftrag des Filmkonzerns Paramount Pictures, damit die wilden Männer in den verschiedenen Streifen kein Kauderwelsch quatschten, sondern eine eigene Sprache mit festen Regeln. „Klingonisch dreht unsere Grammatik um, das Prinzip lautet Objekt, Prädikat, Subjekt und bedient sich unter anderem grammatikalischer Besonderheiten, die auf der Welt nur zwei andere Sprachen besitzen – eine wird im Dschungel des Amazonas gesprochen und die andere irgendwo in Afrika“, erzählt Litaer, der vor 17 Jahren mit den ersten Übungen begann. Mittlerweile gehört der 32-jährige Architekt zum festen Team des amerikanischen Klingon-Instituts und bietet einmal im Jahr für bekennende „Trekkies“, so heißen die Fans der Serie, seine Sprachschule an.
Darum ist der Seminarraum auch reich gesegnet mit klingonischer Folklore: Einige Schüler sind in Umhänge gehüllt, andere tragen die obligatorische Stirnmaske und fast alle trinken aus martialischen „Blutwein“-Bechern. Beim Mittagessen unterhalten sich Dennis Andree und Monika Kirchenmaier über ihre „Star Trek“-Pläne. Andree denkt gerade darüber nach, ein Kostüm aus dem Originalstoff der Filme zu ersteigern. Das letzte Angebot habe bei rund 800 Euro gelegen. Und Kirchenmaier erinnert sich: „Als ich 1972 die deutsche Erstausstrahlung gesehen hatte, wollte ich schon lieber Klingone und Föderation spielen statt Räuber und Gendarm.“
Eine ganz normale Kindheit, und das legendäre „Beamen“ gehörte damals zu den coolsten Techniken überhaupt. Wohl jeder hätte sich gerne aus der einen oder anderen Unterrichtsstunde vorzeitig verabschiedet durch Teleportation.
So auch bei Lehrer Litaer, denn das Krächzen der Krieger geht ganz schön auf die Stimmbänder. Kehlige, gutturale Laute prägen das Klangbild. Wobei die Aussprache für Schweizer und Tiroler gar nicht so ungewöhnlich wäre, sagt Litaer. Das sind ja auch zwei kleine kriegerische Bergvölker.
So steht in der klingonischen Schrift ein großes „H“ für den gekrächzten „ch“-Laut und das „Q“ für den gekrächzten „kr“-Ton. Und Lieven Litaer, stammt der Name des Lehrers auch aus Klingonien? Aus Belgien, sagt er.
Fast vier Tage dauert der Kurs, und der Stoff geht nie aus, denn es gibt sowohl Flirtkurse auf klingonisch wie auch eine Übersetzung von Shakespeares „Hamlet“. Sprachschöpfer Okrand lässt den Schülern beim Seminar per Brief ausrichten, dass sie ihn für Probleme oder Komplikationen gerne verantwortlich machen können: „Auch für die Halsschmerzen, die durch die aggressive Sprechweise entstehen.“ (SZ/stb mit dpa)
Empfehlung - Das Krächzen der Krieger
Die wohlgewählten Worte, die Lehrer Lieven Litaer vorne an der Tafel spricht, klingen für Laien wie eine Mischung aus Heiserkeit und Russisch rückwärts: „nuqneH“ krächzt er, und die 20 erwachsenen Schüler im Raum schauen gebannt auf seine Lippen oder kritzeln Notizen in ihre Blöcke. Das war die Begrüßung und die bedeutet übersetzt so viel wie „Was willst du?“(...)
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