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Mittwoch, 17.02.2016

Comics gegen Grapscher

Nach Übergriffen im Arnhold-Bad sollen nun klare Regeln helfen. Die funktionieren fast ohne Worte – und sind auch für Deutsche hilfreich.

Von Tobias Wolf

Comic-Regeln für Bäder

Dresden will für die Bäder ein neues Regelwerk aufstellen. In München gibt es so etwas schon.
Dresden will für die Bäder ein neues Regelwerk aufstellen. In München gibt es so etwas schon.

© dpa

Ein Vorfall im Georg-Arnhold-Bad hat erneut eine heftige Debatte um die Sicherheit in Schwimmhallen ausgelöst. Am Sonntagabend sollen zwei Mädchen im Alter von zehn und elf Jahren im Außenbecken der Anlage von zwei Männern unsittlich berührt worden sein – nach Angaben der Polizei handelt es sich dabei um einen 21-jährigen Syrer und einen 31-jährigen Iraner, die die Kinder an Beinen, Hüften und Po angefasst haben sollen.

Comic-Regeln für Bäder

Die beiden Mädchen haben ebenfalls einen Migrationshintergrund. Die Kriminalpolizei ermittelt jetzt gegen die beiden Männer wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern, sagte Polizeisprecherin Jana Ulbricht am Dienstag.

Der städtische Bäderbetrieb nimmt den Vorfall zum Anlass, ein neues Regelwerk aufzustellen. „Wir haben unsere Baderegeln schon als Text in sieben Sprachen überall aufgehängt und ausgelegt, darunter auf Englisch, Französisch, Türkisch und Arabisch“, sagt Dörte Gregor vom Bäderbetrieb. „Das wäre auch in Ordnung so, aber wir können nicht davon ausgehen, dass alle Migranten das lesen können.“ Deshalb sollen ergänzend nun comicartige Piktogramme aufgehängt werden. Darauf sind die Verhaltensregeln im Schwimmbad unmissverständlich und klar dargestellt. Sie zeigen Szenen, wie „Keine anderen Badegäste anfassen“, „Nicht vom Beckenrand schubsen“ oder auch, welche Badesachen getragen werden dürfen und welche Bekleidung nicht. „Damit sind die Regeln für Flüchtlinge, aber auch Analphabeten besser zu verstehen“, sagt Gregor.

Münchner sind Vorbild

Die Idee dazu kommt aus München. Die M-Bäder der dortigen Stadtwerke (SWM) haben schon im Mai 2013 ein Plakat entwickelt, das die Baderegeln als Comiczeichnungen darstellt und als mehrsprachige Broschüre zusätzlich auch in Flüchtlingseinrichtungen ausgegeben wird. Verfasst sind die Flyer auf Deutsch, Englisch, Französisch, Arabisch, Somali sowie Pashto (Afghanistan, Pakistan) und Dari (Iran). 20 000 Broschüren wurden schon verteilt, derzeit wird eine Neuauflage vorbereitet, die noch mehr Sprachen enthalten könnte. „München ist die Großstadt mit einem der höchsten Ausländeranteile in Deutschland“, sagt SWM-Sprecher Michael Solic. Das mache sich auch in den Bädern bemerkbar. „Wir hatten seinerzeit eine Häufung von Vorfällen mit Migranten, die nicht schwimmen konnten und im Schwimmerbecken waren“, sagt er.

Viele wüssten nicht, wie gefährlich das sein könne, und springen einfach ins Wasser. Weil viele Migranten die deutsche Sprache nicht verstehen, nützen auch die schriftlichen Warnschilder, Verbote oder Anweisungen nichts. „Der Grundsatz der Akzeptanz von Frauen – egal, in welcher Kleidung – wird leider nicht von allen Badegästen respektiert, deshalb der explizite Hinweis darauf“, sagt der SWM-Sprecher.

Die mehrsprachigen Comic-Regeln der M-Bäder sind da eindeutig und stoßen bundesweit auf immer mehr Interesse. Solic zufolge interessieren sich weit über 50 Bäderbetriebe und Kommunen für die Plakate und Flyer. Auch Berlin hat schon Baderegeln nach dem bayerischen Vorbild aufgestellt. An den Münchner Vorlagen wollen sich die Dresdner Bäder orientieren, diese aber noch ein Stück weit spezialisieren, sagt Dörte Gregor. „Die Bilder müssen auch ohne Text eindeutig und klar sein.“

Das städtische Unternehmen hofft, damit etwas Druck aus der Debatte zu nehmen, die in der Öffentlichkeit tobt. Vor allem auf Facebook ergießt sich ein Schwall von Hasskommentaren, in denen unter anderem Selbstjustiz und Gewalt gegen Asylbewerber thematisiert werden. Laut Polizei habe es schon vor der Flüchtlingswelle des vergangenen Jahres Fälle von Exhibitionismus oder Belästigungen gegeben. Unsittliche Berührungen gebe es dagegen noch nicht so lange.

Zwar habe es bereits im Januar im Arnhold-Bad einen Übergriff gegen vier Mädchen gegeben. Dieser und der Vorfall vom Sonntagabend seien aber bislang die Einzigen in den Dresdner Bädern, bei denen Migranten mit unsittlichen Berührungen auffielen, sagt Dörte Gregor. Im Normalfall seien es Einheimische, die Verstöße begingen, Anweisungen des Badpersonals nicht befolgten oder einen Rausschmiss nach einem Fehlverhalten nicht akzeptierten und darüber sehr unfreundlich und laut würden.