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Mittwoch, 04.10.2017

Dann wird’s lustig

Dynamo-Profi Patrick Möschl spürt als Österreicher in Dresden keine Sprachbarriere – außer bei einer Silbe.

Von Sven Geisler

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Patrick Möschl klatscht mit den Dynamo-Fans ab. Der Österreicher fühlt sich in Dresden schon heimisch – und er kennt dabei keine Sprachbarriere.
Patrick Möschl klatscht mit den Dynamo-Fans ab. Der Österreicher fühlt sich in Dresden schon heimisch – und er kennt dabei keine Sprachbarriere.

© Robert Michael

Dieses halbe Jahr musste er absitzen. Wehrpflicht eben. Allerdings hatte Patrick Möschl als Profi-Fußballer bei der Armee einen Sonderstatus, durfte weiter beim SV Ried trainieren. „Ich brauchte nicht auf den Hügeln zu übernachten“, sagt er – und fügt hinzu: „Bei uns heißt das so.“ Im Gespräch erklärt der 24 Jahre alte Österreicher einige Begriffe, von denen er ahnt, dass sie hierzulande ungebräuchlich sind.

Seit Sommer spielt er für Dynamo Dresden, da prallen Sprachwelten aufeinander: sein Dialekt aus dem Salzburger Land, den manchmal nicht mal die Wiener verstehen, und Sächsisch. Das kann die Verständigung schon mal schwierig machen. Möschl lacht. „Wir Österreicher verschlucken hin und wieder ein paar Buchstaben. Wenn ich mich nicht konzentriere und schnell rede, fragen die anderen schon mal: Was?“ Umgedreht geht es ihm genauso, also wenn jemand mit sächsischem Akzent ohne Punkt und Komma spricht, „dann habe ich keine Chance“.

Dabei sind ihm noch nicht allzu viele sächsische Vokabeln untergekommen, wie sie in dieser Ausgabe der SZ gepflegt werden. Außer natürlich diese eine, für den Sachsen unverzichtbare Silbe: nu! „Da muss ich jedes Mal lachen“, meint Möschl und grinst. Ja, vielleicht liegt es an den verwirrend vielen Kombinationsmöglichkeiten wie „nu nö“, was wiederum ein klares Nein ist. Oder „nu nu“, was einem Kopfschütteln gleichkommt: Du spinnst doch.

Der Österreicher macht sich aber auch gerne einen Spaß mit deutschen Freunden. Wenn sie Schwarzbeere oder den Schwanz des Eichhörnchens auf die Salzburger Weise aussprechen sollen, „wird‘s lustig“, sagt Möschl. Schon beim Schreiben bricht man sich als Sachse beinahe die Zunge; lesen Sie selbst: Schwoschtzbee und Oachkatzalschwoaf. Dafür kennt er kein Mutschekiepchen und weiß nicht, was ein Hader ist. Obwohl er ihn benutzt, wie er betont.

Probleme mit der Verständigung hat Möschl in seiner neuen Arbeitswelt keine, was daran liegen könnte, dass in der Kabine kaum jemand Sächsisch spricht. Nur Markus Schubert, Torwart Nummer zwei, wurde in Sachsen geboren: in Freiberg. Dagegen stammen allein vier Profis aus Bayern, mit Sascha Horvath gehört ein weiterer Österreicher zur Mannschaft.

Der fremden Mundart begegnet Möschl also eher im Alltag. In dem musste er sich an manche Gepflogenheiten gewöhnen, auch wenn die nicht sachsenspezifisch waren. „Ich habe anfangs alle Flaschen weggeschmissen. Bei uns gibt es Pfand nur auf Gläser. Wenn ich das bedenke: 25 Cent pro Flasche …“ Eine Sprachbarriere spürt er dagegen auch auf der Straße nicht. „Ich bin anfangs vielleicht ein bisschen schüchtern“, meint er. „Aber wenn ich ein gutes Gefühl habe und mich mit den Leuten verstehe, begegne ich ihnen auch sehr offen.“

Die Dresdner beschreibt er als aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit. Den Eindruck bestätigen auch seine Eltern, die er nicht vom Flughafen abholen konnte, weil sie zur Trainingszeit gelandet sind. „Als sie sich nach einem Bus umgeschaut haben, kamen Leute direkt auf sie zu und haben ihnen erklärt, wie sie in die Stadt kommen. Sie mussten nicht mal fragen.“ Er hat ihnen die Sehenswürdigkeiten gezeigt und wo er essen geht mit den Kumpels, die er Kameraden nennt. Das negative Image, das Dresden durch Pegida und seit der Wahl wegen des starken Abschneidens der AfD anhaftet, hält Möschl für unangebracht und aufgebauscht. „Ich sehe das zwar nicht positiv, aber es bestimmt sicher nicht mein Bild von Sachsen.“

