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Montag, 19.06.2017

Buntes Fest mit offenem Ende

Zehntausende feiern drei Tage in der Neustadt. Trotzdem geben die auf, die das Fest geprägt haben. Ein Abgesang?

Papierschnipsel-Regen über der Louisenstraße: Bei sommerlichen Temperaturen genießen die Besucher wie hier am Sonnabend das bunte Programm auf der BRN.
Papierschnipsel-Regen über der Louisenstraße: Bei sommerlichen Temperaturen genießen die Besucher wie hier am Sonnabend das bunte Programm auf der BRN.

© Sven Ellger

Dresden. Gelbe Papierschnipsel landen im Bierbecher oder auf der Bratwurst. Die Besucher der Bunten Republik Neustadt, kurz BRN, stört das wenig. Denn der Name des Straßenfestes ist Programm – nicht nur beim Anblick der gelben, blauen und rosaroten Schnipsel, die im Sonnenuntergang durch die Luft schwirren.

BRN am Freitag

BRN am Samstag

BRN am Sonntag

Ganz so romantisch ging die BRN dann aber doch nicht über die Bühne. Am Sonntagnachmittag verkündet BRN-Koordinator Magnus Hecht: „Die Schwafelrunde ist tot – es lebe was ganz anderes!“ Den 2010 gegründeten Verband aus Neustädtern, der immer auch als Schnittstelle zwischen den Protagonisten der BRN und der Stadtverwaltung fungierte, wird es nicht mehr geben. „Wir werden älter, die Kräfte lassen nach vielen Jahren nach. Ab jetzt müssen sich andere um die BRN kümmern“, sagt Hecht. Zum Abschied stimmt die Gruppe von Mitgliedern der Schwafelrunde ein Lied an. „Bye, bye Junimond“ schallt es über den Platz. Ein Abgesang auf die BRN?

Nein, sagt der Scheune-Vereinsvorsitzende Magnus Hecht. Aber vielleicht die Chance für einen Neuanfang. Den gab es in der Vergangenheit ja immer wieder, etwa mit einem Gesamtveranstalter, um das Fest besser zu organisieren. Durchgehalten hat bislang niemand, nun gibt auch die Schwafelrunde auf. Wie es weitergeht mit der BRN? Diese Frage können weder Magnus Hecht noch Ulla Wacker beantworten. Die Chefin des Stadtteilhauses kümmerte sich zuletzt unter anderem um das Programmheft und Fördergelder. „Wir machen alles rund um die diesjährige BRN noch fertig“, sagt die 45-Jährige. Dann heißt es warten, und zwar auf die Studie, die während dieser BRN von einem Görlitzer Professor und seinen Studenten durchgeführt wurde. Ein Gutachten soll aufzeigen, wie es künftig mit dem Neustädter Straßenfest weitergehen könnte. Allerdings werden die Ergebnisse der Studie erst Ende des Jahres vorliegen – ob die Zeit dann noch reicht, eine Bunte Republik 2018 zu stemmen?

Die BRN-Bilanz der Polizei

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Trotz 75 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten hat die Polizei das Geschehen beim Stadtteilfest „Bunte Republik“ im Dresdner Stadtteil Äußere Neustadt zufrieden bewertet. „Es war ein friedliches Fest“, hieß es am Sonntag in einer Mitteilung. Vereinzelt habe es jedoch die bei solch großen Veranstaltungen typischen Vorkommnisse gegeben.

Dabei sei es 33 Mal um Rauschgift sowie 13 Mal um Körperverletzung gegangen. Weiter wurden unter anderem 10 Diebstähle, 6 Sachbeschädigungen, 4 Beleidigungen sowie weitere 4 Verstöße gegen das Waffengesetz festgestellt.

