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Samstag, 30.01.2016

Das ist die Wanderhütte von morgen

Studenten der TU Dresden haben eine Behausung für Wanderer in der Sächsischen Schweiz entwickelt. Sie ist simpel, aber trotzdem nicht einfach.

Von Carina Brestrich

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Die Wanderhütte der Zukunft: Die umweltfreundliche Biwakhütte nimmt nicht viel Platz ein und ist transportabel.
Die Wanderhütte der Zukunft: Die umweltfreundliche Biwakhütte nimmt nicht viel Platz ein und ist transportabel.

© Visualisierung: Babayev/Wassong

  • Die Wanderhütte der Zukunft: Die umweltfreundliche Biwakhütte nimmt nicht viel Platz ein und ist transportabel.
    Die Wanderhütte der Zukunft: Die umweltfreundliche Biwakhütte nimmt nicht viel Platz ein und ist transportabel.
  • So sieht die Biwakhütte von innen aus: Über eine Leiter am Mittelpfosten ist die obere Ebene erreichbar. Dort haben bis zu drei Personen Platz.
    So sieht die Biwakhütte von innen aus: Über eine Leiter am Mittelpfosten ist die obere Ebene erreichbar. Dort haben bis zu drei Personen Platz.
  • Farhad Babayev und Léa Wassong mit dem Modell ihrer Hütte.
    Farhad Babayev und Léa Wassong mit dem Modell ihrer Hütte.

Sächsische Schweiz. Farhad Babayev hat noch nie im Wald übernachtet. Und doch weiß der 22-Jährige, der aus Aserbaidschan stammt, worauf es beim Biwak ankommt. In den vergangenen Monaten haben er und seine Kommilitonin Léa Wassong sich viel mit dem Camping in der Natur beschäftigt. Die beiden studieren Architektur an der Technischen Universität Dresden. Bleibt es dabei meist nur bei Papierplänen oder Modellen, geht für die beiden jetzt ein Wunsch in Erfüllung. Die zwei Studenten haben eine moderne Biwakhütte entworfen. Und die wird tatsächlich bald in der Sächsischen Schweiz stehen.

Hintergrund ist ein Projekt der TU Dresden zusammen mit dem Sachsenforst. Die Idee: Studenten entwerfen eine einfache Behausung für Wanderer – und zwar nicht nur in der Theorie. Stattdessen wird der beste Entwurf als Prototyp gebaut und in der Praxis, also im Wald, getestet, wie Projektleiter Tobias Maisch sagt: „Wichtig war uns, dass die Studenten auch fernab der Theorie Erfahrung sammeln, indem sie beispielsweise lernen, wie Balken verschraubt werden.“ Maisch ist wissenschaftlicher Mitarbeiter für Hochbaukonstruktion und Entwerfen an der TU. Worauf es ihm beim Projekt ankam: „Es sollte ein Objekt sein, das auf das Einfachste reduziert ist, aber an die Grundbedürfnisse des Menschen angepasst ist – quasi die Urhütte.“ Mitunter sei das eine ziemliche Herausforderung für die Studenten: „Viele denken heute sofort an die Bleche, die Dämmung und andere Details.“

Hütte wird nahe der Grenze stehen

Für den Sachsenforst ist die Biwakhütte eine willkommene Idee. Schon seit Längerem arbeitet der Forstbezirk Neustadt an Angeboten, um den Wald außerhalb des Nationalparks erlebbar zu machen. „Untersuchungen zeigen, dass gerade die jüngeren Generationen immer weniger einen Bezug zur Natur haben“, sagt Uwe Borrmeister, Leiter des Forstbezirks Neustadt. Ändern sollen dies etwa die Trekkinghütten, die voriges Jahr den Praxistext bereits bestanden haben.

Außerdem arbeitet der Forstbezirk derzeit an einem Trekkingsteig, einem Pfad abseits der erschlossenen Wege für mehrtägige Touren mit Gepäck. Genau da kommt die Biwakhütte ins Spiel. Sie wird müden Wanderern nachts ein Dach über dem Kopf bieten. „Die Hütte wird zwischen den Zirnstein und der tschechischen Grenze stehen“, sagt Borrmeister.

Obwohl die Behausung tatsächlich nicht viel mehr als ein trockenes Plätzchen bieten soll – einige Anforderungen hatten die Studenten bei ihren Entwürfen dennoch zu beachten. So soll die Biwakhütte aus Naturmaterialien bestehen, vier Personen beherbergen können und transportabel sein. „Wichtig war auch, dass sie sich gut in die Landschaft einfügt und die Wartung für uns so unaufwendig wie möglich ist“, sagt Uwe Borrmeister.

Hütte ist ab Sommer 2016 beziehbar

Nach Ansicht der Jury haben Farhad Babayev und Léa Wassong aus neun Entwürfen die beste Lösung gehabt. Ihre Biwakhütte hat eine Fläche von zweimal drei Metern und gleicht einem halbierten Haus. Innen ist die Hütte mit zwei Ebenen ausgestattet. Die Obere bietet Platz für mindestens zwei Personen und ist über eine Leiter erreichbar. Die untere Ebene verfügt über zwei weitere Schlafplätze. Der Clou: Da die beiden Liegeflächen auf unterschiedlicher Höhe angebracht sind, können sie auch als Tisch mit Bank benutzt werden – oder über einen Klappmechanismus komplett verschwinden. Die Klappfunktion findet auch an anderer Stelle in der Hütte Anwendung: sechs Fenster, die von unten nach oben klappbar sind und sich so auch bei schlechtem Wetter öffnen lassen.

Gebaut wird die Biwakhütte während des Sommersemesters in den Werkstätten der TU. Möglich macht dies eine Holzrahmenbauweise. „Für die Herstellung selbst sind zwei bis drei Intensivwochen geplant“, sagt Tobias Maisch. Im Juni oder Juli könnte der fertige Prototyp dann in die Sächsische Schweiz transportiert werden. „Wenn sich die Biwakhütte bewährt und sie gut angenommen wird, dann werden wir sie dauerhaft draußen stehen lassen“, sagt Uwe Borrmeister.

Zu den ersten Gästen gehören werden dann wohl Farhad Babayev und Léa Wassong. Die Französin und der Aserbaidschaner sind glücklich, dass ihr Entwurf den Sachsenforst überzeugt hat. „Ich kann es wahrscheinlich erst fassen, wenn ich wirklich drin schlafe“, sagt die 21-Jährige. Die Arbeit an der Biwakhütte sei für beide eine tolle Erfahrung gewesen: „Der Gedanke, dass sie wirklich gebaut werden könnte, hat uns motiviert“, sagt Fahrahd Babayev.