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Dienstag, 05.12.2017

Das Erfolgs-Duo ist zurück

Dynamos Abschied aus dem Tabellenkeller kann man an zwei Namen festmachen. Das gibt selbst der Trainer zu.

Von Daniel Klein

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Na bitte, geht doch. Marco Hartmann (M.) klatscht nach dem Erfolg gegen Aue seinen Chef Uwe Neuhaus ab.
Na bitte, geht doch. Marco Hartmann (M.) klatscht nach dem Erfolg gegen Aue seinen Chef Uwe Neuhaus ab.

© Robert Michael

  • Na bitte, geht doch. Marco Hartmann (M.) klatscht nach dem Erfolg gegen Aue seinen Chef Uwe Neuhaus ab.
    Na bitte, geht doch. Marco Hartmann (M.) klatscht nach dem Erfolg gegen Aue seinen Chef Uwe Neuhaus ab.
  • Philip Heise fordert den Ball und kann mit dem auch viel anfangen. Gegen Aue bereitet er das 3:0 vor.
    Philip Heise fordert den Ball und kann mit dem auch viel anfangen. Gegen Aue bereitet er das 3:0 vor.

Gegensätzlicher geht es kaum. Keine zwei Wochen ist es her, da glich die Stimmung bei Dynamo der auf einer Beerdigung. Die Zuschauer pfiffen, die Spieler schlichen mit hängenden Köpfen vom Rasen und suchten nach dem 1:2 daheim gegen Schlusslicht Kaiserslautern vergeblich nach Erklärungen. Sechs Pflichtspiele ohne Sieg, darunter vier Niederlagen – da bleibt nur noch wenig Platz für Optimismus.

Am Sonntag ist die Gefühlslage eine gänzlich andere. Minutenlang feiern die Fans die Mannschaft, das ganze Stadion hüpft. Es ist eine Mischung aus Freude, Erleichterung, Stolz und Euphorie, die sich da breitmacht. Sieg in Düsseldorf, Sieg gegen Aue, 7:1 Tore – Krise? Welche Krise?

Der Umschwung lässt sich nicht nur an der Stimmung und den Ergebnissen festmachen, sondern auch am Geschehen auf dem Rasen. Richtig schlecht haben die Dresdner zwar – mit Ausnahme der Partie in Kiel – auch in den vergangenen Wochen nicht gespielt, doch den Offensivbemühungen mangelte es an Schwung, Mut, Willen und Präzision. Zudem schlichen sich in der Defensive unerklärliche Fehler ein. Davon ist gegen Aue nichts mehr zu sehen. „Es war die beste Saisonleistung“, bilanzierte Trainer Uwe Neuhaus.

Die Frage drängt sich auf: Wer hat die Mannschaft wachgeküsst? Was war der Auslöser für die Auferstehung?

Um zwei Namen kommt man dabei nicht herum: Philip Heise und Marco Hartmann. Heise fehlte drei Spiele wegen einer Rotsperre, Hartmann pausierte ebenfalls drei Partien wegen eines Muskelfaserrisses. Gegen Kaiserslautern feierte der Kapitän in den Schlussminuten ein sehr unglückliches Comeback. In Düsseldorf stand das Duo dann erstmals wieder in der Startelf, prompt kehrte der Erfolg zurück. Zufall?

„Philip ist ein extrem guter Zweitligaspieler, darüber besteht überhaupt kein Zweifel. Natürlich hat er uns gefehlt“, sagt Neuhaus. „Und Harti auch.“ Aue-Trainer Hannes Drews hatte ihn kurz vor dem Derby als „Mentalitätsmonster“ bezeichnet. Damit habe er nicht unrecht, findet Neuhaus. „Er ist ein unheimlich wichtiger Spieler für uns.“ Und der einzige, dem der Trainer am Saisonbeginn öffentlich eine Stammplatzgarantie ausgestellt hatte.

Beide bereiten gegen Aue je einen Treffer vor, doch das ist nicht mal das Entscheidende. Mit der Rückkehr von Heise als Linksverteidiger gewinnt Vordermann Haris Duljevic an Qualität, weil der Bosnier wieder einen – im Wortsinn – Mitspieler hat und kein Alleinunterhalter mehr ist. Die beiden harmonieren auf der linken Seite auf einem Niveau, das für die zweite Liga sehr ungewöhnlich ist.

Hartmann möchte über seinen Anteil am zurückgekehrten Erfolg am liebsten nicht sprechen, die Frage scheint ihm fast peinlich zu sein. Er windet sich bei der Antwort, räumt lediglich ein, dass er „viel mit den Jungs redet“. Doch es sind vor allem sein kompromissloses Zweikampfverhalten und seine Körpersprache, die ihn im Mittelfeld unverzichtbar machen.

Erstmals gesteht auch Neuhaus ein, dass es im Kader an manchen Stellen ein Gefälle zwischen den Stamm- und den Ergänzungsspielern gibt. „Es hat schon eine große Rolle gespielt, dass in der Mannschaft einige Positionen qualitativ nicht gleichwertig doppelt besetzt sind“, erklärte er. „So weit sind wir noch nicht.“ Wen er konkret damit meinte, verriet er nicht, die Stellvertreter von Hartmann und Heise gehören ganz sicher dazu.

Es war aber nicht nur das Duo, das zuletzt fehlte. Die Verletztenmisere zieht sich wie ein roter Faden durch die bisherige Spielzeit. „Wir waren dadurch immer wieder zu Wechseln gezwungen, mussten Spieler bringen, die zwar gesund waren, aber kein Training, keinen Wettkampf in den Beinen hatten“, sagte Neuhaus. „Das macht so viel aus.“ Gegenüber dem Sieg in Düsseldorf veränderte er die Startelf nicht – zum ersten Mal in dieser Saison.

Am Samstag bei Union Berlin sind aller guten Dinge jedoch nicht drei. Hartmann fällt schon wieder aus, gegen Aue sah er nach einem taktischen Foul die fünfte Gelbe Karte. „Das war blind von mir – bei einer 3:0-Führung. Und das gerade jetzt, wo wir so ein bisschen Fahrt aufnehmen.“ Ärgerlich ist das, doch Neuhaus will nicht lange hadern. „Sperren sind mir lieber als Verletzungen. Er kann jetzt normal weitertrainieren und ist beim übernächsten Spiel topfit.“

Die Partie in Duisburg ist zugleich der Jahresausklang. Die beiden Duelle will Hartmann noch abwarten und erst bei erfolgreichem Verlauf das Ende der Krise bestätigen. „Wir haben nur zwei Spiele gewonnen“, warnt er. „Die Aufmerksamkeit darf jetzt keinesfalls nachlassen. Wir brauchen eine längere Phase.“ Helfen kann er dabei erst einmal nicht.

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