In den Nächten zum Samstag und Sonntag waren jeweils rund 320 Polizisten im Einsatz. Gemessen an der Vielzahl der Besucher bewegten sich die Zahlen im Rahmen, hieß es. (dpa)

Wenn es mit den Genehmigungen für Händler und Bühnen im kommenden Jahr besser klappt, bestimmt, sagt Hecht. Das Antragschaos im Straßen- und Tiefbauamt sei ein Hauptgrund für das Aufgeben der Schwafelrunde. Nicht genehmigte Bühnen und Stände hatten wenige Tage vor dem BRN-Start für mächtig Trubel bei den Neustädtern gesorgt. Etwa bei Dennis Kemte, der sich um die Bühne vor der Kneipe „Blondes“ in der Louisenstraße kümmert. Erst am vergangenen Montag, vier Tage vor dem Fest, kam der Bescheid von der Stadt: Bierwagen ist genehmigt, Bühne nicht – aus Sicherheitsgründen. Noch am selben Abend versichert Baubürgermeister Raoul Schmidt-Lamontain (Grüne) in der Sitzung des Neustädter Ortsbeirates, dass er sich noch einmal mit den abgelehnten Anträgen befasst. „Am Dienstagabend saßen wir dann vor unserer Kneipe. Der Baubürgermeister kam persönlich vorbei und drückte uns die Genehmigung in die Hand“, erinnert sich Dennis Kemte. Die Erleichterung war groß, das Fest gerettet.

Allerdings nicht für alle 300 Kleinveranstalter, die einen solchen Antrag auf Sondernutzung gestellt hatten. 140 blieben ungenehmigt. Platz zum Tanzen und Flanieren gab es dadurch auf den Neustädter Straßen genug. Das im vergangenen Jahr erstmals umgesetzte neue Sicherheitskonzept hat sich erneut bewährt – anstatt 300 gab es nur 190 Stände. Dass es weniger waren als 2016, ist allerdings nur ein subjektiver Eindruck einiger Besucher: Denn da waren es mit 185 nämlich sogar weniger Stände und Bühnen. Dennoch klafften hier und da Lücken, die aber nicht unbedingt mit der Genehmigung zusammenhingen. Auf der Talstraße etwa hatten sich in diesem Jahr keine Anwohner gefunden, die ein Programm auf die Beine stellten.

Von den Querelen um die Anträge in der letzten Woche war zum Fest nichts zu spüren. Auf den Straßen feierten die Besucher ausgelassen zum riesigen Musikangebot, Zehntausende waren im Stadtteil unterwegs. Die Dresdner Polizei zog am Sonntag ein positives Fazit, es blieb friedlich. Die 75 Straftaten und Ordnungswidrigkeiten – darunter 33 Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, 13 Körperverletzungen und zehn Diebstähle – seien typische Vorkommnisse. Außerdem wurde ein sexueller Übergriff auf eine junge Frau gemeldet.

Bereits am Freitag wurde das Ordnungsamt tätig; es wurden neun Fahrzeuge abgeschleppt. Am Sonntagmorgen nach 1 Uhr mussten sich die Mitarbeiter um zehn Ruhestörungen auf dem Festareal kümmern. Insgesamt 82 Menschen wurden von Sanitätern medizinisch versorgt; die Feuerwehr hatte indes keinen Einsatz.

Leser-Kommentare

Insgesamt 2 Kommentare

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  1. Papa S

    Ich kann die Entscheidung der Schwafelrunde gut nach vollziehen. Die BRN wird von vielen genutzt, um eine schnelle Mark zu machen und erinnert mich von der Stimmung her Abends eher an ein aufgeblasenes Dorffest. Die Tagesangebote für Familien mit Kindern und die paar versteckten Ecken, wo man noch mit den Neustädtern diskutieren kann, gefallen mir am besten. Aber dafür braucht es mMn keine BRN in diesem Ausmaß. In diesem Sinne lieber Neustädter, die BRN ist vorbei, aber vom Uringestank eurer Gäste habt ihr noch ein paar Tage was.

  2. Alex

    Wieder mal eine gelungene BRN und das Trotz des ganzen "Hin und Her" der Stadt. Vielen Dank an die Schwafelrunde.

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