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Donnerstag, 05.10.2017

Bürgerräte eröffnen Stadtteilladen

In der Südstadt ist ein neuer Treffpunkt entstanden. Vorbilder gibt es viele – sogar in zwei anderen Südstädten.

Von Ingo Kramer

Uwe Lehmann (l.) und Daniel Breutmann vom Bürgerrat sind stolz auf den neuen Südstadt-Stadtteilladen in der Biesnitzer Straße 30.
Uwe Lehmann (l.) und Daniel Breutmann vom Bürgerrat sind stolz auf den neuen Südstadt-Stadtteilladen in der Biesnitzer Straße 30.

© pawel sosnowski/80studio.net

Das große grüne „S“ an der Schaufensterscheibe der Biesnitzer Straße 30 ist der Hingucker. Eine S-Bahn fährt hier aber nicht und S-Bahn-Tickets verkauft auch niemand. Stattdessen kann das „S“ für alles Mögliche stehen, sagt Daniel Breutmann: „Stadtteilladen, Südstadt – und vor der Tür fährt ja auch die Straßenbahn.“ Breutmann ist einer von derzeit noch sechs Bürgerräten in der Südstadt. Nico Schötz, der Siebente im Bunde, hat aufgehört, weil es für ihn zeitlich nicht mehr zu schaffen war.

Die anderen sechs sind noch dabei und haben jetzt direkt am August-Bebel-Platz einen Stadtteilladen eröffnet. Die Räume wurden jahrzehntelang von der Bäckerei Hiller genutzt, in den 1980er Jahren von einem Sero-Altstoffankauf und nach 1990 als Büroladen. „Ein Stadtteilladen war ein lang gehegter Gedanke“, sagt Bürgerrat Uwe Lehmann: „Wir wollten einen konkreten Anlaufpunkt schaffen.“

Breutmann hat schon in vielen anderen Orten Stadtteilläden gesehen: In Dresden, Berlin, Hannover, auch in der Schweiz. In Köln und Nürnberg gebe es sogar Südstadt-Stadtteilläden. Die hat er aber nur im Internet entdeckt. Teilweise, sagt er, sind die Läden politisch geprägt, teils seien sie richtige Quartierszentren und manchmal sogar Kiezkneipen. „Von Letzteren geht eine schöne Lebendigkeit aus“, sagt er.

Für die Görlitzer Südstadt aber ist all das derzeit noch eine Nummer zu groß. Hier gibt es bisher keine festen Öffnungszeiten, dafür aber viele Ideen. Immer am ersten Mittwoch des Monats tagt der Bürgerrat hier, zudem könnten Treffen, Lesezirkel, Spieleabende, Bastelnachmittage und vieles mehr stattfinden. „Mir schwebt auch eine Fahrradwerkstatt vor, in der sich die Leute einmal pro Monat gegenseitig helfen können“, sagt Lehmann. Nachbarschaftshilfe ist für ihn ohnehin ein wichtiger Punkt: „Wir haben so viele Fähigkeiten im Stadtteil, da wollen wir die Initialzündung geben, um Hilfe und Austausch wieder zur Selbstverständlichkeit zu machen.“

Auch Tagungen und thematische Veranstaltungen soll es geben, im November beispielsweise zu Verkehr und Sicherheitsrisiken in der Südstadt, etwa zu problematischen Überwegen. Dazu sollen auch Verwaltungsmitarbeiter eingeladen werden.

Die Zimmer sind vielfältig und auch separat nutzbar. Gleich der vordere Raum mit dem großen „S“ an der Scheibe enthält nicht nur einen Stehtisch und eine Wand mit historischen Südstadt-Fotos, sondern auch ein erstes kleines Büchertauschregal und eine „Biete-Tausche-Wand“, auf der die Südstadt-Bewohner – wie in einigen Supermärkten üblich – Zettel aufhängen können. Außerdem steht hier das auseinandergebaute Boot, mit dem der Bürgerrat zum Waschtrogpaddeln beim diesjährigen Altstadtfest gestartet war. „Das soll unser Empfangstresen werden“, sagt Breutmann. Sowohl zur Seite als auch nach hinten gehen separat verschließbare Räume ab, in denen jeweils ein großer Tisch und Bierbänke stehen. Zudem gibt es eine kleine Küche, eine Toilette und einen Lagerraum.

Das Problem ist, dass alles im Ehrenamt geschieht – und die sechs Räte dafür nur begrenzt Zeit haben. Zudem ist die Zukunft des Ladens unklar. Die Räte kennen den Hauseigentümer, müssen keine Miete zahlen, sondern nur die Betriebskosten. Die nehmen sie 2017 aus dem Budget, das der Bürgerrat von der Stadt erhält. Das funktioniert aber nur bis Ende 2017. „Ob es im Januar weitergeht, ist offen“, sagt Lehmann. Die Räte wollen es erneut als Projekt beantragen, suchen aber auch nach einer festen Finanzierung. Und sie wollen die Stadt anfragen, den Laden weiterzubetreiben, etwa als eine Art Bürgerbüro, in dem zum Beispiel einmal pro Woche für drei Stunden ein Mitarbeiter der Verwaltung sitzt, um Formulare oder gelbe Säcke auszugeben. Das aber ist alles noch unklar. Verbindlich planen die Räte nur bis Ende Dezember.

Nächster Termin: 18. Oktober, 18 Uhr, Lichtbildervortrag „Die Südstadt in alten Bildern“.

Nächster Bürgerstammtisch am 1. November, 19 Uhr.

www.goerlitz-suedstadt.de/stadtteilladen