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Das Ende der Kreidezeit

Die Lehrlinge der Metall- und Elektroausbildung haben neue Kabinette bezogen – und sind im Digitalzeitalter angekommen.

07.10.2017
Von Annett Heyse

der Kreidezeit
Im neuen Fachkabinett der Metall- und Elektroausbildung Kesselsdorf installiert Silven Dittmann, Azubi im zweiten Lehrjahr zum Mechatroniker, eine Schaltung.

© Karl-Ludwig Oberthür

Kesselsdorf. Wenn Geschäftsführer von einem Meilenstein reden, dann meinen sie in der Regel einen wichtigen Schritt in der Unternehmensentwicklung. Die Metall- und Elektroausbildung in Kesselsdorf, kurz MEA, konnte einen solchen Meilenstein feiern. Das Aus- und Fortbildungszentrum für Lehrlinge und Facharbeiter hat zwei neue Fachkabinette einbauen lassen. Rund 400 000 Euro hat die Umgestaltung der Schulungsräume gekostet.

Hier sollen – wie schon in den vergangenen Jahren – vor allem zukünftige Elektrotechniker und Mechatroniker ihr theoretisches und praktisches Rüstzeug für den Berufsalltag bekommen. 200 Firmen aus dem Großraum Dresden lassen in Kesselsdorf ausbilden. „Wir haben für unsere Schüler das Modernste einbauen lassen, was es derzeit gibt“, schwärmt Geschäftsführer Steffen Boden.

Er führt in eines der Fachkabinette. Die Auszubildenden des ersten Lehrjahres sitzen an großen Arbeitstischen, vor sich hat jeder ein großes Gitter aus Metall. Das ist die „Wand“, an der die zukünftigen Elektrotechniker eine Schaltung aufbauen sollen. Die jungen Männer haben Schalter an dem Gitter montiert, Kabel, Lampen und einen Sicherungskasten. Im Kleinstformat gibt es das Prinzip im Physikunterricht an jeder Schule.

Nur hier geht es um Echtgröße und deutlich kompliziertere Berechnungen. Das macht ihr Lehrer gleich mal vor. Er steht vor einer Tafel – ein riesiger Bildschirm. „Die Kreidezeit ist Vergangenheit“, sagt der Geschäftsführer. Der Lehrer greift vielmehr zum Spezialstift, schreibt auf die Tafel eine Formel zur Berechnung des Widerstands. Zahlen werden nun hin- und hergetauscht, dann in eine Bauzeichnung integriert. Alles läuft wie auf dem Computerbildschirm. „Die Generation kann doch damit eh viel besser umgehen als mit Analogtechnik“, kommentiert MEA-Chef Boden. Deshalb fehlen auch Schreibblöcke und Stifte auf den Tischen. Stattdessen stehen hier Notebooks, auf denen die Lehrlinge all dass nachvollziehen können, was ihr Lehrer ihnen vorn an seiner digitaler Tafel präsentiert. Schüler und Lehrer sind miteinander vernetzt, nicht sichtbar sind die neuen Fachkabinette mit Datenleitungen, Kamerasystemen und modernster Datentechnik ausgestattet. „Klassenzimmer 4.0“, nennt Steffen Boden das.

Das überbetriebliche Ausbildungszentrum siedelte sich 1998 in Kesselsdorf an und übernahm damals eine Schulungseinrichtung des Computerspezialisten IBM mit fünf Lehrkräften. Schrittweise entwickelte man die Lehrausbildung weiter, bot neue Berufsausbildungen wie Mechatroniker an und holte ab dem Jahr 2000 auch Umschüler und Fortzubildende ins Haus. Heute arbeiten hier 17 Lehrer, die in gewerblich-technischen Berufen der Metalltechnik und Elektrotechnik sowie Kunststofftechnik ausbilden, umschulen und fortbilden. Um die 500 Azubis, davon allein 250 Mechatroniker, lernen derzeit im Haus.

Mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten, ist wichtig für das Ausbildungszentrum. So kaufte man 2015 einen Industrieroboter und gönnte sich nun als nächsten Meilenstein die Fachkabinette.

www.meakesselsdorf.de