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Dienstag, 29.09.2015

Bürgerwehren trauen neuen Konzepten nicht

Die Sächsische Sicherheitswacht und die neue Wachpolizei sollen Kriminelle fernhalten. Nicht nur in Köbeln fahren Anwohner aber weiter lieber selbst auf Streife.

Von Alexander Buchmann

Gucken schadet ja nicht – und Präsenz zeigen auch nicht. Wie hier auf dem Foto in Ostritz sind in mehreren Orten entlang der Neiße Streifen ins Leben gerufen worden, die für mehr Sicherheit sorgen.
Gucken schadet ja nicht – und Präsenz zeigen auch nicht. Wie hier auf dem Foto in Ostritz sind in mehreren Orten entlang der Neiße Streifen ins Leben gerufen worden, die für mehr Sicherheit sorgen.

© Matthias Weber

Das Sicherheitsbedürfnis in den Gemeinden an der Grenze ist groß. So fahren in Köbeln seit Mai einige Bürger nachts mit ihren Fahrrädern Streife, nachdem es zuvor mehrfach zu Einbrüchen und Diebstählen gekommen ist. Ob sich das durch die von der Landesregierung beschlossene Schaffung einer Wachpolizei ändern wird, bleibt abzuwarten. Der Görlitzer AfD-Landtagsabgeordnete Sebastian Wippel fordert indes eine Stärkung der Sächsischen Sicherheitswacht.

Obwohl zuletzt nichts mehr passiert sei, fahre man in Köbeln immer noch jede Nacht Streife, bestätigt der Köbelner Michael Schlammer. Man wolle aber versuchen, dass es in Zukunft vielleicht weniger werde. Die Polizei sei nach den Vorfällen zwar häufiger in dem Bereich unterwegs, aber trotzdem nicht mehr so präsent wie früher, sagt Schlammer.

„In den letzten Jahren wurde das Budget für die Angehörigen der Sächsischen Sicherheitswacht nie auch nur annähernd ausgeschöpft. Beim freiwilligen Polizeidienst gibt es fast 100 unbesetzte Stellen. In einer Zeit, wo Bürgerwehren wie Pilze aus dem Boden schießen, ist dies absolut unverständlich“, kritisiert Sebastian Wippel die Landesregierung. So gehe aus einer Kleinen Anfrage zu „Kosten und Nutzen der Sächsischen Sicherheitswacht“ hervor, dass diese komplett überaltert sei und nur 505 Freiwillige gefunden worden seien, obwohl 600 Bürger bei der Sicherheitswacht eingestellt werden könnten. Der Freistaat unternehme viel zu wenig, um die Sicherheitswacht attraktiv zu machen und sie intelligent einzusetzen, so der Vorwurf des AfD-Abgeordneten. Es müssten junge Leute für die Polizeiarbeit begeistert und ein deutlicher Schwerpunkt auf die Grenzgemeinden mit hohen Diebstahlraten gelegt werden, so Wippel. „Es wäre auch zu überlegen, ob der zeitliche Rahmen für den Einzelnen kleiner gehalten wird, dafür aber mehr Streifengänger zum Zuge kommen. Das verteilt die Last auf mehrere Schultern und am Ende haben alle etwas davon“, sagt der Abgeordnete.

In der vergangenen Woche ist von CDU und SPD die Einführung einer Wachpolizei mit 550 neuen Stellen beschlossen worden. Das könne allerdings nur eine Übergangslösung sein und langfristig müssten mehr Stellen bei der Landespolizei geschaffen werden, erklärt der Bad Muskauer SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Baum.