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Mittwoch, 16.03.2016

Dänen sind wieder die Glücklichsten

Was Glück bedeutet und was nicht, daran zerbrechen sich Philosophen seit Menschengedenken den Kopf. Der Weltglücksbericht bricht die weltweite „Happiness“ auf messbare Faktoren herunter. Das große Glück ist demnach ein Nachbar von Deutschland.

© Symbolfoto: dpa

Rom/New York. Nach einem Jahr mit der Schweiz an der Spitze hat Dänemark einer globalen Studie zufolge den ersten Platz als glücklichstes Land der Welt zurückerobert. Das geht aus dem neuen Weltglücksbericht des Earth Institute der Columbia-Universität New York hervor, der am Mittwoch in Rom vorgestellt wurde. Während die Schweiz und Island den zweiten und dritten Platz belegen, gelingt Deutschland ein großer Sprung vom 26. auf den 16. Platz der insgesamt rund 160 ausgewerteten Länder.

Unter den Top Ten finden sich in folgender Reihenfolge auch Norwegen, Finnland, Kanada, die Niederlande, Neuseeland, Australien und Schweden. Sie hatten es auch im vergangenen Jahr alle unter die obersten zehn Plätze geschafft.

Ebenfalls vor Deutschland lagen auf den Plätzen 11 bis 15 die Länder Israel, Österreich, USA, Costa Rica und Puerto Rico. „Die Eigenberichte über Glück und Wohlergehen sollten auf der Agenda jedes Landes sein“, sagte Jeffrey Sachs, Direktor des Earth Institute.

Sechs Fragen rund ums Glück

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Welcher Weg führt zum Glück? Sind es Gesundheit, Geld oder Liebe? Oder alles zusammen und noch viel mehr? Zum Internationalen Tag des Glücks sechs Fragen rund um den begehrtesten aller Zustände:

Was ist Glück?

Einst wurde mit dem mittelhochdeutschen Wort „Gelucke“ das gute Ende eines Ereignisses benannt. Der Duden definiert es als eine „angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat“. Es sei ein „Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung“. Als zentraler Begriff der Religion und Philosophie ist Glück die vollkommene und dauerhafte Erfüllung persönlicher Wünsche. Glücksforscher sprechen von einem subjektiven Wohlbefinden, das für jeden etwas Anderes bedeuten könne.

Wo sind die Menschen am glücklichsten?

Laut UN-„World Happiness Report“ von 2016 sind es unsere Nachbarn in Dänemark. In der vom Earth Institute der Columbia-Universität in New York erstellten Liste von 158 Staaten folgen die Schweiz, Island und Norwegen. Auch wenn Berlins damaliger Bürgermeister Walter Momper nach dem Mauerfall am 10. November 1989 verkündete: „Wir Deutschen sind jetzt das glücklichste Volk auf der Welt“, reichte es in der UN-Liste noch nie für einen Spitzenplatz. Aktuell belegt die Bundesrepublik Rang 16.

Was macht glücklich?

Im „World Book of Happiness“ zählen Forscher Faktoren für Glück auf: eine stabile Liebesbeziehung, Gesundheit, ein den eigenen Fähigkeiten entsprechender Beruf, Freunde, Kinder und Geld für Grundbedürfnisse. Reichtum allein macht übrigens nicht glücklich: Mit steigendem Wohlstand wächst Glück nicht immer weiter. Forscher gehen davon aus, dass bei materiell armen Menschen verlässliche Bindungen verstärkt für Glücksgefühle sorgen. Die Vereinten Nationen nennen ganz einfache Grundbedingungen für Glück: Unter anderem sind das mindestens 2500 Kalorien und 100 Liter Wasserverbrauch am Tag, mindestens sechs Quadratmeter Wohnraum, ein Platz zum Kochen sowie sechs Jahre Schule.

Ist das Glück naturwissenschaftlich zu fassen?

