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Samstag, 06.01.2018

Da läuft doch was

Damit Trinkwasser hygienisch einwandfrei ist, sind Spezialisten gefragt. Die werden auch in Sachsen gesucht – aber unterschiedlich bezahlt.

Von Christina Bachmann

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Auf der Straße: Zur Arbeit der Auszubildenden gehört es auch, Abläufe zu kontrollieren.
Auf der Straße: Zur Arbeit der Auszubildenden gehört es auch, Abläufe zu kontrollieren.

© dpa-tmn

  • Auf der Straße: Zur Arbeit der Auszubildenden gehört es auch, Abläufe zu kontrollieren.
    Auf der Straße: Zur Arbeit der Auszubildenden gehört es auch, Abläufe zu kontrollieren.
  • Im Labor: Analysen gehören zur Arbeit bei der Wasserversorgung. Fotos (2): Berliner Wasserbetriebe/Malte Jaeger/dpa
    Im Labor: Analysen gehören zur Arbeit bei der Wasserversorgung. Fotos (2): Berliner Wasserbetriebe/Malte Jaeger/dpa

Rund eine Badewanne voller Wasser verbraucht jeder Bundesbürger im Schnitt pro Tag. 123 Liter waren es 2015, sagt Daniel Wosnitzka, Pressesprecher des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches (DVGW). Damit dieses ganze Wasser in einwandfreier Qualität aus der Leitung fließt, sind die Mitarbeiter von Wasserwerken und Wasserversorgern Tag und Nacht im Einsatz – überwiegend in technischen, aber auch in kaufmännischen Berufen. Das Spektrum der Jobs reicht von klassischen Lehrberufen bis zu Studiengängen.

Das Rückgrat der Belegschaft bilden meistens die Fachkräfte für Wasserversorgungstechnik: Beim Zweckverband Landeswasserversorgung in Stuttgart (LW) stellen sie mit einem knappen Drittel zum Beispiel einen Großteil der Beschäftigten. „Es ist ein sehr vielfältiger Beruf“, sagt Unternehmenssprecher Bernhard Röhrle. Unter anderem sind die Fachkräfte dafür zuständig, dass immer hygienisch einwandfreies Wasser in den Leitungsrohren ankommt. Sie bedienen, überwachen und warten die Anlagen, die Wasser fördern, aufbereiten oder verteilen. In Sachsen kümmern sich laut Arbeitsagentur knapp 1 600 Frauen und Männer darum. Aktuell sind 27 freie Stellen gemeldet. Zudem würden nach Angaben der Agentur mehr Ausbildungsstellen zur Verfügung stehen als junge Leute den Beruf erlernen möchten.

Die Spezialisten in der Wasserversorgungs- und Abwassertechnik sind aber nicht nur vor Ort, sie sitzen auch in der Zentrale am Computer, der das Wasserversorgungssystem steuert. „Wenn nach einem spannenden Fußballspiel alle Menschen auf die Toilette springen, müssen sie schauen, dass der Betrieb weiterläuft und genügend Wasser nachfließt“, sagt Röhrle.

Die Fachkraft für Wasserversorgungstechnik ist ein klassischer Ausbildungsberuf. Bei den meisten Wasserwerken gibt es aber noch andere Lehrberufewie Bauzeichner, Chemielaborant, Elektroniker für Betriebstechnik oder Kaufmann für Büromanagement. Auch Hochschulabsolventen arbeiten in den Betrieben, vor allem Bauingenieure, IT-Betreuer, Elektro- und Vermessungsingenieure. Jenseits des Fachwissens sind dort vor allem die berühmten Soft Skills gefragt. „Man sollte im Team arbeiten können“, sagt Dana Buchholz, Leiterin des Bereichs Personalmanagement bei den Berliner Wasserbetrieben.

Für sauberes und gesundes Trinkwasser zu sorgen, ist eine große Verantwortung. Hohe Motivation und Zuverlässigkeit sind deshalb in allen Tätigkeitsbereichen Voraussetzung. Aber auch fundierte Fachkenntnisse werden immer wichtiger. „Die Struktur in der Wasserversorgung verändert sich seit einigen Jahren deutlich, weil sie immer komplexer wird“, so Röhrle. „Bei den heutigen Anforderungen an Wasserqualität und Aufbereitung müssen sich die Leute mehr und mehr spezialisieren.“ Das bestätigt auch Dana Buchholz: „Die Aufgabengebiete sind viel komplexer und umfangreicher geworden. Vorrangig haben sich die Bereiche Technologie und Innovation herausgebildet, dazu gehören Automatisierung, Digitalisierung und Steuerungstechnik.“

Ole Braukmann, Pressesprecher bei Hamburg Wasser, sieht in der Digitalisierung eine große Herausforderung. „Wir können noch nicht vorhersagen, wo das in unserem Arbeitsumfeld überall eine Rolle spielen wird“, sagt er. „Aber klar ist: Alles, was digitalisiert werden kann, wird irgendwann digitalisiert.“ Bisher haben auch vier Mitarbeiter in einem Betrieb überprüft, ob die Gullys verstopft sind. Das übernehmen in Zukunft vielleicht internetfähige Sensoren. „Dann bräuchten wir einen weniger zum Reinigen, dafür aber einen mehr, der den digitalen Prozess steuert.“

Bei Hamburg Wasser wird sich laut Braukmann 2030 die Hälfte der jetzigen Belegschaft im Ruhestand befinden. Kein Einzelfall: Auch andere Wasserversorger müssen kräftig nachbesetzen. „Der Wettbewerb um talentierte junge Mitarbeiter wird sich zukünftig auch für die Unternehmen der Wasserwirtschaft verschärfen“, prognostiziert DVGW-Sprecher Wosnitzka. Eine Herausforderung dabei: Viele Arbeitgeber in der freien Wirtschaft zahlen besser als öffentliche Wasserversorger. Dafür punkten die Betriebe mit weichen Faktoren, sagt Braukmann. Die Unterschiede zwischen öffentlichem Dienst und freier Wirtschaft machen sich aber bereits bei der Ausbildungsvergütung bemerkbar. Die Spanne reicht von 918 bis 969 im ersten bis 1 014 und 1 194 Euro im dritten Lehrjahr. Das Bruttogehalt für Wasserversorgungstechniker liegt laut Agentur im Durchschnitt bei 3 000 Euro. Einsatzgebiete sind kommunale Versorgungsbetriebe, industrielle Wasserwerke und Wasseraufbereitungsunternehmen. (dpa/mit gfl)