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Bund kürzt Mittel für Islamverband

05.10.2017

t Mittel für Islamverband
Die Ditib unterhält Hunderte türkisch-islamische Gemeindezentren - wie etwa die Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld

© dpa

Berlin. Der Bund kürzt seine Fördermittel für die Türkisch-Islamische Union (Ditib) um rund 80 Prozent. Das geht aus einer der SZ vorliegenden Antwort des Bundesinnenministeriums auf eine Anfrage der Grünen hervor. Die Organisation, die in Deutschland mehr als 900 Moscheen unterhält, bekommt 2018 nur noch knapp 300 000 Euro. Das ist ein Fünftel der Mittel für 2017 und ein Zehntel der Summe von 2016.

Der Schwerpunkt der Projektförderung lag auf Flüchtlingshilfe wie Integrationskursen. Ditib ist der staatlichen türkischen Religionsbehörde Diyanet unterstellt. Der religionspolitische Sprecher der Grünen, Volker Beck, bezeichnet ihn als „aus dem Ausland gesteuert“ und als hörig gegenüber Staatspräsident Erdogan. Ditib-Imame werden in der Türkei ausgebildet. Einige von ihnen hatten vor der türkischen Volksabstimmung zur Verfassungsänderung in Deutschland lebende Türken ausspioniert und unter Druck gesetzt, damit sie für Erdogan votierten. Ebenso organisiert Ditib den Religionsunterricht in den Gemeinden. Auch deshalb fordern die meisten Parteien in Deutschland, die Kooperation mit Ditib und anderen Verbänden wie dem Zentralrat der Muslime generell auf den Prüfstand zu stellen. Ein komplettes Verbot staatlicher Geldzuwendungen an Religionsgemeinschaften aus dem Ausland lehnt die Bundesregierung jedoch als unzulässigen Eingriff in die Religionsfreiheit ab.

In Sachsen unterhält Ditib türkisch-islamische Gemeindezentren bzw. Moscheen unter anderem in Leipzig, Lichtenstein, Freiberg, Aue und Dresden. (SZ/or)