Er fühlt sich hier heimisch, auch wenn er – wie österreichische Zeitungen berichteten – bei Dynamo das „Stammleiberl“ verloren hat, womit der Stammplatz gemeint ist. Logisch. Trotzdem trifft es der Begriff nicht, meint Möschl – und erklärt: „Ich habe es ja nie besessen.“ Dabei stand er zu Saisonbeginn dreimal in der Startelf, spielte jeweils 90 Minuten durch. Doch nach einer Erkältung war der flinke Rechtsaußen erst einmal raus und kam seitdem zweimal als Einwechsler rein, zuletzt in Heidenheim für wenige Sekunden ohne Ballbesitz. „Natürlich will ich am liebsten immer spielen, aber ich wusste, als ich im Sommer hierher gekommen bin, dass es nicht leicht wird. Deutschland ist einfach ein anderes Pflaster als Österreich.“

Das hat weniger mit den mundartlichen Unterschieden zu tun als vielmehr mit dem größeren Konkurrenzkampf. „Die Qualität in der Mannschaft ist höher, deshalb muss ich mich steigern. Auf meiner Position zählen Scorerpunkte, also Tore und Assists. Damit muss ich anfangen, wenn ich ein Stammleiberl will.“ Für sein Durchsetzungsvermögen hat er schon als Jugendlicher in der – „bei uns heißt das so“ – Kraftkammer gearbeitet, im Fitnessraum also. Bevor er seine Matura gemacht hat. „Bei euch heißt das, glaube ich, Abitur.“

Aber die Sache mit den Hügeln bedarf dann schon noch einer genaueren Erklärung. „Bei den kilometerlangen Märschen war ich nicht dabei, musste mich nicht im Schlamm rumwälzen“, erzählt Möschl von seiner Zeit bei der Bundeswehr.

Dynamo testet am Freitag, 14 Uhr, im DDV-Stadion gegen den Halleschen FC – allerdings ohne Zuschauer.

Benoten Sie die Leistungen der Dynamo-Spieler in Heidenheim:

Leser-Kommentare

Insgesamt 10 Kommentare

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  1. Klar

    "... erzählt Möschl von seiner Zeit bei der Bundeswehr." @ Autor Sven Geisler: Schön 'blumig' können Sie ja schreiben. Bei Fakten hapert es dann - das Bundesheer ist das Militär der Republik Österreich!

  2. warum eigentlich

    @1 wer lesen kann ist..... Wo steht dort Bundeswehr? Dort steht Fußballer bei der Armee.

  3. Radebeuler

    "Die Dresdner beschreibt er als aufgeschlossen, freundlich und hilfsbereit. Den Eindruck bestätigen auch seine Eltern, die er nicht vom Flughafen abholen konnte, weil sie zur Trainingszeit gelandet sind. „Als sie sich nach einem Bus umgeschaut haben, kamen Leute direkt auf sie zu und haben ihnen erklärt, wie sie in die Stadt kommen. Sie mussten nicht mal fragen.“" - Klar, solange man deutsch aussieht, ist das kein Problem. Frage an die SZ, wie sehen das die Dynamo-Spieler mit arabischen oder nordamerikanischen Migrationshintergrund? Bspw. Peniel Mlapa, Erich Berko, Aias Aosman oder Noah Awassi.

  4. Radebeuler

    @2: Nr. 1. hat recht. Letzte Zeile im letzten Absatz.

  5. warum eigentlich

    sorry, habe ich doch glatt überlesen. Ja wer lesen kann... Sorry nochmal

  6. steuerfuzzi

    @Radebeuler-als freundlicher Mensch helfe ich jedem, der Hilfe benötigt. Denken Sie doch nicht immer so negativ!

  7. Torsten B.

    @Radebeuler: Menschenskinder, freuen Sie sich doch einfach Mal über das Lob an DD. Manchmal ist es auch gar kein böser Wille, wenn man keine Auskunft geben kann und wer kommt eigentlich aus Nordamerika?

  8. Berg

    Soso, in der Hauptstadt des Freistaates Sachsen gibt es Felder, wo die sächsische Sprache stört. - Bei Dynamo gab es Zeiten, da wraen die Hälfte Franzosen auf dem Feld, Wie haben die sich wohl mit den Sachsen und den sächsischen Trainern aufm Platz verstanden??

  9. Radebeuler

    @7: Oh tatsächlich. Ich meinte natürlich Nordafrika.

  10. K.E.

    @3 z.B. Noah Awassi einen Migrationshintergrund anzudichten ist bestenfalls Unwissen, viel wahrscheinlicher aber Rassismus Ihrerseits (dunkle Hautfarbe=Migrant). Laufen Sie bei Pegida mit? Suchen Sie mal bei Google, was genannter junger Mann zum dem von Ihnen nachgefragten Thema zu sagen hat (es gibt da ein Statement von 2015).

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