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Berichtet die SZ zu viel über Pegida?

Bisher bin ich eigentlich mit der SZ zufrieden. Aber ich frage mich, warum in einer seriösen Zeitung eine Minderheit so große Aufmerksamkeit erhalten muss. Vor allem über den Umfang der Berichte zum Tag der Deutschen Einheit habe ich mich maßlos geärgert. Die Protestierer sind doch gerade mal ein Prozent der Bevölkerung. MfG, Klaus-Dieter Fleckner

24.10.2016

Sehr geehrter Herr Fleckner,

die SZ hat über die Feiern tatsächlich sehr ausführlich berichtet. Sie fanden ja in Dresden statt und haben tagelang die Debatte in Deutschland bestimmt. Das ganze Land hat sich wieder einmal gefragt: Was ist da bloß in Sachsen los? Warum schreien, hetzen, pöbeln da Menschen derart hemmungslos?

Sie haben Recht, Herr Fleckner, dass ist eine kleine Minderheit, sie sorgt aber für viel Aufregung und für Diskussionen, die – so oder so – keine Familie kalt lässt. In einer solchen Situation ist es geradezu die Pflicht einer Zeitung, ausführlich zu berichten, damit sich jeder ein Bild von der Lage machen kann. Unsere Leser dürfen erwarten, dass ihre Zeitung alle relevanten Fakten recherchiert, die Ereignisse dokumentiert, Hintergründe beleuchtet, die Geschehnisse einordnet. Das trifft vor allem auf Ereignisse zu, die vor unserer Haustür stattfinden.

Die SZ wird also immer dann besonders ausführlich berichten, wenn das Thema relevant ist und besonders viele Menschen bewegt – unabhängig davon, ob der Redaktion der Gegenstand der Berichterstattung gefällt oder nicht. Ihre Bewertung können Redakteure dann in Kommentaren darlegen – und das haben sie auch sehr eindeutig getan: Sie kritisierten die Pöbler scharf und verwiesen darauf, dass sich die Mehrheit in Sachsen dafür schämt.

Doch dabei belässt es die SZ nicht. Selbstverständlich berichtet sie auch umfangreich über Gegenproteste, wie die vom Montag. Die Redaktion beleuchtete in den Tagen danach Hintergründe und druckte Debattenbeiträge zum Thema in der Rubrik „Perspektiven“. Immer wieder berichtet die SZ – oft exklusiv – über den Grabenkampf bei Pegida oder das Abtauchen Bachmanns im Ausland.

Anders sieht es aus, wenn bei den wöchentlichen Pegida-Veranstaltungen nur immer wieder die gleichen Sprüche wiederholt werden. Dann berichtet die Sächsische Zeitung oft nur in einer kurzen Notiz oder auch gar nicht. Diese Entscheidung, sehr geehrter Herr Fleckner, hat dann auch mit Relevanz zu tun. Diesmal mit fehlender.

Ihr Olaf Kittel

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