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Dienstag, 10.03.2015

Bürgerwehr nach Kneipenzoff

Auf Facebook formiert sich eine Gruppe, die gegen vermeintliche Ausländerkriminalität vorgehen will.

Von Dominique Bielmeier und Peter Anderson

Im „Nachtcafé“ auf der Dresdner Straße in Meißen kam es zu einer Schlägerei zwischen Deutschen und Ausländern.
Im „Nachtcafé“ auf der Dresdner Straße in Meißen kam es zu einer Schlägerei zwischen Deutschen und Ausländern.

© Hübschmann

Meißen. Als Reaktion auf eine Schlägerei zwischen 20 Deutschen und Ausländern am Sonnabendmorgen auf der Dresdner Straße gibt es in Meißen erste Pläne, eine Bürgerwehr zu organisieren. Bereits am 7. März, 8.36 Uhr, wurde dazu eine Seite „Initiative Heimatschutz“ im Online-Netzwerk Facebook erstellt. Zu einem ersten Treffen von Interessenten wird für den Sonnabend, 19 Uhr, eingeladen. „Nun hoffe ich das wir mehr werden und richtig zusammen arbeiten können um unsere eigene Bevölkerung zu schützen egal vor was.“, schreibt Organisatorin Nancy im Original. Wie für die SZ zu erfahren war, handelt es sich dabei um Nancy Schneider aus Meißen. Auf Fragen zu den Zielen der Initiative Heimatschutz erhielt die Meißner Redaktion der Sächsischen Zeitung von Nancy Schneider gestern keine Antwort. Auf ihrem Facebook-Profil zeigt die Meißnerin unter anderem Bilder einer Nazi-Vorzeigefamilie oder die Fotomontage des Gesichts einer jungen Frau, der eine Hand mit Davidstern den Mund zuhält.

Meißner Stadträte nahmen die Nachricht von den Plänen für eine Bürgerwehr mit Besorgnis auf. „Ordnung und Sicherheit müssen von der Polizei und Verwaltung gewährleistet werden“, so FDP-Stadtrat Martin Bahrmann. CDU-Stadtrat Jörg Schlechte kündigte an, mit den Organisatoren den direkten Kontakt zu suchen.

Mehrzweckhalle wird geräumt

Derweil ist nichts Neues zur Schlägerei vom Wochenende bekannt geworden. Der Geschäftsführer des DRK-Kreisverbands Dresden-Land Frank Sipply sagte gestern, das DRK sei nicht darüber informiert worden, ob es sich um Asylbewerber aus den beiden Meißner Einrichtungen handle. Dort gebe es nach wie vor keine Konflikte. In den Erstaufnahmeeinrichtungen am Kynastweg und in der Fachhochschule der sächsischen Verwaltung sind rund um die Uhr je zwei Kollegen vor Ort. „Mit unseren eigenen Kräften können wir das gegenwärtig sehr gut meistern“, so Sipply. Schwierig könne es werden, wenn die Mehrzweckhalle längere Zeit als Asylheim bestehen bliebe. „Es können sich gerne Sozialarbeiter bei uns bewerben, die mithelfen wollen“, sagte Sipply.

Die Sorge des DRK-Chefs scheint unbegründet. Bereits ab heute soll die Mehrzweckhalle wieder geräumt werden, teilte die Landesdirektion Sachsen auf Nachfrage der SZ mit. Die dort lebenden Asylbewerber sollen zurück nach Chemnitz gebracht werden. „Eine erneute Belegung der Mehrzweckhalle ist augenblicklich nicht beabsichtigt, hängt aber natürlich grundsätzlich von der kaum vorhersehbaren weiteren Entwicklung der Asylbewerberzahlen ab“, so Pressesprecher Holm Felber.

Die oft geforderte sofortige Abschiebung von straffällig gewordenen Asylbewerbern „verstößt elementar gegen die Grundsätze des Rechtsstaates, zu denen unter anderem die Durchführung ordentlicher Gerichtsverfahren, der zweifelsfreie Nachweis einer Tatschuld des Einzelnen sowie die Verhältnismäßigkeit von Tat und Strafe gehören“, erklärt Felber. In der Mehrzweckhalle sind nach Informationen der Landesdirektion noch 63 Asylbewerber untergebracht, am Kynastweg noch 96.