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Mittwoch, 27.01.2016

Berlin weist Lawrows Vorwurf zurück

Die Emotionen kochen noch immer hoch. Die angebliche Entführung und Vergewaltigung einer 13-Jährigen in Berlin ist zum Politikum geworden. Die Aufklärung des Falls scheint schwierig.

Hunderte von Russlanddeutschen demonstrieren am 24. Januar in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) gegen Gewalt und für mehr Sicherheit in Deutschland. Die Demonstration steht im Zusammenhang mit der angeblichen Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus Berlin-Marzahn durch Flüchtlinge.
Hunderte von Russlanddeutschen demonstrieren am 24. Januar in Villingen-Schwenningen (Baden-Württemberg) gegen Gewalt und für mehr Sicherheit in Deutschland. Die Demonstration steht im Zusammenhang mit der angeblichen Vergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens aus Berlin-Marzahn durch Flüchtlinge.

© dpa

Berlin. Die Bundesregierung hat Russland davor gewarnt, mit der angeblichen Vergewaltigung einer Russlanddeutschen in Berlin Politik zu machen. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) sagte am Mittwoch in Berlin, es gebe keinen Grund und keine Rechtfertigung, den Fall der 13-Jährigen für „politische Propaganda“ zu nutzen, um damit die ohnehin schwierige Migrationsdebatte in Deutschland anzuheizen.

Die Berliner Staatsanwaltschaft hat noch keine Erkenntnisse, was während des 30-stündigen Verschwindens des Mädchens passierte. „Wir versuchen alles, um den Fall aufzuklären“, sagte Sprecher Martin Steltner. Seit Tagen gibt es Wirbel um die angebliche Entführung und Vergewaltigung der 13-Jährigen. Im Internet kursierte das Gerücht, dass sie von einer Gruppe südländisch aussehender Männer vergewaltigt worden sei. Der Fall rief auch den russischen Außenminister Sergej Lawrow auf den Plan. Er warf den deutschen Behörden vor, den Fall lange verheimlicht zu haben.

Weder für eine Entführung noch für eine Vergewaltigung sieht die Staatsanwaltschaft bislang Anzeichen. Die Schülerin habe bei ihren Befragungen vier verschiedene Versionen für die Zeit ihres Verschwindens präsentiert, hieß es. Die Aufklärung sei schwierig.

Ermittelt wird aber gegen zwei Männer mit türkischen Wurzeln wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs. Sie werden verdächtigt, einvernehmliche sexuelle Kontakte zu dem Mädchen vor seinem Verschwinden gehabt zu haben. Die Ermittler gingen davon aus, dass die 13-Jährige die Männer schon über Monate kannte.

Russlands Kritik an den Berliner Behörden war nach Meinung eines Moskauer Experten ein Signal an die Russlanddeutschen. „Außenminister Sergej Lawrow wollte möglicherweise sagen: Wir sind bei ihnen, und wir sind bereit, ihre Interessen zu schützen“, sagte der russische Politologe Wladislaw Below der Deutschen Presse-Agentur.

Der Bund der Vertriebenen forderte eine sachliche Debatte. Die etwa 2,5 Millionen Deutschen aus Russland „teilen unsere gemeinsamen Werte, stehen zu unserer freiheitlich-demokratischen Grundordnung und haben sich nach ihrer Ankunft aktiv und gut in die deutsche Gesellschaft integriert“, teilte Präsident Bernd Fabritius mit. Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland ist laut seinen Angaben Mitglied im Bund der Vertriebenen.

Der 13-Jährigen gehe es schlecht, sie könne nicht zur Schule gehen und werde betreut, sagte der Anwalt der Familie, Alexej Danckwardt. Das Mädchen sei doppelt traumatisiert, durch den Missbrauch und die „mediale Hetze“. Die russische Community sei sehr aufgewühlt.

Danckwardt sagte, er stehe zu seiner Rücktrittsforderung an Kanzlerin Angela Merkel (CDU), allerdings „nicht mit diesen Begrifflichkeiten“. Die Linke-Fraktion im Leipziger Stadtrat, wo Danckwardt Mitglied ist, hatte sich bereits von seinen entsprechenden Facebook-Äußerungen distanziert. (dpa)