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Samstag, 13.01.2018

Biber auf dem Vormarsch

Die Nager werden sogar schon vom Löbauer Wasser gemeldet. Reichenbach richtet jetzt ein Bibermanagement ein.

Von Constanze Junghanß

Bei Ludwigsdorf nördlich der Autobahn sind die Fraßspuren der Biber deutlich zu erkennen. Eine mehrstämmige Stieleiche wurde vor knapp zwei Jahren so kräftig angenagt.
Bei Ludwigsdorf nördlich der Autobahn sind die Fraßspuren der Biber deutlich zu erkennen. Eine mehrstämmige Stieleiche wurde vor knapp zwei Jahren so kräftig angenagt.

© LPV

Löbau-Zittau. Ganz aktuell sind sie am Löbauer Wasser gesichtet worden, im südlichen Bereich. Auch beim Ort Wasserkretscham wurden welche entdeckt. Die Rede ist von Bibern. Sichtungen zu den Tieren wurden dem Landschaftspflegeverband Oberlausitz auch vom Landwasser Oderwitz gemeldet. „Dort konnte der Biber aber noch nicht nachgewiesen werden“, sagt der Kreisnaturschutzbeauftragte Kay Sbrzesny. Auch im Süden von Ostritz, bei Hirschfelde und Draußendorf bei Zittau, ist der Biber aufgetaucht. Und an immer mehr Orten im Landkreis scheint das Tier auf dem Vormarsch zu sein.

Einen Biber hat Martin Hennersdorf aus Nieder Seifersdorf zwar nicht gesehen – dafür aber einen schräg abgenagten Baumstumpf und drum herum ein Haufen Späne. Welcher „Holzfäller“ da am Werk war, fragte er sich, als er die markanten Fraßspuren kürzlich beim Spaziergang mit der Familie am Schwarzen Schöps entdeckte. Er griff zum Fotoapparat und schickte das Bild an Kay Sbrzesny. Lange überlegen musste der Mitarbeiter vom Landschaftspflegeverband Oberlausitz jedenfalls nicht. „Das war eindeutig ein Biber“, stellt er fest. Ob sich ein Biber auch tatsächlich am Schwarzen Schöps langfristig ansiedelt, bleibt offen. Denkbar jedenfalls wäre das, so der Kreisnaturschutzbeauftragte. Denn das zweitgrößte Nagetier der Erde siedelt sich immer öfter in der hiesigen Region an.

Eigentlich war der Biber – ebenso wie der Wolf – lange Zeit verschwunden. Vor rund 210 Jahren wurde der letzte Nager bei Leschwitz, heute Görlitz-Weinhübel, gesichtet. 1999 kam er wieder. Entdeckt wurde das erste Bibertier zu diesem Zeitpunkt bei Zodel. „Vermutlich erfolgte die Einwanderung der Tiere über die Oder, die Lausitzer Neiße und die Spree“, so der Ökologe. Seitdem gebe es eine stetige Ausbreitung entlang der Neiße und ihren Nebenflüssen. Was den Naturschutz freut, ist für manche allerdings ein Problem. „Biber bauen Dämme“, sagt Kay Sbrzesny. Damit stauen sie Wasser an. Nutzflächen von Land- und Forstwirtschaft können überfluten und der Grundwasserstand steigen. Da Biber Vegetarier sind, verschmähen sie auch die eine oder andere Feldfrucht in Gewässernähe nicht. Und auf wenig Gegenliebe stoßen ihre Aktivitäten auch dann, wenn Obst- und Ziergehölze den scharfen Zähnen zum Opfer fallen.

Es gibt sogar eine Stelle beim Kreis, die sich in solchen Fällen unter anderem mit der Regulierung von Schadensersatzansprüchen beschäftigt. Beim Landschaftspflegeverband in Reichenbach entsteht ein Bibermanagement, wie Verbands-Geschäftsführerin Katrin Appold gegenüber der SZ bestätigt. „Voraussichtlich im Frühjahr starten wir“, sagt sie. Gefördert werde das vorerst dreijährige Management vom Freistaat über EU-Mittel. Bei dieser Stelle sollen unter anderem Sichtmeldungen aufgenommen, Informationen gebündelt und zwischen Kommunen, Bürgern, Ämtern und Landwirten vermittelt werden.

Der Landschaftspflegeverband beschäftigt sich schon länger intensiv mit der Thematik. So führt er beispielsweise „Biberwanderungen“ durch und konnte fünf ehrenamtliche „Biberbetreuer“ für den Naturschutz gewinnen. Zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde vom Kreis brachte der Verband vor zwei Jahren die erste Broschüre zum Biber heraus. Über Schadensminimierung und bibersichere Baumschutzmaßnahmen ist da ebenso zu lesen wie über Schutzstatus und Lebensweise der bis zu 1,20 Meter großen Säugetiere. Die 1 000 Exemplare waren schnell vergriffen, wie Sbrzesny bestätigt. 2017 erschien deshalb eine Neuausgabe, in der zu den bisherigen noch weitere Verbreitungsgebiete ergänzt wurden. Zwar gibt es keine konkreten Zahlen, wie viele Biber tatsächlich in der Region heimisch sind. Nach aktuellem Stand wurden jedoch etwa 200 Biberreviere im Kreisgebiet nachgewiesen. „Pro Revier kann es sich dabei um ein Einzeltier, ein Paar oder eine Familie mit Jungtieren handeln“, erklärt Kay Sbrzesny den Grund, weshalb man die Population nicht in genaue Zahlen fassen kann.

Die Tiere unterliegen einem strengen Schutz nach dem Bundesnaturschutzgesetz. Biberbau und Biberdämme dürfen nicht so ohne Weiteres rückgebaut werden. Dazu braucht es eine Genehmigung. Einfangen und Töten ist sowieso verboten. Vor zwei Jahren geriet ein Biber in Görlitz selbst in die Schlagzeilen. Der hatte sich aus unbekannten Gründen allein in eine missliche Lage gebracht. Das Tier steckte im Geländer der Altstadtbrücke fest. Polizei und Mitarbeiter von der Wildtierauffangstation vom Tierpark Görlitz eilten zur Rettung. Eine Mitarbeiterin konnte den Biber befreien und unverletzt in die Neiße entlassen.