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Mittwoch, 01.09.2010

Brückenbau blockiert Elberadweg bis 2011

Radfahrer sind wütend. In Johannstadt endet der Radweg abrupt vor einem Bauzaun. Die Stadt baut jetzt einen Behelfsweg.

Von Peter Hilbert u. Maria Steimer

Verärgert steht Isabell Sieglin am Sperrzaun vor der Waldschlößchenbrücke in Johannstadt. Die Großzschachwitzerin kommt von der Arbeit aus Pieschen, will ihren Sohn schnell aus der Krippe holen. Doch sie muss einen Umweg fahren. Denn seit einigen Tagen ist hier Endstation. Am Ufer brauchen die Bauarbeiter Platz, um die Stahlbrücke zu errichten. Bis zum kommenden Jahr gibt es nun eine Umleitung vom Fährgarten zum Käthe-Kollwitz-Ufer. Etwa einen Kilometer weiter flussaufwärts führt ein schmaler, unbefestigter Pfad über die Blasewitzer Wiesen zurück zum Elberadweg.

„Das erinnert an DDR-Zeiten. Damals wurden auch ganze Straßen einfach gesperrt“, macht Urs Krüger seinem Ärger Luft. Der Loschwitzer Architekt fährt mit seinem Rad jeden Tag zur Arbeit nach Johannstadt. „Es gibt zwar seit ein paar Wochen ein Umleitungsschild“, sagt der 37-Jährige. „Aber bisher konnte man immer noch durch die Baustelle hindurchfahren.“ Die Umleitung über die Blasewitzer Elbwiese sei total verschlammt und eine Zumutung. „Ich war völlig verdreckt“, schimpft Krüger in Erinnerung an seine letzte Fahrt. Beim gestrigen Regen hat der Radler schließlich entnervt aufgegeben und sich mit seinem Auto in den Stau über das Blaue Wunder eingereiht.

Beim Nordic Walking haben die beiden Johannstädterinnen Erika Wanitzek und Maria Lehmann die Umleitung erkundet. Gestern standen auch die zwei Seniorinnen vor dem Zaun. „Wer sich hier nicht auskennt, sucht erst einmal“, sagt Maria Lehmann. „Die Stadt hätte wenigstens rechtzeitig über die Sperrung informieren können“, kritisiert die 74-Jährige.

Eine andere Möglichkeit als die Sperrung sieht Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz nicht. „Die Notwendigkeit ergibt sich aus technologischen Gründen“, sagt er. Jetzt müssten Stahlteile verschweißt, später ein Damm aufgeschüttet werden, um dann das Mittelteil der Brücke über die Elbe zu schieben. Der Radweg soll deshalb bis 2011 gesperrt bleiben. „Wenn es möglich ist, ihn zeitweise zu öffnen, werden wir es tun“, versichert Koettnitz. Genaue Zeiträume dafür könne er aber nicht nennen.

Für Fahrradkurier Martin Lindner wird die Sperrung eine teure Angelegenheit. „Die einen Kilometer lange Umleitung kostet mich zehn bis 15 Minuten“, sagt der 22-Jährige. „Das ist für mich nicht nur Zeit, sondern auch Geld.“ Die Stadt reagiert nun. Sie hat gestern begonnen, den verschlammten Blasewitzer Weg zur Elbe mit Schotter notdürftig zu befestigen.