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Montag, 17.10.2011

Computer und Beamer statt Kreidetafel

Fast alle Görlitzer Schulen haben ihre ersten digitalen Tafeln erhalten. Damit werden die Kinder schneller an neue Medien geführt. Es gibt aber auch Nachteile.

Von Ingo Kramer

An der August-Moritz-Böttcher- Grundschule in der Schulstraße sitzen die Pioniere in der Klasse 3c. Die Schüler von Klassenleiterin Christiane Weinert und Mathelehrer Frank Schubert sind an ihrer Schule die ersten, die eine interaktive Wandtafel im Klassenraum haben. Kurz erklärt: Statt einer Kreidetafel gibt es einen Beamer und der überträgt das, was nebenher auf dem Computer passiert.

„Das hat den Vorteil, dass man während des Unterrichts schnell ins Internet kommt, ohne dazu extra ins PC-Kabinett gehen zu müssen“, erläutert Frank Schubert. Zudem würden die Kinder so schneller an die neuen Medien herangeführt. Dass zu kleine Kinder zu viel Zeit vor dem Computer verbringen, fürchtet er indes nicht: „Es werden ja nur Unterrichtsinhalte vermittelt und außerdem bleiben die Bücher und Arbeitshefte erhalten.“

Was in der Schulstraße passiert, spiegelt einen sachsenweiten Trend wieder: Neue Technik hält Einzug. Nach Auskunft von Andrea Valendiek, Sprecherin des Kultusministeriums, gibt es an den rund 1.400 öffentlichen Schulen mittlerweile mehr als 62.000 Computer. Das sind 44 pro Haus. Dazu kommen rund 12.400 Notebooks. Statistisch teilen sich also jeweils vier Kinder einen Computer. Bei der Finanzierung können die Schulträger Förderprogramme nutzen. Allein im Programm Medios wurden nach Angaben des Kultusministeriums 128 Millionen Euro bereit gestellt.

Davon hat die Stadt Görlitz laut Amtsleiterin Petra Zimmermann dieses Jahr gut 143.000 Euro erhalten und selbst noch einmal 48.000 Euro drauf gelegt. Dafür hat sie in diesem Schuljahr 19 interaktive Wandtafeln, 23 interaktive Beamer und 114 Notebooks angeschafft sowie 36 veraltete PCs im Verhältnis 1:1 ausgetauscht. Im Durchschnitt kostet eine Tafel mit Zubehör rund 4.000 Euro. Bei all den Anschaffungen ergibt sich eine Förderung von 75 Prozent. Das Geld kommt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und vom Freistaat. Profitiert haben alle städtischen Schulen, wenn auch in unterschiedlichem Maße. Außer in einer Förderschule gibt es überall interaktive Tafeln, zum Teil fest installiert, zum Teil auch mobil.

„Wir haben uns gegen die mobile Variante entschieden, weil das ständige Herumschieben einer so großen Tafel ungünstig ist“, sagt Frank Schubert. Allerdings hat das natürlich den Nachteil, dass die anderen Klassen sie nur nutzen können, wenn die 3c beim Sportunterricht oder in einem Fachkabinett ist.

Für die Lehrer hat das neue Medium auch einen Nachteil: Die Unterrichtsvorbereitung wird erst einmal aufwändiger, denn es gibt keine Software, die den sächsischen Lehrplan wiederspiegelt. Stattdessen müssen sie in den vorhandenen Programmen vieles suchen. So wird der einfache Stromkreis in Sachsen im Werkunterricht der Klasse 4 gelehrt, in anderen Bundesländern dagegen im Physikunterricht der Klassen 5 oder 6. Und noch mehr Nachteile gibt es: Lineal und Zirkel sind an der Tafel ebenso tabu wie Magneten. Deshalb ist im Klassenraum das so genannte Whiteboard erhalten geblieben: Eine magnetische Tafel, die sich mit Stiften beschreiben lässt.

Trotz der Schwierigkeiten haben sich nach Auskunft von Schulleiterin Almut Hentschel schon weitere Lehrer gemeldet, die als nächstes interaktive Tafeln haben wollen. Dass auch künftig solche Anschaffungen geplant sind, bestätigt die Amtsleiterin: „Die Ausstattung der Schulen ist ein ständig währender Prozess.“