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Freitag, 19.02.2016

Brandanschlag auf Löbauer Flüchtlingsheim

Auf die Unterkunft in der Georgewitzer Straße sind Molotowcocktails geworfen worden. Ein 16-Jähriger gesteht.

Das Asylbewerberheim Löbau.
Das Asylbewerberheim Löbau.

© Archivfoto: Matthias Weber

Löbau. In Löbaus Flüchtlingsunterkunft an der Georgewitzer Straße ist am Freitagmorgen nicht viel los. Einzelne Bewohner strecken lediglich ihre Köpfe aus den Fenstern, um eine Zigarette zu rauchen. Sonst ist niemand zu sehen. Liegt es vielleicht an dem Vorfall von Donnerstagnacht? Haben die Bewohner deswegen Angst, einen Schritt vor die Tür zu machen?

Anschläge von Asylgegnern auf das Löbauer Heim haben sich bis zu jenem Donnerstag noch nie ereignet. Verantwortlich für die Ereignisse: zwei junge Männer. Der eine 16 Jahre alt, der andere zehn Jahre älter. Laut Polizeidirektion Görlitz haben sich die beiden in alkoholisiertem Zustand, bewaffnet mit zwei selbst gebauten Molotowcocktails, auf den Weg in Richtung Unterkunft an der Georgewitzer Straße gemacht. Die Molotowcocktails schleudern sie wenig später gegen die Eingangstür der Unterkunft und gegen ein Fenster im Erdgeschoss. Eine Flasche geht dabei in Flammen auf und muss, vom in Aufruhr versetzten Wachdienst des Heims, gelöscht werden. Die Flamme der anderen Flasche erlischt von allein. Die beteiligten Personen nehmen dabei keinen Schaden. Die beiden Täter flüchten sich währenddessen in die Dunkelheit. Geistesgegenwärtig nimmt ein Mitarbeiter des Wachschutzes die Verfolgung auf und erkennt dabei den 26-Jährigen und alarmiert die Polizei. So beschreibt Frank Schütze, Sprecher der Asyl-Betreuungs- und Beherbergungsgesellschaft, welche das Löbauer Heim betreibt, das Handeln des Wachdienstes. Wenige Minuten nach dem Anruf des Sicherheitspersonals nehmen die gerufenen Beamten die jungen Männer im Löbauer Stadtgebiet vorläufig fest. „Der 26-Jährige ist der Polizei wegen verschiedener Delikte einschlägig bekannt“, sagt Thomas Knaup von der Polizeidirektion Görlitz. Außerdem werde der Täter dem rechten Spektrum zugeordnet.

Die Polizei informiert zusätzlich darüber, dass es eine Vorgeschichte zur Tat gegeben haben soll. Denn bereits am Donnerstagnachmittag ist es zu einem lautstarken Wortwechsel zwischen Asylsuchenden und zwei jungen Männern auf dem Löbauer Marktplatz gekommen. „Bei den Beteiligten hat es sich um eine Gruppe Albaner und um die beiden 16- und 26 Jährigen gehandelt“, so Thomas Knaup. Die Auseinandersetzung habe allerdings keinen strafrechtlichen Hintergrund. „Das war eine Situation, wie sie auch auf jedem Volksfest passieren kann. Unabhängig von Nationalitäten“, sagt Knaup.

Trotz der Ereignisse an der Löbauer Flüchtlingsunterkunft wird die Polizei an ihrer täglichen Streifenarbeit nichts verändern. „Der Anschlag war ein Einzelfall und es besteht keine weitere Gefährdung für das Heim“, so der Polizeisprecher. Und auch die Betreibergesellschaft will nicht an ihrem Konzept rütteln. „Es ist nicht notwendig. Unsere Sicherheitsmaßnahmen haben sich bewährt“, sagt Frank Schütze. Dazu gehöre unter anderem das schnelle Eingreifen des Wachdienstes, der die Einrichtung rund um die Uhr betreut. Schütze hofft, dass es nun bei dem einen Vorfall bleibt. „Wer Fragen hat oder mit dem Verhalten der Bewohner unzufrieden ist, kann sich bei uns melden“, sagt der Sprecher des Unternehmens, das in Sachsen und Mitteldeutschland insgesamt 20 Flüchtlingsunterkünfte betreibt. Sich zu informieren und Hinweise geben, sei besser, als etwas auf eigene Faust zu unternehmen.

Der Landkreis Görlitz ist ebenfalls erleichtert darüber, das bei dem Anschlag niemand zu Schaden gekommen ist. Das Handeln des Wachpersonals habe Schlimmeres verhindert, teilt Sprecherin Marina Michel mit. Zum Tatzeitpunkt haben sich 305 Personen in der Löbauer Gemeinschaftsunterkunft aufgehalten. Davon 81 Personen in Familien, neun Frauen und 215 einzelne Männer aus Syrien, Indien, Afghanistan, dem Libanon und Pakistan.

Den Sachschaden am Gebäude beziffern Landkreis und Polizei auf wenige Hundert Euro. Das Dezernat Staatsschutz der Kriminalpolizei Görlitz ermittelt gegen die jungen Männer wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung. Noch am Freitag sind die beiden dem Haftrichter vorgeführt worden. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft Görlitz mit.

Der 16-Jährige hat seine Tatbeteiligung bereits eingeräumt und ein Geständnis abgelegt. Der zuständige Richter hat gegen die Männer Haftbefehl erlassen. Laut einer Pressemitteilung sind beide an eine Justizvollzugsanstalt überstellt worden. Die Taten können mit einer Freiheitsstrafe von einem bis 15 Jahren geahndet, der Versuch milder bestraft werden. Für den 16-Jährigen kommt außerdem das Jugendgerichtsgesetz infrage. Das sieht eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zehn Jahren vor.