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Freitag, 18.05.2018

BND soll Probe von Nervengift Nowitschok beschafft haben

Der Auslandsgeheimdienst ist offenbar durch einen Überläufer aus Russland an den chemischen Kampfstoff gekommen. Der Ablauf soll rekonstruiert werden.

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Britsche Ermittler in Schutzanzügen suchen nach der Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und seiner Tochter nach Spuren. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden.
Britsche Ermittler in Schutzanzügen suchen nach der Vergiftung des Ex-Doppelagenten Skripal und seiner Tochter nach Spuren. Beide waren am 4. März bewusstlos auf einer Parkbank in Salisbury entdeckt worden.

© dpa

Berlin/München. Seit zwei Monaten rätseln Ermittler, wer den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter mit dem Kampfstoff Nowitschok in England vergiftet hat. Weil die Substanz einst in der Sowjetunion entwickelt wurde, richten sich die Vorwürfe des Westens gegen Russland. Nun wollen Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR gemeinsam mit der Wochenzeitung Die Zeit herausgefunden haben, dass sich auch die Bundesrepublik Mitte der 90er-Jahre eine Probe des Nervengifts verschafft habe.

Der Auslandsgeheimdienst BND sei durch einen Überläufer aus Russland an den gefährlichen chemischen Kampfstoff gekommen. Auch die Bundeswehr sei in den Vorgang eingebunden gewesen, berichten die Medien unter Berufung auf Personen, die an der Entscheidung beteiligt gewesen seien. Die Bundesregierung und der BND erklärten den Zeitungen und den Sendern auf Anfrage, zu „nachrichtendienstlichen Angelegenheiten grundsätzlich nur die geheim tagenden Gremien des Deutschen Bundestages“ zu informieren.

Skripal und seine Tochter Julia waren Anfang März im südenglischen Salisbury vergiftet worden. Großbritannien geht davon aus, dass dabei ein Stoff aus der Nowitschok-Klasse verwendet wurde, und macht Russland für den Anschlag verantwortlich. Die Kampfstoffe der Nowitschok-Gruppe waren in der Sowjetunion entwickelt worden. Der Kreml weist die Vorwürfe zurück und verweist darauf, dass das Gift, mit dem die Skripals angegriffen wurden, in mehreren Ländern hätte produziert werden können. So hatte Tschechiens Präsident Milos Zeman zugegeben, dass auch in seinem Land vor wenigen Monaten mit einer Nowitschok-Variante experimentiert wurde.

Laut den beiden Zeitungen und den beiden Sendern war die damalige BND-Operation innerhalb der Bundesregierung umstritten. „Wir wollten auf keinen Fall den Eindruck erwecken, als würden wir uns selbst für solche Chemiewaffen interessieren“, wird eine mit den damaligen Diskussionen vertraute Person zitiert. Mit Wissen von Kanzleramt und Verteidigungsministerium sei die Probe in einem schwedischen Labor analysiert worden. Was aus der Probe wurde, ist unklar. Die heutige Bundesregierung bemühe sich nun, den Vorgang zu rekonstruieren. (dpa)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 19 Kommentare

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  1. Dresdner45

    Es ist nur einigen Russlandhassern nicht bekannt gewesen, das auch viele der uns „befreundeten“ Staaten über dieses Nervengift Nowitschok selbst Bescheid wussten und auch in Besitz der Zusammenstellung waren. In unmittelbar Nähe, wo die ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal vergiftet worden sein sollen (obwohl sie noch leben!), ist ein Chemielabor des englischen Geheimdienstes. Was „wirklich“ passiert war, wissen nur die „Macher“ dieser Aktion. Die Wahrheit bleibt immer mehr auf der Strecke!

  2. Manfred Hengst

    Und warum wundert mich das nicht. Es ist doch ohnehin bekannt das an westliche Geheimdienste vieles aus der alten SU verscherbelt wurde.

  3. Peter

    Von einem nicht Russlandhasser (was ist bei Ihnen eigentlich falsch gelaufen, dass Sie Dresdner45 alle kritischen Menschen als Russlandhasser bezeichnen?) möchte ich kurz darauf hinweisen, dass Russland vor kurzem behauptet hat, dass es niemals Nowitschok gehabt hat, wie kann es dann der BND bekommen haben?. Aber lügen gehört nun mal zum Geschäft der russischen Regierung. Aber schauen Sie ruhig weiter RT und fragen sich bitte ja nicht, warum es nur die russischen Exagenten sind, die da bei Anschlägen sterben. Warum nur diese?

  4. Steinhardt

    Wieder nur Vermutungen und Verdächtigungen ? Wann endlich stützen sich die "Qualitätsmedien" mal auf Fakten ? Stänkern kann schließlich jeder. Aus Wichtigtuerei stützt man sich dann noch angeblich auf Geheimdienste, dort kann so und so kaum jemand recherchieren.

  5. kein RT-Seher

    @3: sie sind ja eben nicht gestorben. Das kann man fast schon als Beweis sehen, daß der russische Geheimdienst nicht aktiv war. So viel Dilletantismus läßt eher auf eine Beteiligung des BND schließen, der ja nun offensichtlich das Zeug auch hat(te)...

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