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Pirna/Neustadt Samstag, 23.02.2013

Bürgermeister und Kreisräte stellen sich der Wolfs-Diskussion

Weniger Emotion, mehr Information – das ist der Kanon einer internen Gesprächsrunde im Landratsamt.

Von Hartmut Landgraf

Die Debatten um Wölfe ziehen im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge immer weitere Kreise. Am Donnerstag kamen in Pirna rund 20 Bürgermeister und Kreisräte zu einer internen Wolfs-Diskussion im Landratsamt zusammen. Eingeladen hatte Landrat Michael Geisler (CDU). Es habe sich gezeigt, dass es großen Gesprächsbedarf in der einheimischen Bevölkerung gebe, dem man sich stellen wolle, erklärte das Landratsamt den Grund des Treffens.

Laut Einschätzung einiger Teilnehmer soll die Veranstaltung in einer ruhigen und sachlichen Atmosphäre verlaufen sein. Es waren sowohl bekannte Wolfs-Gegner, wie Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten, als auch Wolfs-Befürworter anwesend.

Neustadts Bürgermeister Manfred Elsner (FDP), dessen Kommune die erste im Landkreis ist, in der Wölfe leben, äußerte sich im Nachgang gegenüber der SZ skeptisch zur Ausbreitung der Tiere. Obwohl er persönlich kein Wolfsfreund sei, hoffe er jedoch, dass die Ängste in der Bevölkerung wieder abflachen. Dementsprechend sei Information gut und nötig. Zugleich forderte der Bürgermeister vom Freistaat schnelle und unbürokratische Unterstützung für geschädigte Nutztierhalter. Zu prüfen wäre, ob ein staatlicher Ausgleich für die Mehrarbeit, die Schäfer zum Schutz ihrer Herden leisten müssten, möglich sei.

Auch Elsners Sebnitzer Amtskollege Mike Ruckh (CDU) sieht den Freistaat am Zug. Das Land müsse nun zunächst eine Antwort auf die Unterschriftenaktion in der Sächsischen Schweiz finden. Ruckh, der bei dem Treffen im Landratsamt nicht anwesend war, sagt, er habe noch keine fertige Meinung zu den Wölfen.

In der Lausitz, so berichtet der Rietschener Bürgermeister Ralf Brehmer, seien indessen inzwischen auch viele Wolfsgegner davon überzeugt, dass ein konfliktarmes Nebeneinander von Mensch und Wolf möglich sei. Die Region habe den Wölfen sogar einen Aufschwung im Tourismus zu verdanken. Ebenfalls positiv äußert sich der Gohrischer Bürgermeister Heiko Eggert (parteilos). Die Rückkehr der Wölfe nach Sachsen halte er für eine „natürliche Sache“. Eggert mahnt in der Debatte mehr Bescheidenheit gegenüber der Natur an: „Wir sind Teil der Evolution, aber nicht deren Spitze.“ Auch der Chef des Tourismusvereins Elbsandsteingebirge, Ivo Teichmann, sieht Wölfe entspannter als manch anderer. Nötig sei vor allem eine kluge und intensive Öffentlichkeitsarbeit, um in der Bevölkerung Ängste abzubauen. Aus Kreisen der Touristiker im Verein seien noch keine Bedenken zu ihm gedrungen.