Es gibt eine „Chemie des Glücks“ - oder prosaisch ausgedrückt: Interaktionen zwischen Hormonen und Nerven im Gehirn. Wer etwa frisch verliebt ist, schüttet zum Beispiel vermehrt die „Glücksstoffe“ Oxytocin und Phenylethylamin sowie körpereigene Endorphine wie Dopamin und Serotonin aus. Auch wenn wir angenehm überrascht werden, machen uns diese Botenstoffe euphorisch. Neurologen sind sicher, dass das Glücksgefühl immer wieder abflauen muss. „Unser Gehirn ist nicht dafür gebaut, dauernd glücklich zu sein“, wird der Hirnforscher Manfred Spitzer von der Uni-Klinik Ulm in Interviews zitiert: „aber es ist süchtig danach, nach Glück zu streben“.

Wo ist das Streben nach Glück eine nationale Angelegenheit?

Die Gründungsväter der USA nahmen das individuelle „Streben nach Glück“ („Pursuit of Happiness“) als eines der „unveräußerlichen Rechte“ für jeden Amerikaner in ihre Unabhängigkeitserklärung auf. Im Himalaya-Königreich Bhutan lässt der Herrscher sogar regelmäßig sein Volk nach seiner Zufriedenheit befragen und das nationale Bruttoglücksprodukt („Gross National Happiness“) messen. Kriterien sind etwa Lebensstandard, Gesundheit, psychisches Wohlergehen, Bildung, Zeiteinteilung, gute Regierungsführung und Gemeinschaftsgefühl. 2015 betrachteten sich nur 8,8 Prozent der Menschen in Bhutan als unglücklich.

Wo leben die glücklichsten Kinder?

Bei einer Befragung von Zwölfjährigen in 15 ausgewählten Staaten erklärten in Rumänien prozentual am meisten Kinder, dass sie mit ihrem Leben zufrieden seien. Es folgen junge Kolumbianer und Israelis. Die deutschen Zwölfjähren erreichen in diesem „Kinderweltbericht 2015“ nur Platz 10 von 15 - hinter ihren Altersgenossen im bitterarmen Äthiopien.

10 Gründe, warum die Dänen so glücklich sind

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1. MEER: Ob Ostsee oder Nordsee - fast überall, wo die Dänen wohnen, ist Meer. Oder zumindest ist es nicht weit bis zum Wasser. Kleine Alltagsfluchten in Form von Strandspaziergängen sind schnell gemacht. Die Dänen wissen das, gehen auch im Winter in den Fluten baden und lassen sich den Wind um die Nase wehen. Denn das macht den Kopf frei.

2. FAMILIE: Früher nach Hause gehen, um das Kind aus der Kita abzuholen? Was bei manchem Arbeitgeber in Deutschland nicht gut ankommt, ist bei den Nachbarn im Norden ganz normal. Familie und Freizeit sind wichtig, wissen dänische Chefs. Dafür ist fast immer Verständnis da.

3. HUMOR: Wer auf politische Korrektheit besteht und auch nur einen Hauch prüde ist, ist mit den Dänen nicht unbedingt auf einer Wellenlänge. Alle anderen haben in Dänemark viel zu lachen. Ironie und ein trockener, oft kindlicher Humor lassen die Dänen etwas weniger ernsthaft auf das Leben gucken als etwa die Deutschen.

4. FAHRRADFAHREN: Dänemark ist flach wie ein Pfannkuchen. Es gibt also keine Ausrede, sich nicht mit dem Fahrrad überall hinzubewegen. Die Dänen machen das - und bleiben so bis ins hohe Alter fit.

5. LAKRITZ: Kaum jemand liebt Lakritz mehr als die Dänen. Im Supermarkt gibt es mehr verschiedene Lakritz- als Schokoladensorten. Das schwarze Gold macht süchtig - und glücklich.

6. GEMÜTLICHKEIT: Die Dänen sind Meister des Designs. Wer ein ganz normales Wohnzimmer betritt, fühlt sich oft an eine Möbelausstellung erinnert, aber im besten Sinne. Skandinavier wissen, wie man es sich gemütlich macht. Breite Sofas, Kerzenschein, und nach dem Essen (egal um welche Uhrzeit) Kaffee und Kuchen.

