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Dienstag, 28.03.2017

Darf das EKZ ausbauen?

Die neuen Eigentümer des Einkaufstempels haben viel vor. Mittwochabend entscheidet der Stadtrat.

Von Jens Fritzsche

Nach über 20 Jahren soll das EKZ an der Badstraße nicht nur äußerlich auf Vordermann gebracht werden. Foto: Thorsten Eckert
Nach über 20 Jahren soll das EKZ an der Badstraße nicht nur äußerlich auf Vordermann gebracht werden. Foto: Thorsten Eckert

© thorsten eckert

Fast auf den Tag vor einem Jahr sorgte die SZ-Schlagzeile in Radeberg für Aufsehen: Das Einkaufszentrum EKZ an der Badstraße hat einen neuen Eigentümer. Die Berliner Firma Defama – was für Deutsche Fachmarkt AG steht – hatte das Mitte der 1990er Jahre gebaute Einkaufszentrum für 5,5 Millionen gekauft. Und das Unternehmen hat eine Menge vor mit dem auch äußerlich in die Jahre gekommenen Einkaufstempel, hatte Geschäftsführer Matthias Schrade der SZ verraten. Zunächst sollten ein paar wichtige Schönheitsreparaturen her, dann wolle Defama auch an einen großen Umbau gehen, so Matthias Schrade vor einem Jahr.

Die ersten kleineren Reparaturen sind erledigt, so sind zum Beispiel die schlimmsten Löcher auf dem Parkplatz saniert. Nun wollen die neuen Eigentümer auch in Sachen Umgestaltung Nägel mit Köpfen machen. Am Mittwoch wird der Stadtrat über die Umbaupläne beraten. Die Pläne sehen dabei vor, die Einkaufspassage quasi zu halbieren und die kleinen Ladengeschäfte dort „räumlich verbessert“ unterzubringen – gleichzeitig sollen die Verkaufsflächen von Aldi und Konsum vergrößert werden und zwischen beiden einen neuen Drogeriemarkt ansiedeln. Die Eingänge zu den beiden Lebensmittelmärkten und der Drogerie sollen dann künftig nicht mehr durch die Passage, sondern von außen möglich sein, heißt es in den vorgelegten Plänen. Dass Konsum und Aldi mehr Platz bekommen, sei dabei eine Voraussetzung für deren Verbleib im EKZ und damit auch für den Erhalt des Einkaufszentrums insgesamt, denn beide seien sogenannte Ankermieter, die Grundsteine quasi auf denen das Center wirtschaftlich ruht. „Die Anforderungen der Ankermieter hinsichtlich der Verkaufsflächen haben sich geändert“, schreibt der von den Eigentümern mit der Planung beauftragte Architekt Ekkehart Keitel im Begleitbrief an die Stadt mit Blick auf die vergangenen über 20 Jahre. Grundsätzlich soll das EKZ aber auch künftig der Nahversorgung dienen, fügt er an. Wobei es nicht nur im Inneren Neuerungen geben soll, sondern das EKZ soll auch in Sachen Fassade moderner werden.

Dass es sich hier im Übrigen sozusagen um ein „Aufhübschen“ handelt, um das Center anschließend an einen neuen Eigentümer gewinnbringend weiterzuverkaufen, hatte Defama-Chef Matthias Schrade schon vor einem Jahr ausgeschlossen. Unternehmens-Strategie sei vielmehr, gut ausgelastete und funktionierende Handelszentren in vergleichsweise kleinen Städten zu kaufen, um dann über Mieteinnahmen eine Rendite zu erzielen.

Standorte wie der in Radeberg seien mit Blick auf den Kaufpreis nicht überteuert, so Matthias Schrade, und damit gut für ein solches Konzept geeignet. Hinzu komme, dass Radeberg ein sehr gut funktionierender Wirtschaftsstandort mit ausreichend Kaufkraft in der Bevölkerung sei, hatte der Berliner dann noch angefügt.

Ob der Stadtrat nun dennoch jubelnd auf sprichwörtlich grünes Licht stellt, ist offen. Denn natürlich hat die Stadt immer auch die Händler in der Innenstadt im Blick, die durch Erweiterungen und Ansiedlungen am Stadtrand nicht geschädigt werden sollen. Wobei sich der Blick auf das EKZ an der Badstraße in den vergangenen Jahren ja dann doch ein wenig geändert hat. Denn längst steht der Einkaufstempel nicht mehr so wirklich auf der sogenannten grünen Wiese. Denn in letzter Zeit ist am gegenüberliegenden Sandberg ein bestens ausgelastetes Wohngebiet gewachsen, für das die Läden im EKZ zum wichtigen Nahversorgungszentrum – wie es im bürokratischen Sprachgebrauch heißt – geworden sind. Noch dazu wird das Wohngebiet noch weiter wachsen. Zudem hatte Radebergs Wirtschaftsreferent Marco Wagner vor einem Jahr mit Blick auf den neuen Eigentümer sogar gehofft, dass ein attraktiveres EKZ helfen könne, mehr Kundschaft nach Radeberg zu locken, die dann auch weiter in die Innenstadt fahren könnte.

Es bleibt jedenfalls spannend, wie sich die Stadträte Mittwochabend positionieren werden. Für die Beschlussvorlage sind vorsichtshalber schon mal zwei Varianten vorbereitet worden. Einmal mit Zustimmung zu den vorgelegten Umbauplänen – und eine zweite mit der Auflage, das Konzept noch einmal mit Blick auf das vom Stadtrat 2009 beschlossene Einzelhandelskonzept zu überarbeiten. Darin ist festgelegt, welche Angebote ausschließlich in der Innenstadt angesiedelt werden dürfen. Wobei sich hier in den vergangenen Jahren ja einiges verändert hat – längst gibt es zum Beispiel Drogeriewaren, Schreibwaren, ja sogar Textilien auch im Supermarkt …

Eine einfache Debatte dürfte es also wohl nicht werden am Mittwochabend ab 18 Uhr im Sitzungssaal des Rathauses.