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Montag, 29.10.2012

Buntes Treiben in einer weißen Nacht

Weiß, kalt und still war die Sonnabendnacht in Chemnitz. Wer sich bei diesem Wetter raus aufs frostige Glatteis traute, wurde im Museum Gunzenhauser mit dem ganzen Gegenteil belohnt. Denn bunt, heiß und stimmungsvoll ging’s zur 7. Jungen Kunstnacht zu.

Von Yvonne Friedrich

Chemnitz. „Ist das Kunst oder kann das weg?“ - ein recht provokanter Titel für eine Kunstnacht, fast wie eine Anstiftung zum frechen Sturm auf den Elfenbeinturm. Der Einladung der Jungen Kunstfreunde Chemnitz folgten rund 300 Besucher. Per Plastikchips stimmten sie über Tops und Flops der aktuellen Ausstellung ab.

Das Ergebnis war verblüffend: Während durchaus streitbare Bilder wie Rupprecht Geigers grelles Werk „744 a/82“ oder Willi Baumeisters „Maske 8“ eindeutig als Kunst durchgingen, zeigten für Karl Schmidt-Rottluffs „Stillleben mit Deckelvase“ und Otto Dix’ „Traum“ die Daumen nach unten. Auch die „Gelbe Figur mit Tier“ von Horst Antes sowie die Skulptur „Estela para un amigo“ von Eduardo Chillida - ausgerechnet zwei Favoriten des Stifters und Hausherren Alfred Gunzenhauser - fielen in der Gunst der jungen Gäste durch. „Es geht beim ,Kann-weg-Voting‘ nicht darum, Bilder aus dem Museum zu verbannen“, beruhigt Romy Bürger, Sprecherin der Jungen Kunstfreunde. „Vielmehr wollten wir zur Diskussion über Kunst anregen.“

Während die einen bei dieser Auseinandersetzung ihre Gemüter erhitzten, lauschten andere der Dada-Lesung von Schauspieler Michael-Paul Milow, ließen sich von Beate Düber kompetent durch die Sammlung führen oder nippten an der „Hau weg“-Bar Eierlikör im Schokobecher.

Im selben Raum arbeitete das deutsch-südafrikanische Künstlerpaar Frances und Everett Duarte am Otto-Dix-Pavillon live und mit Farbe an seinem Gemälde. Betrachtet werden konnte das begehbare Werk nur in dieser einen Nacht - bei bester Partylaune, für die DJ Falko Rock sorgte.„Es war ein schöner, erfolgreicher Abend“, resümierte Romy Bürger gestern - mit Vorfreude auf die 8. Junge Kunstnacht im nächsten Oktober. „Doch diese planen wir erst, wenn wir die letzte Nacht verarbeitet haben.“