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Darf die SZ zu Pegida eine Meinung haben?

Ich bin entsetzt über die Berichte von der Pegida-Veranstaltung am 6.2. am Königsufer. Sie hat in meinen Augen nicht die Innenstadt blockiert und von Nazis und ein paar Wutbürgern zu schreiben finde ich beschämend. Ich war persönlich dabei und habe mit vielen Leuten gesprochen, die diese Reden gut fanden. MfG Jens Leuner

13.02.2016

Sehr geehrter Herr Leuner,

Sie und ich und wir alle stellen täglich fest: Die Ansichten zu Pegida spalten die Gesellschaft - und die Debatten werden hoch emotional geführt. Damit vernünftig umzugehen ist schwierig, auch für eine Zeitung. Die Sächsische Zeitung orientiert sich deshalb an Grundsätzen, die ich gern erläutern möchte. Zunächst berichtet sie immer dann sehr ausführlich über Pegida, wenn Großveranstaltungen angekündigt sind oder sich neue Entwicklungen abzeichnen. Vergangene Woche war das so. Deshalb konnten Sie sich schon am Sonnabend auf einem Liveticker bei SZ-online umfassend über die Proteste in Dresden informieren. In der Montag-Ausgabe war der Aufmacher auf der Titelseite diesem Thema gewidmet. Die Leser erfuhren sachlich, wo welche Veranstaltungen stattgefunden hatten und dass der europaweite „Aktionstag“ nur in Dresden und Prag nennenswert mobilisierte.

Zu diesem sachlichen Nachrichtentext veröffentlichte die SZ eine Reportage auf Seite Drei, in der Reporter und ein tschechischer Korrespondent ihre Eindrücke von den Protesten schilderten. Diese Sichten sind natürlich subjektiv. In Reportagen, Essays oder Kommentaren dürfen und sollen Journalisten ihre persönliche Meinung erläutern. An einer Zeitung, die nur aus Nachrichtenstoff besteht, würden Leser wenig Gefallen finden. Ausgewählt werden diese Reporter übrigens nicht nach ihrer Meinung zu einem Thema. Ihre Fachkompetenz entscheidet. Und für diese Seite Drei waren Kollegen im Einsatz, die sich schon lange intensiv mit dem Thema beschäftigen.

In Ihrem Brief, sehr geehrter Herr Leuner, meinen Sie, dass die SZ sehr kritisch mit Pegida umgeht. Dieser Eindruck ist richtig, er ist das Ergebnis monatelanger Recherchen. Allerdings achtet die Redaktion darauf, dass auch andere Sichten ihren Platz haben. Zum Beispiel auf dieser Seite, die Leserbriefe veröffentlicht. Die SZ lässt immer wieder in Artikeln auch Pegida-Anhänger zu Wort kommen, auch in großen Meinungsbeiträgen.

Für Journalisten kann es keine Frage sein: Natürlich müssen sie ihre Sichten darstellen können. Auch wenn sie kritisch sind, auch wenn es um das Thema Pegida geht. Die SZ will aber auch zu einer vernünftigen Dialogkultur beitragen, die andere Sichten akzeptiert und einen respektvollen Streit ermöglicht.

Ihr Olaf Kittel