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Samstag, 20.02.2016

BRN-Pläne der Stadt sorgen für Ärger

Das Dresdner Ordnungsamt will in diesem Jahr bis zu 40 Prozent der Stände bei der Bunten Republik Neustadt streichen. Das stößt jedoch nur auf wenig Gegenliebe.

Von Sarah Grundmann

Tausende Menschen tummeln sich zur BRN an der Ecke Rothenburger/Görlitzer/Louisenstraße. Weil das zu gefährlich ist, will die Stadt das sogenannte Bermudadreieck nun entschärfen.
Tausende Menschen tummeln sich zur BRN an der Ecke Rothenburger/Görlitzer/Louisenstraße. Weil das zu gefährlich ist, will die Stadt das sogenannte Bermudadreieck nun entschärfen.

© dpa

Am dritten Juniwochenende strömen jedes Jahr Menschenmassen durch die Äußere Neustadt. Die jährlich rund 150 000 Besucher der Bunten Republik Neustadt (BRN) drängen sich dicht an dicht an etlichen Bühnen und Bierständen vorbei. Doch 2016 soll sich so einiges ändern. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte das Ordnungsamt dem Ortsbeirat Neustadt erklärt, dass auf der BRN teilweise Lebensgefahr herrscht. Das ist das Ergebnis einer Sicherheitsanalyse, die während der Festtage von der Agentur Schröder, die auch das Dresdner Stadtfest organisiert, durchgeführt wurde. Mit der Schwafelrunde, die seit einigen Jahren ehrenamtlich zwischen den Händlern und Anwohnern vermittelt und Ortsamtsleiter André Barth hat das Ordnungsamt schon über etwaige Maßnahmen gesprochen. Diese sollen am Montagabend auch im Neustädter Ortsbeirat vorgestellt werden.

So plant die Stadt, bis zu 40 Prozent der Standflächen zu streichen. So sollen zum Beispiel auf der Louisen-, Alaun- und der Böhmischen Straße an besonders engen Stellen nur noch einseitig Stände und Bühnen aufgebaut werden. Denkbar sei es auch, auf der Seiffhennersdorfer sowie Teilen der Martin-Luther- und der Pulsnitzer Straße gar keine Aufbauten mehr zuzulassen. Entschärft werden soll auch die besonders kritische Kreuzung Görlitzer/Rothenburger/Louisenstraße. Doch die Pläne der Stadt stoßen nicht gerade auf Zuspruch.

Zwar räumt Stadtrat und Schwafelrunden-Mitglied Torsten Schulze (Grüne) ein, dass die Analyse ein Schritt in die richtige Richtung ist. „Aber die einseitige Bebauung ist für mich das falsche Fazit“, sagt er. Dass gefährliche Kreuzungsbereiche freigehalten werden, verstehe er. Das sei durchaus sinnvoll und wird bei etlichen Großveranstaltungen so gehandhabt. „Aber ein so massiver Eingriff in die Louisen- und andere Straßen geht zu weit“, so Schulze. „Das ist auch nicht mit dem Gleichbehandlungsgrundsatz vereinbar.“ Schließlich werden die Händler der einen Seite bevorzugt. Selbst wenn – wie die Stadt vorschlägt – jedes Jahr getauscht wird, geht den Gewerbetreibenden ein Jahr lang ein wichtiges Umsatzwochenende flöten.

Und auch viele Anwohner können die Pläne der Stadt nicht wirklich nachvollziehen. „Ich weiß nicht, ob die Stadt hier mal wieder andere Interessen vertritt als diejenigen, die hier wohnen“, sagt Sebastian Scheler. Auch der junge Neustädter Herrmann Skabovskis, der bislang gerne zu dem Fest ging, ist nicht begeistert, als er von der „neuen BRN“ hört. „Das ist natürlich erst mal schlecht“, so der Neustädter. „Jetzt kommt es natürlich darauf an, wie das Programm eingeschränkt wird. Welche Stände wegfallen und welche bleiben.“

Doch das kann auch die Stadt nicht wirklich sagen. Denn die Stände werden anhand der sogenannten Sondernutzungsregelung vergeben. Einzige Voraussetzung: Man muss in der Neustadt wohnen oder sein Geschäft haben. Nach Inhalt wird nicht sortiert. Trotzdem finden sich in der Neustadt auch Befürworter der Pläne. „Ich habe mal auf der BRN im Kiezclub gearbeitet“, sagt Studentin Vivien Ripplinger, die seit dreieinhalb Jahren in Dresden wohnt. Von der Haltestelle auf der Görlitzer Straße bis zum Stand hat sie mitunter 40 Minuten gebraucht – obwohl die Station nur wenige Hunderte Meter vom Klub auf der Louisenstraße entfernt ist. „Da kann man sich vorstellen, wie viele Leute da waren und wie gefährlich das ist“, so Ripplinger. „Ich glaube einfach, dass es für die Sicherheit der Menschen, die zur BRN gehen, besser ist.“

Schulzes Gegenvorschlag: Von großen Einschränkungen sollte abgesehen werden. Stattdessen fordert der Stadtrat mehr Kontrollen. Auch eine Vergrößerung des Festgebietes würde seiner Meinung nach für Entlastung sorgen. Schulze hofft nun, dass sich möglichst viele Neustädter an der öffentlichen Sitzung beteiligen. Außerdem hat er das Ordnungsamt aufgefordert, schnell eine größere Bürgerversammlung zu dem Thema zu veranstalten. Auch Stadträtin Jacqueline Muth findet, dass es ohne Beteiligung der Anwohner nicht geht. „Die BRN ist aus dem Stadtteil heraus entstanden und mit dem Engagement der Anwohnerinnen und Anwohner gewachsen. Das Konzept der BRN ohne Beteiligung dieser nun zu verändern, halte ich für skandalös.“

Die Sitzung findet am 22. Februar ab 17.30 Uhr im Bürgersaal auf der Hoyerswerdaer Straße 3 statt.