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Chefinnen in Sachsen haben mehr als nur Kurven

Frauenpower in der Wirtschaft ist da. Aber oft wird sie belächelt oder gar nicht gesehen. Gleichstellungsministerin Petra Köpping will das ändern.

23.08.2017
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 in Sachsen haben mehr als nur Kurven
Unternehmerinnen brauchen Netzwerke und Gründerinnen umso mehr. Deshalb hat die Sächsische Staatsministerin für Gleichstellung, Petra Köpping, alle Preisträgerinnen und Bewerberinnen des„Sächsischen Gründerinnenpreises“ zu einem erstmaligen Treffen eingeladen.

Dresden/Chemnitz. „Na, Frau Köpping, sie brauchen sich nur einen kurzen Rock anzuziehen, und dann bekommen sie jede Förderung“, bekam Petra Köpping als Bürgermeisterin von Großpösna wiederholt zuhören. „Diese Sprüche kennen wir alle. Leistungen von Frauen werden mit Verweis auf weibliche Konturen abgetan“, sagt Sachsens Gleichstellungsministerin. Sie will die unternehmerische Leistung vieler Frauen im Freistaat sichtbar machen. Dazu dient der „Ladies Lunch“ der am Freitag erstmalig in Chemnitz stattfand. Die 100 Plätze im Pumpwerk, einem Restaurant mit moderner Industriearchitektur-Atmosphäre, waren fast alle besetzt. Entstanden ist die Idee zu diesem Netzwerktreffen für sächsische Unternehmerinnen im Nachklang des diesjährigen Gründerinnenpreises. Köpping hatte sich „leichtsinnig“ vorgenommen, alle Bewerberinnen, die im Januar an der Verleihungsveranstaltung nicht teilnehmen konnten, zu besuchen. „Ich habe es getan und dabei immer wieder den Wunsch gehört nach mehr Möglichkeiten, sich zu vernetzen und auszutauschen“. Diesem Wunsch kommt die Ministerin nun mit dem „Ladies Lunch“ nach. Bei positiver Resonanz soll er regelmäßig stattfinden. Knapp acht Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Sachsen sind selbstständig. Bei Männern beträgt die Quote zum Vergleich 13 Prozent. Sachsen liegt damit leicht über dem bundesweiten Durchschnitt. In der Podiumsdiskussion wird das sächsische Unternehmerinnentum als „mutig, kreativ und flexibel“ beschrieben. Firmenberaterin Cornelia Heinz bringt es auf den Punkt: „Es ist mutig, aber es wird auch noch oft belächelt, vor allem in männerdominierten Branchen.“ Heinz hat im vergangenen Jahr den Verein „Wirtschaftsfrauen Sachsen e.V.“ mit gegründet, um die in ihren Augen größte Herausforderung zu meistern – Sichtbarkeit zu schaffen. Am 18. Oktober will der Verein auf dem Kongress „Hier hat sie die Hosen an – Frauen in untypischen Branchen“ vier weibliche Chefs heimlicher Weltmarktführer aus Sachsen auf die Bühne holen.

Andere Teilnehmerinnen wie etwa Anja Gena, Gründerin von „Stadtspiel (Ver)Führung“ aus Neukirch in der Lausitz sehen die größte Hürde in der schlechten Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Gena gründete ihre Firma, die individuelle Stadtführungen entwickelt und anbietet, 2006. Ein Jahr später kam ihr erstes Kind, 2010 das zweite. Die Belastung sei extrem hoch gewesen. „Ich weiß nicht, ob ich es so noch einmal machen würde“, gibt sie zu. Diese Offenheit über eigene Grenzerfahrungen gehört auch zum ehrlichen Austausch über Unternehmerinnentum in Sachsen.