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Sonntag, 01.10.2017

Brücke mit Frühwarnsystem

Bevor die „Blechbrücke“ einstürzt, zeigen sich Risse, sagt eine Untersuchung. Sie muss nun verstärkt überwacht werden.

Von Britta Veltzke

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Die Blechbrücke damals und heute: früher eine beliebte Abkürzung zur Arbeit im Stahlwerk, heute Sorgenkind der Stadt.
Die Blechbrücke damals und heute: früher eine beliebte Abkürzung zur Arbeit im Stahlwerk, heute Sorgenkind der Stadt.

© Sebastian Schultz

  • Die Blechbrücke damals und heute: früher eine beliebte Abkürzung zur Arbeit im Stahlwerk, heute Sorgenkind der Stadt.
    Die Blechbrücke damals und heute: früher eine beliebte Abkürzung zur Arbeit im Stahlwerk, heute Sorgenkind der Stadt.
  • Die Blechbrücke damals.
    Die Blechbrücke damals.
  • Christian Nowotny, Stadtrat und Stahlwerker
    Christian Nowotny, Stadtrat und Stahlwerker

Riesa. Die schlechte Nachricht zuerst: Die Fußgängerbrücke über den Bahngleisen könnte in den nächsten Jahren zusammenbrechen. Die Gute: Bevor das passiert, werden sich Risse an der im Volksmund genannten Blechbrücke zeigen. Das hat eine statische Berechnung ergeben, die die Stadtverwaltung beauftragt hat. Im Nachgang teilte das Rathaus mit: „Im Ergebnis dieser Untersuchung konnte festgestellt werden, dass sich ein sukzessiver Spannstahlausfall durch Rissbildung am Bauwerk anzeigt und sich somit ein drohender Biegebruch rechtzeitig ankündigt (Riss vor Bruch).“ Eine akute Gefahr bestehe nicht.

Mit einer Portion Sarkasmus könnte man sagen: Die Brücke hat ihr eigenes Frühwarnsystem. Bis zum geplanten Abriss muss das Bauwerk laut Stadtverwaltung nun „verstärkt überwacht werden“. Darum kümmere sich ein Ingenieurbüro. Und was, wenn die Mitarbeiter eines Tages Risse entdecken? „Dann muss man rasch über mögliche Sperrungen der Bahnanlagen und einen schnellen Abriss entscheiden“, sagt Stadtsprecher Uwe Päsler.

Eigentlich soll die Brücke erst im Jahr 2020 fallen. Die Stadt muss jetzt aber schon beginnen, sich bei der Deutschen Bahn um einen Termin für den Abriss zu bemühen. Bei den Verhandlungen wird es auch um Kosten gehen. Der Abriss wird nicht allein wegen der Bauweise und der immensen Länge der Brücke von genau 107 Metern kompliziert, sondern auch, weil die Querung alle Strecken überspannt, die am Eisenbahnknoten Riesa zusammenlaufen – inklusive der Hauptstrecke zwischen Leipzig und Dresden mit ihren Fernverkehrszügen.

Bei laufendem Verkehr werden die Abrissarbeiten kaum vonstatten gehen können. Dazu kommt die Schwierigkeit, dass die Brücke der Belastung schwerer Maschinen nicht standhält, sodass auch keine Baufahrzeuge darauf fahren können. Laut Stadtsprecher Uwe Päsler sollen bei den Kontrollen im Jahr 2018 auch neue Abrisstechnologien geprüft werden. „Also eine Prüfung verschiedener Varianten, wie der recht komplizierte Abbruch der Brücke unter Beachtung der Bahnanlagen technisch machbar ist“, erläutert er.

Schätzungen zufolge ist der Abriss der Brücke mit zwei Millionen Euro kurzfristig gesehen teurer als eine komplette Sanierung. Weil die regelmäßigen Brückenprüfungen und weitere Instandhaltungsmaßnahmen in der Zukunft aber wegfallen, kämen nach dem Abriss nie wieder Kosten auf die Stadt zu.

Obwohl Stadtrat Christian Nowotny (parteilos/Fraktion Die Linke) die Brücke als Stahlarbeiter früher häufig auf dem Weg zur Arbeit genutzt hat, hält sich seine Wehmut in Grenzen. „Turnusmäßig muss jede Brücke geprüft werden. Dabei ergaben sich bauliche Mängel.“ Wegen der geringen Frequentierung habe man sich eben für einen ersatzlosen Abriss entschlossen. „Zählungen haben ergeben, dass die Brücke nur noch von wenigen Radfahrern und Fußgängern passiert wurde.“

Im Februar 2015 hatte sich eine Stadtratsmehrheit für den Abriss ausgesprochen. Damit bis dahin kein Beton auf die Schienen bröselt, wurden bereits Notsicherungsmaßnahmen für rund 300 000 Euro vorgenommen: So wurde die Querung für den Fußgänger- und Fahrradverkehr gesperrt, zudem umspannen grüne Netze den maroden Beton.