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Donnerstag, 17.03.2016

Bergung des Frachters wird zur Plage

Ein tschechisches Schiff mit 800 Tonnen Speisesalz an Bord blockiert seit Montag die Albertbrücke. Den Versuch, die Ladung aus den Luken zu saugen, brechen die Helfer am Mittwoch um Mitternacht ab: Wegen der Feuchtigkeit klumpt das Salz und verstopft den Rüssel.

Am Donnerstag muss eine neue Lösung für die Bergung der „Albis“ her. Ein zweiter Saugbagger soll es richten.
Am Donnerstag muss eine neue Lösung für die Bergung der „Albis“ her. Ein zweiter Saugbagger soll es richten.

Dresden. Stillstand an der Albertbrücke. Auch am Mittwochabend liegt der tschechische Schlepper quer auf der Elbe, es geht nicht vor und nicht zurück. Immerhin ist am Abend ein zweiter Versuch in Angriff genommen worden, das Schiff von der Albertbrücke zu befreien. Der Plan aber scheitert.

Ein Lastwagen mit einem starken Sauger sollte vom Ufer aus die 800 Tonnen Salz aus den Luken des Frachters saugen und im eigenen Tank bunkern, so die Idee. Anschließend sollte die Fracht auf Container verladen werden und für eine Weile im Alberthafen lagern. Pünktlich rollte gegen 18 Uhr das Spezialfahrzeug aus Niederau bei Meißen an die Elbe und die Montage des langen Saugrüssels begann. Karsten Wild vom Wasser- und Schifffahrtsamt zeigte sich optimistisch und rechnete mit einer Dauer der Arbeiten bis zum späten Donnerstagnachmittag – sollte alles reibungslos funktionieren.

Um die Mammutaufgabe zu stemmen, wollten die Einsatzkräfte die ganze Nacht durcharbeiten, im gleißenden Licht, gespendet von THW und Feuerwehr. Die aber drehten um Mitternacht den Strom ab und packten ihre Technik wieder ein. Mit dem Licht schwindet jetzt auch die Hoffnung auf eine zügige Lösung der Elb-Blockade. Denn das sei das vorrangige Problem, sagt Feuerwehr-Sprecher Ralf Schröder: „Die Elbe ist eine Bundeswasserstraße und die muss schnellstens wieder befahrbar sein.“

Die Bergung des Frachters am Donnerstag

Nächtliche Aktivität auf der Elbe

Doch die am Wasser wohl unvermeidbare Feuchtigkeit boykottierte die Anstrengungen: Das Salz rieselte nicht aus dem Rüssel, sondern klumpte und nach etlichen Stunden waren erst 1 500 Kilo der kostbaren Fracht an Land – von 800 000. Diese bescheidene Bilanz führte zum Abbruch des Unternehmens. Da liege ein 800-Tonnen-Salzstreuer im Fluss und man werde am Donnerstag dem Frachter mit einer neuen Strategie an die Ladung gehen, sagt Schröder.


Eine Option wäre dann tatsächlich der Einsatz eines Schwimmbaggers, der neben dem Havaristen andockt und das Salz aus den Luken schaufelt.

Der vorläufige Verbleib der Fracht dann in Dresden, wäre wiederum kein Problem. Die Kapazität im Alberthafen reicht locker, sagt Vertriebsleiter Frank Thiele von den Sächsischen Binnenhäfen. Die Reederei, die für alles aufkommen muss, wird allerdings nicht darauf warten, bis der Frachter wieder fahren kann. Das Salz soll in den nächsten Tagen auf der Straße nach Tschechien kommen.

Zweiter Saugbagger am Donnerstag

Noch nicht ganz klar ist, wie das erleichterte Schiff dann bewegt werden kann. Fest steht: Am Donnerstag wird es noch keinen neuen Schleppversuch geben. „Wir prüfen mehrere Varianten, schwimmende Fahrzeuge und Bergungstechnik vom Land“, sagt Wild. Welches Verfahren, möglicherweise eine Kombination aus beiden Techniken, zum Einsatz kommen wird, wollen Schifffahrtsamt, Feuerwehr und Stadt am Donnerstag entscheiden. Laut Anfrage ist ein zweiter, leistungsfähigerer Saugbagger am Vormittag im Einsatz. Um 10 Uhr soll es eine weitere Krisensitzung von Schifffahrtsamt, Polizei und Feuerwehr geben. Nur bei einer Sache ist Karsten Wild entschlossen: „Am Wochenende soll die Elbe wieder frei sein.“

Einen Stau von Kähnen gibt es nach Angaben des zuständigen Amtes nicht. Gleich nach der Havarie am Montag wäre die Meldung über die Sperrung über Funk gelaufen, sodass sich die Schiffe gar nicht erst auf den Weg gemacht hätten oder gleich eine andere Route gewählt haben.