7. GUTES FERNSEHEN: Was für die Deutschen der ARD-“Tatort“ ist, sind für die Dänen am Sonntagabend die anspruchsvollen Serien des öffentlichen Rundfunks DR. Krimireihen wie „Die Brücke“ oder „Kommissarin Lund“ oder Polit-Serien wie „Borgen“ kommen auch im Ausland gut an.

8. DUZEN UND LOCKERER UMGANG: Flache Hierarchien sind fast überall vorhanden, außer der Königin wird in Dänemark jeder geduzt. Das macht den Umgang miteinander entspannter. Das gilt übrigens auch für die Etikette am Arbeitsplatz: Wo der Chef auch schon mal in kurzer Hose ins Büro kommt, lässt es sich gut arbeiten.

9. SOZIALES SICHERHEITSGEFÜHL: Der Durchschnitts-Däne gehört zur breiten Mittelschicht und muss sich um wenig Sorgen machen. Wird er krank oder arbeitslos, fängt ihn der (durch hohe Steuern finanzierte) Wohlfahrtsstaat auf.

10. KOPENHAGEN: Die moderne dänische Hauptstadt hat einige der besten Restaurants der Welt, ist groß genug für ein aufregendes Nachtleben und klein genug, um mit dem Fahrrad überall hinzukommen. Das Wasser im Hafen ist sauber genug, um darin zu baden, und die Kopenhagener sind meist freundlich. Hier lässt sich gut entspannt sein. (dpa)

Auf fünf der letzen Plätze landeten das zerrüttete Bürgerkriegsland Syrien, das gegen radikal-islamische Taliban kämpfende Afghanistan, das ostafrikanische Burundi sowie die westafrikanischen Länder Togo und Benin. Nur fünf der Länder auf den letzten 30 Plätzen liegen nicht in Afrika.

Am stärksten verbesserten sich im Vergleich zum Vorjahr Nicaragua und Sierra Leone, während sich die Lage in Griechenland, Ägypten und Saudi-Arabien mit Blick auf das Glück ihrer Bewohner am stärksten verschlechterte.

Der für die Vereinten Nationen erstellte Bericht verbindet unter anderem Daten von Sozialsystemen und Arbeitsmarkt mit Befragungen über die Selbstwahrnehmung der Menschen.

Der diesjährige Bericht stützt sich auf Daten aus den Jahren 2013 bis 2015. Bei den ersten beiden Ausgaben des Berichts 2012 und 2013 war jeweils Dänemark auf dem ersten Platz gelandet, vergangenes Jahr verdrängten die Schweizer die Dänen auf Platz Drei.

Regierungen von fünf Ländern - Bhutan, Ecuador, Schottland, die Vereinigten Arabischen Emirate und Venezuela - haben bisher einen eigenen Ministerposten für die Frage des Glücks geschaffen. (dpa)

Leser-Kommentare

Insgesamt 5 Kommentare

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  1. Alex W.

    Deutschlands Unglücklichste,scheinen die Sachsen zu sein!

  2. Berg

    Ein kleines Land, ohne zu beanspruchen, überall Weltmarktführer oder Exportweltmeister zu sein, kann seine paar Bürger/innen (nur wenig mehr als Sachsen) einfach zufriedenstellen. Und siehe da: Weltmeister im Glücklichsein!

  3. Volker W.

    @Alex W.: Wieso? Ich bin als Sachse glücklich. Sind sie wirklich der Aufassung, dass Sachsen in einer globalen Studie einen statistischen Effekt auslösen könnten? Vielleicht sind die Sachsen allgemein glücklicher, sie bewegen etwas. Welches Ergebnis entsteht, ist eine ganz andere Frage.

  4. Dresdnerin

    Klar, dass die Dänen glücklich sind. Und schlau dazu: denn sie dürfen sich ja auch an Deutschlands Immoblien-Ausverkauf vergnügen, während es den Deutschen verboten ist, ein kleines Holzbüdchen in Dänemark zu erwerben... ;-)

  5. Claudia Knauer

    Dänemark ist keineswegs flach wie ein Pfannkuchen. In Apenrade/Aabenraa gibt es z.B. den Bergmarathon. Aber tatsächlich radeln wir gerne. Und wir haben Vertrauen - in unseren Staat und in unsere Gemeinschaft. Das hilft beim Glücklichsein.

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