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Freitag, 26.05.2017

Darf jeder über die Truppe schreiben?

Die Bundeswehr ist ein unbeliebter Bereich in unserem Staat. Zum Sandsackschaufeln sind wir gut, wenn die Elbe mal wieder ihr Flussbett verlässt. Ja, Kritik kann und muss geäußert werden. Aber doch bitte nur von Personen, die wissen, wovon sie reden. Oder kennen Sie auch nur einen Admiral oder General persönlich? MfG, Ansgar Höber

Sehr geehrter Herr Höber,

hinter der Bundeswehr liegen schwere Wochen, klar. Da hat sich ein junger Offizier, offenkundig rechtsradikal, als Flüchtling ausgegeben. Danach wollten die bösen Mutmaßungen gar nicht wieder aufhören. Und die zuständige Ministerin hat sich auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Ich kann mir vorstellen, wie man sich da als Angehöriger der Bundeswehr fühlt. Aber, bitte, machen Sie es sich nicht zu leicht, die Medien tragen dafür nicht die Verantwortung. Die Probleme sind real, auch wenn das Ausmaß noch unklar ist.

In Ihrer Zuschrift stecken allerdings interessante Fragen: Wer darf Artikel schreiben? Wie viel müssen die Autoren vom Fach verstehen? Sollten das Fachleute sein, in diesem Fall also Militärs?

Unbestritten muss ein Journalist etwas von seinem Fach verstehen. SZ-Redakteure haben in der Regel ein Fachstudium und eine journalistische Ausbildung absolviert, viele extra noch ein einjähriges Volontariat. Wie viel Fachkenntnis dann noch nötig ist, hängt vom Einsatzgebiet ab. Lokalredakteure sind eher Allrounder, die über ein Mindestmaß an Kenntnissen auf vielen Gebieten verfügen. Ein Berichterstatter aus dem Landtag dagegen braucht fundiertes Wissen über den Politikbetrieb und sehr spezielle langjährige Erfahrungen. Gleiches gilt für die Tätigkeit von Theaterrezensenten oder Sportreportern.

Nur in seltenen Fällen stellen Zeitungen Fachleute ohne journalistische Erfahrung ein. Inhalte allgemeinverständlich zu vermitteln, möglichst auch noch unterhaltsam, ist durchaus eine Kunst, die Talent verlangt und eine lange Ausbildung. Zudem ist kritische Distanz zum Gegenstand der Berichterstattung eine wichtige Voraussetzung für gute Texte.

Also: Journalisten müssen Generäle nicht persönlich kennen, um über die Bundeswehr zu schreiben, aber sie sollten möglichst viel wissen über die Truppe – und die Texte sollten korrekt sein. Nur dann, diese Erfahrung hat jeder Journalist schon gemacht, haben kritische Sichten eine Chance, akzeptiert zu werden.

Ihr Olaf Kittel

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