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Dienstag, 16.02.2016

Bereit für die nächste Flüchtlingswelle

2015 stieß das Rote Kreuz bei der Versorgung von Asylbewerbern an Grenzen. Um künftiges Chaos zu vermeiden, sind die Helfer nun wie ein Unternehmen organisiert.

Von Tobias Wolf

Die neue Lager- und Logistikhalle ist ein Baustein in den Plänen des Roten Kreuzes, um mit einer neuen Flüchtlingswelle fertig zu werden.
Die neue Lager- und Logistikhalle ist ein Baustein in den Plänen des Roten Kreuzes, um mit einer neuen Flüchtlingswelle fertig zu werden.

© Sven Ellger

Dresden. Lastwagen rollen an die Eingangstore der neuen Logistikhalle. Paletten werden abgeladen, die Ware mit Barcodescannern erfasst und eingelagert. Am anderen Ende des Gebäudes stellen Mitarbeiter eine Lieferung mit Hilfsgütern zusammen. Wieder kommen Scanner zum Einsatz, jedes noch so kleine Teil wird elektronisch verbucht. Was nach der Lagerwirtschaft eines Industriebetriebs klingt, ist das neue Lagersystem des Deutschen Roten Kreuzes (DRK).

Erst im Januar war die neue Lagerhalle in Betrieb gegangen. Es ist eine Konsequenz aus der Flüchtlingskrise des vergangenen Jahres, die das DRK gezogen hat. Knapp 70 000 Flüchtlinge kamen 2015 nach Sachsen. Die meisten von ihnen haben die Katastrophenhelfer betreut.

„Im letzten Jahr lief vieles chaotisch und wir waren teilweise an der Belastungsgrenze“, sagt DRK-Sprecher Kai Kranich. „Jetzt sind wir besser aufgestellt.“ Die Organisation bereite sich auf ein Szenario wie 2015 vor. Derzeit stehen in den vom DRK betreuten Erstaufnahmeeinrichtungen in Dresden 3 700 Plätze für Asylbewerber zur Verfügung. Mit 1 000 Menschen sind diese Kapazitäten derzeit nur zu einem reichlichen Viertel ausgelastet. Angesichts der höchsten Flüchtlingszahlen auf dem Globus seit dem Zweiten Weltkrieg sei aber nicht an eine Reduzierung der bisher geschaffenen Kapazitäten zu denken.

„Wir nutzen die derzeitige Ruhe, um interne Abläufe und Prozesse zu verbessern und unsere Helfer weiter auszubilden“, sagt Kranich. Dafür sei 2015 keine Zeit gewesen. Mitarbeiter mussten immer wieder spontane Entscheidungen treffen, ohne überhaupt entsprechend geschult zu sein. Nun gibt es für die Helfer in den Erstaufnahmeeinrichtungen Sicherheitstrainings sowie Kurse zu Konfliktmanagement und interkultureller Kompetenz. Ein einheitlicher Leitfaden für Erstaufnahmeunterkünfte soll sicherstellen, dass überall die gleichen Standards gelten.

Die Flüchtlingswelle 2015 hat auch so etwas wie ein kleines Konjunkturprogramm hervorgebracht. Rund 800 Mitarbeiter hat allein das DRK in Sachsen neu eingestellt. Auch die neue Lager- und Logistikhalle an der Bremer Straße hätte der Freistaat vielleicht nicht finanziert ohne die Krise. In dem Gebäude lagern jetzt so viele Zelte, Feldbetten, Schlafsäcke und Hygienematerial, dass auf einen Schlag 4 000 Menschen untergebracht und versorgt werden können. Bis 2015 waren diese Vorräte für gerade einmal 500 Bedürftige ausgelegt, um beispielsweise bei einem Elbehochwasser zum Einsatz zu kommen. Auch deshalb musste das DRK Sachsen im vergangenen Jahr auch Hilfe aus dem Ausland anfordern, unter anderem aus den USA und Kanada. „Jetzt können wir in anderen Bundesländern oder unseren Nachbarstaaten helfen“ sagt der DRK-Sprecher.

Alles soll reibungsloser laufen, lautet das Credo des DRK. Ob das in der Praxis funktioniert, wird sich wohl erst zeigen, wenn wieder mehr Asylbewerber nach Sachsen kommen. Sobald die Temperaturen im Frühjahr steigen, dürften sich mehr Flüchtlinge in den Krisenländern des Nahen Ostens auf den Weg machen.

Eine Notunterkunft schließt das DRK in dieser Woche. Am Montag sind alle Bewohner der Turnhalle an der Marienallee auf andere Einrichtungen verteilt worden. In der kommenden Woche soll die Halle wieder an die Bundeswehr übergeben werden.