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Donnerstag, 31.12.2015

Das Baumhaus ist eine Männer-Kita

Gleich fünf männliche Pädagogen gehören hier in Radeberg zum Team. Ein echter Spitzenwert.

Von Jens Fritzsche

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Das sind sie, die fünf Männer der christlichen Kita „Baumhaus“ in Radeberg: Florian Guhr, Rico Hortenbach, Marco Schurz, Steffen Gärtner und Richard Wetzel (von links). Zum Team gehören noch sieben Frauen – also halten sich hier Männer und Frauen fast die Waage. Eine echte Besonderheit in Sachsen. Und wohl nicht nur hier.
Das sind sie, die fünf Männer der christlichen Kita „Baumhaus“ in Radeberg: Florian Guhr, Rico Hortenbach, Marco Schurz, Steffen Gärtner und Richard Wetzel (von links). Zum Team gehören noch sieben Frauen – also halten sich hier Männer und Frauen fast die Waage. Eine echte Besonderheit in Sachsen. Und wohl nicht nur hier.

© Thorsten Eckert

  • Das sind sie, die fünf Männer der christlichen Kita „Baumhaus“ in Radeberg: Florian Guhr, Rico Hortenbach, Marco Schurz, Steffen Gärtner und Richard Wetzel (von links). Zum Team gehören noch sieben Frauen – also halten sich hier Männer und Frauen fast die Waage. Eine echte Besonderheit in Sachsen. Und wohl nicht nur hier.
    Das sind sie, die fünf Männer der christlichen Kita „Baumhaus“ in Radeberg: Florian Guhr, Rico Hortenbach, Marco Schurz, Steffen Gärtner und Richard Wetzel (von links). Zum Team gehören noch sieben Frauen – also halten sich hier Männer und Frauen fast die Waage. Eine echte Besonderheit in Sachsen. Und wohl nicht nur hier.
  • Das ist eine der spannenden Ideen der Baumhaus-Männer: Ende Juni veranstalteten sie ein „Väter-Zelten“ auf dem Pfarrhof in Großerkmannsdorf. Väter und Kinder zelten dann gemeinsam, grillen, spielen Fußball und natürlich wird auch viel geredet.
    Das ist eine der spannenden Ideen der Baumhaus-Männer: Ende Juni veranstalteten sie ein „Väter-Zelten“ auf dem Pfarrhof in Großerkmannsdorf. Väter und Kinder zelten dann gemeinsam, grillen, spielen Fußball und natürlich wird auch viel geredet.

Männer in Kitas sind ja mittlerweile gar nicht mehr so exotisch. In Arnsdorf lenkt ja mit Andreas Reupert bekanntlich seit Jahren ein Mann sogar als Chef die Geschicke der dortigen Volkssolidaritäts-Kita am Karswald. Und trotzdem ist die christliche Kita „Baumhaus“ in Radeberg dann doch eine echte Besonderheit in Sachen Männer: Denn hier gehören nämlich gleich fünf männliche Pädagogen zum Team der Kindertages- und Familienbildungsstätte! Und das dürfte wohl deutscher Spitzenwert in einer Kita sein. Denn da zum Kita-Team noch sieben Frauen gehören, ist das eine Männerquote von fast 50 Prozent.

Was im Übrigen nicht nur die Kita-Chefin Andrea Kretschmann begeistert, „es hat ja in unserer Gesellschaft einen gewaltigen Wandel gegeben“, sagt sie. Männer nehmen Elternzeit, „und Männer sind längst auch in der Lage und sich auch nicht zu fein, einen Haushalt zu führen“, freut sich Andrea Kretschmann über diese Normalität. Und sie spürt auch die Resonanz aus der Elternschaft, „dass sie unseren hohen Männeranteil in der Kita sehr begrüßen“.

Dass sie etwas Besonderes sind, finden die Radeberger Baumhaus-Männer dabei im Übrigen auch selbst nicht. „Ich finde das völlig normal, dass es auch Männer in Erzieherberufen gibt“, sagt zum Beispiel Richard Wetzel, einer der fünf. Und fügt augenzwinkernd hinzu, was ihn an diesem Beruf begeistert: „Im Kindergarten kann ich auch selbst noch Kind sein – hier kann ich Dinge tun, die ältere Leute ja sonst eigentlich nicht tun.“ Und überhaupt sind die Männer in der Kita ein bisschen lockerer, ist auch Rico Hortenbach überzeugt. „Wir sind vielleicht nicht ganz so ängstlich – wenn die Jungs im Garten mal mit Stöcken fechten, dann sehen Frauen ja immer gleich die Verletzungsgefahr.“

Und nicht zuletzt seien männliche Kita-Erzieher auch gerade für jene Kinder wichtig, die nach der Trennung ihrer Eltern nur bei ihren Müttern aufwachsen. „Es ist schon hier und da deutlich zu spüren, dass wir als Männer dann tagsüber als Bezugsperson ein bisschen auch diese Vaterrolle mit übernehmen“, hat Marco Schurz jedenfalls beobachtet. Und er ist zudem überzeugt, dass es auch für die Stimmung im Team der Kinder-Einrichtung wichtig ist, wenn es ein möglichst ausgeglichenes Verhältnis von Frauen und Männern gibt.

In jedem Fall ist die Arbeit im Kindergarten ein Beruf, der unbedingt Spaß macht. Das sehen alle fünf Baumhaus-Männer so. „Und ich finde es sehr spannend zu sehen, wie sich Kinder entwickeln – es macht stolz, die Entwicklung zu vergleichen, vom Anfang bis zu dem Zeitpunkt, wenn die Kinder dann in die Schule wechseln“, findet Steffen Gärtner. Und dass man als Mann im Freundeskreis erstaunt angeschaut wird, wenn die Sprache aufs Berufliche kommt, „das ist längst erledigt“, so seine Erfahrungen. „Es ist für meine Freunde und Bekannten völlig normal, dass ich im Kindergarten arbeite.“

Die Radeberger Baumhaus-Kita liegt dabei übrigens auch politisch voll im Trend. Schließlich gibt es längst bundesweit und auch von der sächsischen Regierung bereits 2011 angeschobene Programme, um mehr Männer für Kita-Berufe zu begeistern. „Bei der Ausgestaltung und Erfüllung der Aufgaben sind die unterschiedlichen Lebenslagen von Mädchen und Jungen zu berücksichtigen“, heißt es beispielsweise im Kinder- und Jugendhilfegesetz. Und auch Baumhaus-Chefin Andrea Kretschmann verweist darauf, „dass wir ja auch eine Familienbildungsstätte sind“. Und da gehören für sie unbedingt auch die von den Kita-Männern organisierten besonderen Angebote dazu. So veranstalten die fünf Baumhaus-Männer im Sommer beispielsweise ein Väter-Zelten auf dem Pfarrhof-Gelände in Großerkmannsdorf. Väter aus der Kita und ihre Kinder zelten dann gemeinsam, „abends wird gegrillt – eben mal ein toller Väter-Abend“, freut sich die Kita-Chefin. Die im Übrigen generell froh ist, „dass mit den Männern auch spannende Ideen im Kita-Alltag Einzug halten“. Besondere Bastelangebote zum Beispiel; oder ganz einfach auch mal ein Fußballspiel. Männersache, klar.

www.baumhaus-radeberg.de