erweiterte Suche
Donnerstag, 04.01.2018

Chefwechsel bei Kekila

Kathleen Kitsche hat zum Jahresanfang die Kelterei in Lauba vom Vater übernommen und möchte neue Partner finden.

Von Constanze Junghanß

Kathleen Kitsche hat die Kelterei von ihrem Vater Karl-Heinz Kitsche übernommen. Der Senior will aber weiter helfen.
Kathleen Kitsche hat die Kelterei von ihrem Vater Karl-Heinz Kitsche übernommen. Der Senior will aber weiter helfen.

© Rafael Sampedro

Lauba. Sekt statt Saft heißt es zum Beginn des neuen Jahres bei Kekila. Ausnahmsweise gibt es einen kleinen Schluck zum Anstoßen – aus besonderem Anlass. Dann aber krempelte Kathleen Kitsche gleich die Ärmel wieder hoch: Die 40-Jährige ist nun die neue Chefin von Kekila. Sie tritt damit die Nachfolge in der Laubaer Kelterei an. Gegründet hat das Unternehmen – in dem mit der Geschäftsfrau sieben Festangestellte in Lohn und Brot stehen – Karl-Heinz Kitsche. Das war im Jahr 1986. Der Senior erinnert sich: „In der ehemaligen DDR waren Fruchtsäfte Mangelware.“

Damals arbeitete Karl-Heinz Kitsche noch bei der LPG, sah dort jedoch keine Zukunft mehr. „Der Bedarf nach Obstsäften war groß. Auf unserem Grundstück gab es Platz, einen solchen Betrieb aufzubauen“, sagt der heute 67-Jährige. Die entsprechenden Genehmigungen der damaligen Behörden wurden problemlos erteilt: Eben weil in der Mangelwirtschaft die vitaminreichen Getränke eher zur Bückware unterm Ladentisch mutierten. Geld vom Staat oder anderweitige finanzielle Unterstützung dagegen gab es für die Kelterei nicht. So begann Kekila mit eher historischer Technik die Produktion.

Ein größeres Angebot

Die erste Packpresse stammte aus einem Ebersbacher Betrieb und dem Baujahr 1934. „Pro Stunde konnten wir mit diesem Teil eine Tonne Saft produzieren“, erzählt der Gründer. Zum Vergleich: Die moderne Presse heute quetscht in der gleichen Zeit fünf Tonnen Saft aus den Früchten. Und im Gegensatz zur DDR-Ära ist das Angebot nun um ein Vielfaches reicher: Gab es zu Vorwendezeiten ausschließlich Apfelsaft sowie Stachel- und Johannisbeergetränke durch das Obst aus den Gärten, sind es heute über 50 Sorten Saft, Nektar und Weine, die vor Ort produziert werden.

Geblieben ist dabei das Prinzip der Lohnmosterei. Das heißt: Apfel, Birne, Quitte und Co. bringen die Verbraucher selbst nach Lauba oder zu einer der acht Sammelstellen in der Region. Dafür gibt es dann den Saft mit einem kräftigen Rabatt zu kaufen. Noch immer nehmen das die Leute gerne so an, wie Karl-Heinz Kitsche weiß. Nur ausgerechnet im vergangenen Jahr nutzten beinahe sämtliche Aufrufe nichts. „2017 war deutschlandweit das schlechteste Apfeljahr“, so der Laubaer. Letztendlich meldeten sich nach einem Aufruf in der SZ doch einige Privatleute, die Obst zur Verfügung stellten. „Wir bekamen außerdem Hinweise über Streuobstwiesen und wo wir noch regionale Äpfel zukaufen konnten“, sagt Kathleen Kitsche.

Hoffnung auf ein gutes Apfeljahr
Die etwas kritische Phase konnte also knapp überwunden werden. In der Hoffnung, jetzt steht ein gutes Apfeljahr vor der Tür. Dankbar ist die neue Chefin, dass alle Mitarbeiter unter ihrer Regie auch mitziehen werden. Darunter auch der Vater, dessen Rat und Tat gerade bei den technischen Dingen gefragt sind. Karl-Heinz Kitsche möchte seine Tochter weiterhin unterstützen. Die sieht der Zukunft positiv entgegen. Altbewährtes soll erhalten bleiben, denn das habe sich etabliert. Am Grundkonzept der Kelterei stehen keine Veränderungen an. Weitere Handelspartner in der Region möchte die junge Frau aber gern dazugewinnen. Verkauft werden die Säfte vor Ort im Ladengeschäft, in den Sammelstellen und regionalen Märkten. Letztere könnten ausgebaut werden, um den Handel zu stabilisieren.

Kathleen Kitsche gehört mit ihrem Berufszweig zu den wenigen Frauen, die einen solchen Betrieb leiten und die entsprechende Ausbildung mitbringen. So lernte die Oberlausitzerin den Beruf einer „Fachkraft für Fruchtsaftherstellung“ in der deutschlandweit einzigen dafür vorgesehenen Berufsschule bei Wiesbaden. Den Abschluss hat sie mit Bravour bestanden, die Praxis in den Altbundesländern erlernt. Ihren Meisterbrief der „Industriemeisterin Fachrichtung Fruchtsaft und Getränke“ hat sie seit 18 Jahren in der Tasche. 2002 kam sie in den väterlichen Betrieb zurück und ist seitdem fest in das Familienunternehmen eingebunden. Damit hat sie sich einen Traum verwirklicht: „Meine Kindheit verbrachte ich hier und wollte schon von klein auf diesen Beruf erlernen.“