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Dienstag, 21.03.2017

Brasilien exportiert seit Jahren Gammelfleisch

Die Polizei nahm Dutzende Verdächtige fest, darunter mehrere Behördenmitarbeiter.

Der brasilianische Präsident lud am Sonntag Botschafter aus verschiedenen Ländern in eine Churrascaria ein, wo es gegrilltes Fleisch gab.
Der brasilianische Präsident lud am Sonntag Botschafter aus verschiedenen Ländern in eine Churrascaria ein, wo es gegrilltes Fleisch gab.

© dpa

Ein Gammelfleischskandal erschüttert den größten Fleischexporteur der Welt, Brasilien. Bisher wurden rund 20 Personen festgenommen. Sie sollen den Verkauf großer Mengen Gammelfleischs, das mit noch haltbarem Fleisch vermischt worden war, organisiert haben. Betroffen ist unter anderem der weltweit größte Fleischproduzent JBS.

33 Lebensmittelkontrolleure wurden bisher aus ihrem Amt entlassen. Wie das Agrarministerium mitteilte, wurden drei Produktionsstätten geschlossen und 21 Betriebe unter Sonderbeobachtung gestellt.

Was die Behörden herausfanden, spottet jeder Beschreibung: Nach Erkenntnissen der Bundespolizei haben mehrere Betriebe mit Wasserspritzen das Gewicht von Fleischstücken erhöht, Wurstprodukte mit Pappmaché gestreckt und bereits verdorbenes, übelriechendes Fleisch mit krebserzeugenden Substanzen behandelt. Zudem sollen sogar Schweineköpfe zu Wurst verarbeitet worden sein, berichtete das Portal „O Globo“. Ob und welche Mengen davon auch in den Export gegangen sind, war zunächst noch unklar. Die Europäische Union, China und die USA verlangten dazu Informationen.

Präsident Michel Temer, der sich nun um die Branche in seinem Land sorgt, sieht im jüngsten Skandal um verdorbenes Fleisch keine Gefährdung für Konsumenten im In- und Ausland. Das Ministerium betonte, man habe ein strenges Kontrollsystem für insgesamt 4 837 Produktionsstätten, die den Export von Fleisch in über 160 Länder abwickeln. Der Export bringt jedes Jahr mehr als 14 Milliarden Dollar (13 Milliarden Euro) ein. Nach langen Diskussionen hatten auch die USA im Juli 2016 ihren Markt für brasilianisches Fleisch geöffnet. Die Regierung von Präsident Temer setzt auf einen Ausbau der Landwirtschaft, außer Fleisch exportiert Brasilien riesige Mengen Soja für Tierfutter.

Temer kam mit mehreren Ministern zu Krisensitzungen zusammen. Die Bundespolizei war dem Skandal durch abgehörte Telefonate auf die Spur gekommen. Die Ermittlungen an sich ins Rollen brachte ein Inspekteur, der sich der Bestechung verweigerte.

Rund 1 100 Polizisten seien an den landesweiten Untersuchungen beteiligt. Unüblich für die Regierung: Sie veröffentlichte ihre Handlungspläne auch in Englisch und Spanisch. Temer soll wegen der Konsequenzen für das wichtige Exportgeschäft sehr beunruhigt sein. (dpa)