Das gestrandete Schiff zieht jede Menge Schaulustige an. Ein Kamerateam des tschechischen Fernsehens filmt am Mittwochmorgen den quer an der Albertbrücke liegenden Salzfrachter. Der Kapitän der „Albis“, ein Landsmann, konnte die Havarie am Montagabend nicht mehr verhindern. Als der Antrieb plötzlich versagte, versuchte er zwar noch gegenzulenken. Doch der Kahn blieb an den Brückenpfeilern hängen. Ein Bild, das sich zahlreiche Schaulustige nicht entgehen lassen wollen.

Unermüdlich werden Fotos mit dem Smartphone gemacht. „Das kannst du dem Papa heute Abend zeigen“, sagt eine Großmutter zu ihrem Enkel. Nur zehn Meter weiter blickt man am Nachmittag nicht so entspannt auf das Schiff, das von der Strömung gegen den Sandstein gedrückt wird. Experten von Polizei und dem Schifffahrtsamt haben sich am Vormittag an der Ufermauer zum Krisengespräch getroffen. Ein neuer Plan musste her, nachdem bereits zwei Bergungsversuche mit drei weiteren Schiffen am Dienstag gescheitert waren. Die Entladung soll nun helfen.

Für die Albertbrücke ist diese Schiffshavarie kein großes Problem, schätzt Straßenbauamtschef Reinhard Koettnitz ein. Die 1877 fertiggestellte Sandsteinbogenbrücke sei solide gebaut. Die Pfeiler in der Elbe stehen auf Schwergewichtsfundamenten. Dabei wurden nach dem Bauauftakt 1875 stählerne Hohlkästen errichtet und in den Elbgrund abgesenkt. In die füllten die Brückenbauer unter eine meterdicke Schicht Zementbeton.

Auf diesem Schwergewicht stehen die Pfeiler noch heute. „Deshalb halten sie – trotz ihres Alters – so ein Schiff schon aus“, erklärt Koettnitz. „Durch die jetzige Havarie gibt es ein paar Kratzer, die jedoch nicht zu statischen Problemen führen.“ Wie belastbar die Albertbrücke ist, habe bereits das Hochwasser 2002 gezeigt. Genau wie bei der Juniflut 2013 hatten Fachleute in Zwölf-Stunden-Schichten die Elbquerung wegen möglicher Gefährdung überwacht. „Doch die Hochwasser haben der Brücke nichts getan.“ (SZ/szo)

Leser-Kommentare

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Insgesamt 32 Kommentare

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  1. Dresdner Gewissen

    WSB Gegner aufgepasst! Dieser Schiffsunfall zeigt, warum moderne Brücken (WSB) keine Pfeiler im Strom haben dürfen. Somit muß die Brücke weit spannen und es sind bestimmte Proportionen vorherbestimmt.

  2. elbgeistDD

    Das ist doch kein normales Schiff - die Tschechen testen hier ihre neuen mobilen Staustufen, da es nicht reicht die Elbe nur bei Decin zu stauen wenn man bis Hamburg fahren will...

  3. Brückenfreund

    Psst: Ohne Brücke wären aber auch keine Pfeiler notwendig und die Landschaft sähe besser aus und das Schiff würde nicht quer vor den Pfeilern stehen. Aber vermutlich hätten wir in einer Welt ohne Brücken auch keine Schiffe die mit Salz beladen sind. ;-)

  4. Roland

    Der Kapitän war wohl irritiert vom schönen Geländer :)

  5. ole

    @1: Klar doch. Auf Grund gelaufene und quertreibende Kähne sind völlig normal auf der Elbe. Völlig logisch, dass man das beim Brückenbau beachten muss. Demnächst noch etwas die Brücken erhöhen, falls sich die AIDA verfährt.

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