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Donnerstag, 15.02.2018

Buttersäureanschlag auf Wohnhaus

Unbekannte hatten eine ätzende Flüssigkeit in Haus Givorser Straße 11 verschüttet. Die Mieter konnten nicht ins Haus zurück.

Von Jens Hoyer

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Mit Schutzkleidung untersuchen die Feuerwehrleute die im Treppenhaus verschüttete unbekannte Substanz. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Buttersäure, eine übelriechende Flüssigkeit, die vom Menschen schon in kleinsten Mengen wahrgenommen wird und die bei Hautkontakt Verätzungen hervorruft.
Mit Schutzkleidung untersuchen die Feuerwehrleute die im Treppenhaus verschüttete unbekannte Substanz. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Buttersäure, eine übelriechende Flüssigkeit, die vom Menschen schon in kleinsten Mengen wahrgenommen wird und die bei Hautkontakt Verätzungen hervorruft.

© André Braun

  • Mit Schutzkleidung untersuchen die Feuerwehrleute die im Treppenhaus verschüttete unbekannte Substanz. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Buttersäure, eine übelriechende Flüssigkeit, die vom Menschen schon in kleinsten Mengen wahrgenommen wird und die bei Hautkontakt Verätzungen hervorruft.
    Mit Schutzkleidung untersuchen die Feuerwehrleute die im Treppenhaus verschüttete unbekannte Substanz. Mit großer Wahrscheinlichkeit handelt es sich um Buttersäure, eine übelriechende Flüssigkeit, die vom Menschen schon in kleinsten Mengen wahrgenommen wird und die bei Hautkontakt Verätzungen hervorruft.
  • Das Rote Kreuz betreute an der Unnaer Straße die Bewohner der Häuser, die ihre Wohnungen verlassen mussten.
    Das Rote Kreuz betreute an der Unnaer Straße die Bewohner der Häuser, die ihre Wohnungen verlassen mussten.
  • Ein Feuerwehrmann führt einen Mieter mit einer Rettungshaube aus dem Haus. Im Vordergrund ist ein aufblasbares Zelt zur Dekontamination der Einsatzkräfte zu sehen.
    Ein Feuerwehrmann führt einen Mieter mit einer Rettungshaube aus dem Haus. Im Vordergrund ist ein aufblasbares Zelt zur Dekontamination der Einsatzkräfte zu sehen.

Döbeln. Das war kein Liebesbeweis am Valentinstag, sondern das krasse Gegenteil. Unbekannte haben auf ein Wohnhaus in Döbeln Ost einen Anschlag mit einer ätzenden, übelriechenden Flüssigkeit verübt. Als die Bewohner des Hauses am Morgen wach wurden, stank es widerlich im Haus. „Meine Frau hat es zuerst in unserer Wohnung gerochen“, sagte Silvio Freudenberg, der mit seiner Familie in der obersten Etage wohnt. Im Treppenhaus habe es beißend nach faulen Eiern gestunken. Am Briefkasten war offenbar eine Flüssigkeit verschüttet worden – möglicherweise schon in der Nacht. Auch andere Hausbewohner hatten den Gestank bemerkt – eine Nachbarin klagte über Atembeschwerden, so Freudenberg. Die Mieter benachrichtigen den Hausmeisterdienst, der wiederum die Polizei einschaltete. Das löste gegen 11.20 Uhr einen Großeinsatz aus.

Die Döbelner Feuerwehr war kurze Zeit später mit dem Gefahrgutwagen am Einsatzort. Zwei Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit Atemschutz versuchten herauszubekommen, um was für eine Flüssigkeit sich handelt. Der Test sei nicht gelungen, so Einsatzleiter Lutz Hesse. „Die Flüssigkeit war schon eingetrocknet.“ Die Entscheidung: Die Bewohner sollten das Haus verlassen. Aber nicht ohne Vorsichtsmaßnahmen. Das Rote Kreuz war angefordert, um die Bewohner im Bedarfsfall gleich medizinisch versorgen zu können.

Nach 13 Uhr forderte der Einsatzleiter der Polizei die Bewohner per Lautsprecher auf, Fenster und Türen geschlossen zu halten, sich warm anzuziehen und auf die Einsatzkräfte der Feuerwehr in ihren Wohnungen zu warten. Der Plan: Die Mieter sollten mit sogenannten Rettungshauben durchs Treppenhaus ins Freie geführt werden. Silvio Freudenberg, seine Frau und die beiden Töchter, 9 und 12 Jahre alt, waren die Ersten, die aus dem Haus gebracht wurden. Auch die beiden angrenzenden Häusern wurden evakuiert. Nach Angaben der Polizei mussten insgesamt 18 Mieter ihre Wohnungen zeitweise verlassen. Darunter auch gebrechliche Leute. Eine Frau und ein alter Mann mussten geführt werden. Die Menschen wurden vom Roten Kreuz auf der Unnaer Straße in einem Einsatzwagen des Katastrophenschutzes des Landkreises Mittelsachsen in Empfang genommen.

Die sogenannte Schnelleinsatzgruppe des Roten Kreuzes und der Rettungsdienst waren im Einsatz. Organisationsleiter Uwe Dähnel koordinierte die medizinische Versorgung. „Uns wurden mehr als zehn Personen angekündigt. Deshalb haben wir einen Bus angefordert, in dem die Hausbewohner im Warmen sitzen“, sagte Dähnel. Drei Bewohner wurden mit gesundheitlichen Problemen ins Krankenhaus gebracht, darunter waren zwei Kinder.

Um festzustellen, was da wirklich im Treppenhaus verschüttet wurde, forderte die Döbelner Feuerwehr Unterstützung aus Milkau an. „Wir gehören zum Erkundungszug des Landkreises Mittelsachsen“, sagte Gruppenleiter Konstantin Lorenz. Der Erkundungszug verfügt über Messgeräte, mit denen sich die verwendeten chemischen Substanzen feststellen lassen. Lorenz tippte auf Buttersäure. „Das ist ein ganz typischer Geruch.“ Der Verdacht bestätigte sich laut Einsatzleiter Lutz Hesse zu „90 Prozent“. Gefährlich ist diese Substanz vor allem bei direktem Hautkontakt. Für die Reinigung des Treppenhauses sei die Feuerwehr aber nicht zuständig, so Hesse.

Die Mieter des Hauses Nr. 11 konnten erst einmal nicht in ihre Wohnungen zurück. Der Vermieter, die TAG Wohnen, hatte eine Spezialfirma mit der Reinigung der Briefkastenanlage und des Eingangsbereichs beauftragt. „Wir haben die Mieter informiert, dass sie gegen 18 oder 19 Uhr in ihre Wohnungen zurückkönnen“, sagte Dirk Förster-Wehle, Leiter Immobilienmanagement der TAG. „Man findet keine Worte über so viel Böswilligkeit. Der Verursacher hat sich nicht überlegt, was das für Konsequenzen hat und dass da auch Kinder und alte Menschen betroffen sind.“ Die Arbeit der Einsatzkräfte lobte Förster-Wehle. „Die haben extrem gut zusammengearbeitet.“ Die Döbelner Feuerwehr hatte wegen der möglicherweise benötigten Atemgeräteträger alle Ortswehren einbezogen. Insgesamt waren das fast 50 Leute.