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Donnerstag, 21.09.2017

Comeback für den O-Bus?

Die Verkehrsbetriebe wollen mehr Elektrobusse. Mit einem alten Bekannten könnte es ein Wiedersehen geben.

Von Ralf Hübner

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Bis 1975 gehörten elektrisch betriebene Oberleitungsbusse in Dresden zum Straßenbild. Die Verkehrsbetriebe denken daran, sie zurückzuholen.
Bis 1975 gehörten elektrisch betriebene Oberleitungsbusse in Dresden zum Straßenbild. Die Verkehrsbetriebe denken daran, sie zurückzuholen.

© Archiv DVB

Mehr als 42 Jahre nach dem letzten Halt könnten die Oberleitungsbusse auf die Straßen in Dresden zurückkehren. Über das Thema Oberleitung müsse vor allem bei großen Bussen nachgedacht werden, sagte der Vorstand der Dresdner Verkehrsbetriebe, Andreas Hemmersbach, bei einer Podiumsdiskussion zu einem möglichen Dieselfahrverbot im Verkehrsmuseum. Den Verkehrsbetrieben zufolge gibt es aber noch keine konkrete Linie, Streckenführung oder gar Kostenschätzung. Das sei keine Sache der nächsten ein oder zwei Jahre. Zudem müsse das auch die Stadt entscheiden.

Aktuell haben die Verkehrsbetriebe unter anderem einen Elektrobus in ihrem Fuhrpark. Dieser erfülle die Erwartungen und sei bei den Routen unabhängig, hieß es. Die Batterien seien aber sehr schwer. Das gehe auf Kosten der Kapazität – es könnten nicht so viele Passagiere mitfahren wie eigentlich möglich. Das verschlechtere die Energiebilanz. O-Busse hingegen seien ausgereift, serientauglich und zu kaufen, hieß es. Ihr Nachteil: Es werden zusätzliche Fahrleitungsanlagen gebraucht, denn nicht immer könne auf die schon vorhandenen Anlagen der Straßenbahn zurückgegriffen werden.

In Dresden waren von 1947 bis 1975 O-Busse unterwegs. Sie fuhren vom TU-Gelände und später auch von Löbtau aus durch Strehlen über das Blaue Wunder bis zum Körnerplatz, Bühlau und Weißig. Wegen schlechter Instandhaltung und fehlender Ersatzteile wurde der Betrieb eingestellt. Den Verkehrsbetrieben zufolge wäre diese Strecke bei einer Wiederaufnahme des O-Bus-Verkehrs wegen des hohen Fahrgastaufkommens allein zwischen Löbtau und Strehlen eher ungeeignet. Deswegen ist dort eine Straßenbahnlinie geplant.

Aktuell gibt es in Deutschland noch in den drei Städten Solingen (NRW), Esslingen (Baden-Württemberg) und Eberswalde (Brandenburg) O-Bus-Verkehr. Für O-Busse wird an der Westsächsischen Hochschule in Zwickau aktuell ein automatisches Abnehmersystem für den Oberleitungsstrom entwickelt.

Ob Dresden wegen schlechter Luft mit Klage und Fahrverbot für Dieselautos rechnen muss, blieb bei der Diskussion offen. Dorothee Saar von der Deutschen Umwelthilfe mochte sich da nicht festlegen. „Wir werden uns den neuen Luftreinhalteplan genau ansehen“, sagte sie.

Leser-Kommentare

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Insgesamt 29 Kommentare

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  1. Stefan

    O-Busse vereinen die Nachteile der Straßenbahn und der des Stadtbusses in einem für Dresden neuen System. Das ist schlicht unsinnig. Wann beginnt endlich die Planung und Planfeststellung für dir Einführung der Linie 5 von Johannstadt nach Plauen ( Ersatz Linie 62)?

  2. @Stefan

    Es muss nicht eine Kombination von Nachteilen sein. Die Kombination von Batterie- und Oberleitungsbetrieb könnte auch eine Alternative sein. Teilstrecken, insbesondere Bergauf, sind mit Oberleitungen versehen, dazu das bestehende Straba-Netz. Der Rest läuft auf Batterie. Die Batterie könnte entsprechend kleiner sein. Die Flexibilität der Busse bei Umleitungen usw. wäre weiterhin gegeben.

  3. Thomas Rosenberg

    Induktion. Hat in Augsburg bereits 2011 im Testbetrieb funktioniert. Aber dann werden die Zwickauer ja ihre Stromabnehmer nicht los.

  4. Johann Klein

    @Stefan. Daß die "Nachteile des O-Bus-Systems so immens "sind, sieht man daran, daß weltweit in Millionenmetropolen dieses System verwendet wird. Wenn man es auflisten würde, weit häufiger als Straßenbahnen. Aber die DVB erfindet gerade in DD den ÖPNV neu, siehe Aussagen zum e-Bus, obwohl auch diese Systeme in anderen Städten eingeführt sind. Wieso schafft es die Millionenmetropole eines Schwellenlandes, wie Mexico-Stadt, daß 70% ihrerer Busse elektrisch sind, Dresden aber nicht?? Es liegt klar auf der Hand: Der Wille fehlt, weil man sich dem starren, technisch und finanziell aufwendigen Straßenbahnsystem verschrieben hat Nicht umsonst hat man sich vom Stadtrat versichern lassen, daß man 1. Ansprechpartner für e-Mobilität ist. Konkurrenz ausgeschlossen.

  5. PS

    Auch hier nochmal mein Vorschlag: Salzburg hat hervorragende Erfahrungen mit modernen Obussen - ein Dresdner hat das dort zuwege gebracht und wäre sicher bereit, Erfahrungen zu teilen. Und für Strecken ohne Oberleitung könnte man das dann noch kombinieren mit Akkumulatoren. Die würde ich aber nicht IN diesen Obus packen, sondern in einen Akku-Anhänger. Auf Oberleitungsstrecken lässt man den Hänger einfach weg. Auf den anderen Strecken kann man diesen Hänger einfach wechseln, wenn die Akkus leer oder defekt sind. Auch an der Endhaltestelle schnell den Hänger wechseln und dort aufladen bis zur nächsten Runde. Der O+A-Bus (Oberleitungs+Akku-Bus)! Vorteil: Der Obus selber ist flexibel einsetzbar - mit oder ohne Oberleitung. Was sagen DVB und TU dazu?

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