Montag, 21.01.2013

Cindyrella und Lanzelot

Keine Hollywood-Stars verprellt, kaum überzogen, Quote stabilisiert. Und Cindy aus Marzahn hat für drei Sendungen die Hosen an, auch wenn sie meistens Kleider trägt.

Biedermann herzt Wuchtbrumme: das neue Traumpaar des ZDF.Foto: dpa
Biedermann herzt Wuchtbrumme: das neue Traumpaar des ZDF.Foto: dpa

Wer hilft hier eigentlich wem? Offiziell präsentierte Moderator Markus Lanz am Samstag bei „Wetten, dass..?“ seine zukünftige Assistentin, die liebreizende Cindy aus Marzahn. Seiner Art entsprechend galant geleitete Lanz die schwergewichtige Komikerin auf die Bühne: mithilfe eines Gabelstaplers. Und dann auch noch tiefgestapelt anstatt hoch.

Jeder weitere Kommentar überflüssig, Kinderstube bleibt eben Kinderstube, doch schwer wiegt langsam seine Qualität als Spaßbremse des Abends. Seine Gäste irritierte der Biedermann mit Fragen nach den Weihnachtsgeschenken oder konfrontierte sie mit Filmrollen, an die sich niemand mehr erinnern konnte. Da grenzt es fast schon an ein Wunder, dass ein Talkmaster ohne Gabe für Smalltalk dennoch die Zuschauer bei Laune halten kann. Dieses Wunder vollbrachten dann auch die „Prinzessin der Plattenbauten“ zusammen mit einer Schar selbstbewusster Gäste. Dazu zählte auch das cineastische Multitalent Matthias Schweighöfer.

Der Leinwandliebling stellte die steile These auf, dass seine frühe kindliche Sozialisierung in FKK-Bädern die Ursache dafür sei, dass er in den Filmen ständig seinen blanken Po zeigen müsse. Das Publikum amüsierten solche Sprüche, auch sorgte so manche Wette für Stimmung auf den Rängen und der Promi-Couch. Wettpate Ralf Schmitz japste vor Lachen nach Luft, als sein muskulöser Wettkandidat versuchte, Massage-Öle an den Schmatzgeräuschen zu erkennen, die entstehen, wenn man die eingeölten Hände reibt. Christiane Hörbiger wischte sich die Lachtränen aus den Augen. Kaum wieder zu Luft gekommen, musste sie diese als Wettpatin gleich noch einmal anhalten:

Mit gespannter Miene verfolgte sie die Außenwette auf einem österreichischen Bauernhof. Die drei Kinder der Familie wollten am Geschmack der frisch gemolkenen Milch die dazugehörigen Kühe erraten – dank Kinder- und Ösi-Bonus gelang es dem Trio. Damit aber waren die Boni verbraucht und die aufgeregte Saalkandidatin hatte beim Erinnerungs-Ruderspiel gegen Bühnenprofi Lanz keine Chance. Wäre er in der Situation schnell verbal gekentert, hätte er viele Sympathiepunkte gesammelt. Stattdessen aber hat er nur gestammelt – „Entschuldigung“.

Dafür kam die Werbung diesmal wirklich in die Sendung geschlichen. Das hatte das ZDF so angeordnet: ob Reise oder Automobil, die Namen der Sponsoren klein halten. Das wurde in der Ära Gottschalk noch ganz anders gehandhabt, da erhielten besonders die Automarken einen wortgewaltigen Auftritt. Doch Vorwürfe der Schleichwerbung im großen Stil gegen den Bruder von Ex-Moderator Thomas Gottschalk als Vertragspartner des ZDF hatten in den vergangenen Tagen für viel Furore gesorgt.

Entsprechend offensiv ging das neue Traumpaar des Senders, Cindyrella und Lanzelot, gleich von Beginn der Sendung mit dem Thema um. Ihr Kleid sei vom Glühbirnenfabrikant Osram, kommentierte Cindy ihr leuchtendes Outfit. „Schon wieder Schleichwerbung“, ermahnte Lanz einstudiert schlagfertig. Über so viel Frohsinn freute sich auch Stargast Denzel Washington, er hielt bis zum Ende durch, inklusive freiwilligen Popcornverteilens in einem Offenburger Kino.

Und diesmal hielt auch die Quote: Optimisten deuten die erreichten neun Millionen Zuschauer als Ende des Absturzes und Pessimisten schauen kein „Wetten dass..?“. Falls doch, konnten sie diesmal sogar rechtzeitig umschalten ins kakerlakige „Dschungelcamp“, denn nach zweieinhalb Stunden erklang aus Offenburg pünktlich die Abschiedsmelodie. (SZ/stb, dpa, dapd)

Leser-Kommentare

Insgesamt 0 Kommentare

    Kommentare können für diesen Artikel nicht mehr erfasst werden.