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Dienstag, 21.02.2017

Bildgebende Verfahren: Der Ultraschall (Sonografie)

Schonende Wellen ermöglichen detaillierte Blicke ins Körperinnere. Nicht nur Gynäkologen nutzen dieses Verfahren der Bildgebung.

Dr. Sven Pannach und die Ärztin Nicole Kampfrath bei einer Bauchsonografie
Dr. Sven Pannach und die Ärztin Nicole Kampfrath bei einer Bauchsonografie

© Foto: Uniklinik

Wer kennt sie nicht, die etwas verwaschen wirkenden schwarz-weißen Bilder in der Form eines Kaffeefilters? Viele Menschen verbinden mit den auf dünnem Papier in der Größe von Sofortbildern ausgedruckten Aufnahmen die frohe Kunde, dass im Mutterleib ein Baby heranwächst. Möglich wird der detaillierte Blick in den Körper durch Ultraschall-Wellen. Frauenärzte nutzen diese moderne und sehr schonende Methode unter anderem, um Schwangere und ihre Babys zu untersuchen. Denn im Gegensatz zu Röntgenuntersuchungen kommt der Ultraschall ohne potenziell gefährdende Strahlenbelastung aus.

Doch nicht nur Gynäkologen nutzen deshalb diese Form der Bildgebung. Auch Gefäße, das Herz und nahezu alle inneren Organe lassen sich mit dem Ultraschall präzise untersuchen. Die Sonografie ist zudem gut geeignet, um kleine Eingriffe so präzise wie möglich vorzunehmen. Anästhesisten zum Beispiel suchen mit Ultraschall nach der Lage wichtiger Nerven, um sie gezielt für eine Operation auszuschalten. Darüber hinaus können unter Ultraschallsteuerung punktgenau Drainagen in ein Organ eingebracht oder Gewebeproben entnommen werden.

Form, Lage und Zustand innerer Organe können überprüft werden

„Nach der klassischen körperlichen Untersuchung, bei der ein Arzt den Patienten abhorcht, abklopft und abtastet, ist die Sonografie oft ein nächster Schritt, um den Zustand der inneren Organe zu überprüfen“, sagt Dr. Sven Pannach aus der Medizinischen  Klinik  I des Dresdner Uniklinikums. Beim sogenannten Schallen bleibe der direkte Kontakt zum Arzt bestehen, nennt der Internist einen weiteren Vorteil des Ultraschalls. Der auf das Schallen spezialisierte Mediziner klärt unter anderem die Ursachen von Bauchschmerzen ab. Dazu fährt er mit dem handlichen Kopf des Geräts von außen den Bauchraum ab und untersucht Organ für Organ. Dr. Pannach schaut sich Form, Lage sowie Struktur an. So kann er sehen, ob sich beispielsweise Gallenflüssigkeit aufstaut oder ob eine Entzündung ein Organ anschwellen lässt.

Während der Sonografie spricht der untersuchende Arzt mit dem Patienten. Auf diese Weise hat er die Möglichkeit, Details zu den Symptomen und der Krankengeschichte zu erfahren. Parallel zum Bild, das ihm das Gerät liefert, kann der Arzt Laborwerte und andere medizinische Daten abfragen. Daraus ergibt sich häufig eine erste Diagnose, die der Untersucher seinem Patienten gleich erläutern kann. Auch dadurch grenzt sich die Sonografie von anderen Formen der Bildgebung (CT oder MRT) ab, bei denen der Befund beziehungsweise die Diagnose in der Regel erst später übermittelt werden.

Das Ultraschallgerät liefert Schnittbilder durch den Körper. Mit Drehen und Neigen des Schallkopfs kann der Untersuchende die einzelnen Organe abfahren und so nach Auffälligkeiten suchen. Dazu benötigt der Arzt einen großen Erfahrungsschatz. In der Regel absolvieren Ärzte mehrere Kurse, um mit dem Gerät Patienten in der nötigen Qualität untersuchen zu können und die dabei entstehenden Bilder richtig zu interpretieren. „Die Stärken des Ultraschalls lassen sich nur nutzen, wenn der Untersucher die Methode wirklich beherrscht“, sagt Dr. Pannach, der Ärzte in die Untersuchungstechnik des Ultraschalls einweist.

Auch Krebs- sowie Patienten mit Darmerkrankungen profitieren von der Methode

Da vom Ultraschall keine Strahlenbelastung ausgeht, profitieren von diesem Bildgebungsverfahren insbesondere Patienten, deren Organe regelmäßig im Rahmen von Krebsnachsorgeprogrammen untersucht werden müssen. Deshalb fahndet Dr. Pannach im Rahmen
der Krebsnachsorge regelmäßig nach Metastasen oder neu auftretenden Tumoren.

Um jedoch auch mit dem Ultraschall zuverlässige Hinweise auf einen Tumor oder auf Metastasen zu bekommen, müssen die Internisten Kontrastmittel in den Kreislauf einschleusen. Anders als bei den Röntgenuntersuchungen belastet diese Methode die Nieren nicht, denn die Mediziner nutzen für diese Untersuchung spezielle „Gasbläschen“, die innerhalb einer Viertelstunde wieder abgeatmet werden: Da
sich das Durchblutungsverhalten von Tumoren und Metastasen in der Regel von dem der Organe unterscheidet, können diese Befunde zuverlässig auf dem Monitor sichtbar gemacht werden.

Patienten, die unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn leiden, profitieren ebenfalls vom Ultraschall: Um zu sehen, wie sich die Entzündungen der Darmschleimhaut entwickeln und wie Medikamente dagegen anschlagen, greifen die Ärzte in der Regel auf Endoskope zurück. Doch die Darmspiegelung ist insbesondere für diese Patienten eine belastende Untersuchung. Deshalb ist der Ultraschall für Verlaufskontrollen eine gute wie schonende Alternative. Ein weiterer Vorteil aller Ultraschalluntersuchungen sind die dabei anfallenden Kosten, die deutlich unter denen der anderen Bildgebungsmethoden liegen. Holger Ostermeyer