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Montag, 31.12.2012

Bundesagentur-Chef Weise: Arbeitsagenturen müssen besser werden

Der Abbau der Arbeitslosigkeit ist nach drei Boomjahren zum Stillstand gekommen. Noch immer sind fast drei Millionen Menschen ohne Arbeit. Um das zu ändern, müssen sich nach Ansicht von Bundesagentur-Chef Weise auch Arbeitsagenturen mehr ins Zeug legen.

Von Klaus Tscharnke und Elke Richter

Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise.
Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise.

© dpa

Nürnberg. Der Vorstandschef der Bundesagentur für Arbeit, Frank-Jürgen Weise, sieht im Kampf um eine weitere Senkung der Arbeitslosigkeit auch Arbeitsagenturen und Jobcenter stärker gefordert. Keineswegs alle Agenturen leisteten bei der Vermittlung von Jobsuchern das, was er von einer effektiv arbeitenden Agentur erwarte, sagte Weise in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Vergleichsmodelle der Bundesagentur offenbarten immer noch „nicht akzeptable Unterschiede“ zwischen strukturell ähnlichen Arbeitsagenturen und Jobcentern, betonte Weise.

„Die einen haben eine hohe Integration (von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt), weniger Ausgaben pro Kopf und eine kürzere Durchschnitts-Arbeitslosigkeit - und dann gibt es am anderen Ende Welche, die schneiden schlechter ab. Aber ich weiß: Wir können es besser machen“, unterstrich Weise. In einer richtigen Krise sei es kein Problem, Mitarbeiter zu motivieren. „Da machen alle ihren Job.“ In der Phase des abflauenden Job-Booms wie derzeit sei das schwieriger. „Jetzt muss ich sagen: „Strengt Euch an, es wird schwieriger, macht ein bisschen mehr“.“

Die Notwendigkeit einer weiteren Hartz-Reform sieht Weise mit Blick auf die künftigen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt allerdings nicht. Zwar ist seiner Ansicht nach der Effekt der Hartz-Reformen inzwischen weitgehend aufgebraucht. Die Bundesagentur verfüge aber über ein so umfassendes und flexibles arbeitsmarktpolitisches Instrumentarium, dass eine große Systemänderung nicht nötig sei. Vielmehr gehe es darum, kontinuierlich weiter zu arbeiten. Veränderungsprozesse brauchten rund zehn Jahre. Und mit der Umsetzung der Hartz-Reformen sei schließlich erst vor sieben Jahre begonnen worden.

Um künftig auch weniger qualifizierte Arbeitslose in Arbeit zu bringen und damit die Arbeitslosigkeit weiter zu senken, sieht Weise neben den Jobsuchern selbst auch die Unternehmen gefordert. Firmenchefs müssten sich stärker den Wert qualifizierter Arbeitskräfte klar machen. „Mit guten Mitarbeitern lassen sich nicht nur neue Geschäftsfelder erschließen, sondern auch Umsätze erhöhen, sagte Weise. Dazu gehört aber auch, dass Unternehmen ihre Leute selbst qualifizierten. Arbeitslose sollten sich wiederum klar machen: „Bildung und Qualifizierung ist besser als Spielekonsole.“ (dpa)

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